Konstanz: Türkischer Generalkonsul ist über Völkermord-Ausstellung erzürnt

Die Verantwortlichen im Landratsamt hatten lange darüber diskutiert, ob man die Wanderausstellung zeigen solle. Kritik war absehbar. Die Resolution des Bundestags vom Juni vergangenen Jahres, in der die Verbrechen an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet werden, hat das Verhältnis zur türkischen Regierung stark belastet. Der türkische Präsident Erdogan hatte damals den Botschafter seines Landes aus Deutschland zurückbeordert.

Wut und Abwehrhaltung türkischer Interessenvertreter, die die Resolution des Bundestags verurteilen, treffen nun die Ausstellungs-Organisatoren in Konstanz. Im Landratsamt gingen Warnungen ein. Eine davon haben der Landrat und der Kreisarchivar selbst zum Ausstellungsstück gemacht. Besucher können nachlesen, was der türkische Generalkonsul in Karlsruhe geschrieben hat.

Die türkische Gemeinschaft in Deutschland sei enttäuscht, dass „die Leitung einer öffentlich-rechtlichen Institution die Schirmherrschaft für eine mit Vorurteilen beladene Ausstellung unterstützt“, so führt der Generalkonsul Cem Örnekol [Foto] aus. Türken müssten dies als Demütigung empfinden. Der Generalkonsul warnt, dass die Ausstellung auch negative Folgen für städtepartnerschaftliche Initiativen der Stadt Konstanz in der Türkei haben könnte. „Wir wollen deutlich machen, wohin Intoleranz und Hass führen“, sagt der Landrat bei der Ausstellungseröffnung. Es gehe nicht um Schuldzuweisung, sondern um die Schärfung der Wahrnehmung. Jede Gesellschaft müsse sich der Aufarbeitung der Geschichte stellen. Und: „Es geht auch um Meinungsfreiheit.“ Er sei erschrocken, dass am Bodensee wohnende Armenier baten, die Ausstellung abzusagen, weil sie Nachteile für sich und Angehörige in der Türkei befürchten. „Reicht der Arm von Herrn Erdogan bis nach Konstanz?“, fragt Hämmerle. (Auszug aus einem Artikel des Suedkurier.de)

Zu der heute Abend stattfindenden Podiumsdiskussion wurde auf Empfehlung des türkischen Generalkonsuls mit Ali Söylemezoglu ein Genozid-Leugner eingeladen (mehr dazu auf der armenischen Seite Haypress).

In Deutschland kommt es jährlich durch hier „stationierte türkische Besatzungstruppen“ zu Demonstrationen wegen des Genozids an den Christen im osmanischen Reich. So drohte schon einmal der Präsident der türkischen Gemeinde zu Berlin Bekir Yilmaz, ein SPD-Mitglied: „Wir können auch anders!„.