Merkels vergessene Tote

Merkels Tote vom Berliner Weihnachtsmarkt sind bereits vergessen. Fast scheint es, als sei dieses schnelle Vergessen politisch gewollt. Während man um die türkischen Toten des NSU jahrelang einen regelrechten Wirbel veranstalte, ihnen Gedenksteine setze, Straßen und Plätze nach ihnen benannte, um ihre Erinnerung zu bewahren, wurden von Merkels deutschen Toten vom Berliner Weihnachtsmarkt offiziell nicht einmal die Namen genannt. Denn Merkels Tote sind für die Politführung der Bunten Republik nicht instrumentalisierbar, sie sind ihr peinlich. Merkels Tote werden verscharrt und sollen dann vergessen werden – das ist die Taktik.

(Von M. Sattler)

Man stelle sich vor, ein deutscher Neonazi wäre mit einem LKW in eine Gruppe betender Türken gefahren und hätte zwölf Menschen die Schädel zerquetscht, mitten in Berlin. Sehr wahrscheinlich hätte der „Spiegel“ am nächsten Tag nicht getitelt: „Maximal unbeeindruckt“. Sehr wahrscheinlich hätte man die türkischen Angehörigen der Toten auch nicht von der offiziellen Trauerfeier ausgesperrt. Und sehr wahrscheinlich hätte man die Berliner nicht dazu animiert, schon zwei Tage später an der Stelle der Morde demonstrativ Glühwein zu trinken, um „Gelassenheit“ zu spielen, obwohl das Blut noch auf dem Asphalt zu sehen war.

Sehr wahrscheinlich hätten wir auch erfahren, wer die Toten waren. Die Zeitungen hätten Bilder dieser Menschen gezeigt, sie hätten den Toten ein Gesicht gegeben. Wir hätten etwas über diese Menschen erfahren, wir hätten Mitleid mit ihnen empfunden und Anteilnahme.

Genau dies: Mitleid und Anteilnahme, so scheint es, aber war im Fall von Merkels Toten nicht gewollt. Die Toten vom Berliner Weihnachtsmarkt wurden sofort anonymisiert, als hätte es diese Menschen nie gegeben. Abgesehen von ganz wenigen Meldungen, überwiegend zum Schicksal der ermordeten Italienerin, schwieg sich die Presse komplett aus. Wie kennen nicht die Geschichte dieser Menschen, wir kennen nicht ihr Leben, wir erfahren nicht einmal ihre Namen, insbesondere nicht die Namen der ermordeten Deutschen.

Diese seltsame offizielle Gesichtslosigkeit der Toten vom Berliner Weihnachtsmarkt, ihre völlige Anonymität, steht in erstaunlichem Gegensatz zum publizistischen Aufwand, der in den deutschen Medien, aber auch in der deutschen Politik um die türkischen Toten des NSU oder die Toten des norwegischen Mörders Anders Breivik betrieben wurde: Bis ins Detail wurden damals die persönlichen Schicksale der Opfer ganz bewusst in den Mittelpunkt der Berichterstattung gerückt, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weg von den politischen Beweggründen der Täter und hin auf die Leiden der Opfer zu lenken. Nach den türkischen Toten des NSU wurden sogar Straßen und Plätze benannt, Gedenksteine errichtet, damit wir ihre Namen nie vergessen sollen.

Die Erklärung für diesen auffälligen Unterschied im Umgang mit den türkischen Toten des NSU und den deutschen Toten des Bundeskanzlerin, hingerichtet von einem arabischen Stück Dreck, fällt nicht schwer. Die Toten des NSU kamen der Regierung politisch wie gerufen, sie waren im Kampf gegen den innenpolitischen Gegner „von rechts“ bestmöglich instrumentalisierbar. Die Toten von Anis Amri jedoch zeigen mit dem Finger nicht nur auf den Mörder selbst, sondern unübersehbar auch auf die politischen Täter hinter dem Täter: Die Merkels, die Gaucks, die deMaizieres, die Maas‘, all die Siedlungspolitiker, die Umvolker, die Rechtsbrecher, Lügner und Schöne-bunte-Welt-Verführer, die das interethnische Töten in Deutschland, besonders das Töten von Deutschen, als unvermeidliche Kollateralschäden ihrer verfluchten Politik eiskalt in Kauf nehmen. Gewissenlose Schreibtischtäter allesamt, die uns mit ihren Ermahnungen zu „Gelassenheit“ im Nachhinein sogar noch zu Bündnispartnern ihrer eigenen Eiseskälte machen wollen, obwohl wir alle Schmerzen dieser Welt mit den Angehörigen mitfühlen. Und die zu alledem, wie im Fall Gauck, obendrein die Chuzpe haben, die Angehörigen mit der herbeigelogenen Ausrede zu verhöhnen, man habe leider nicht gewusst, dass man sie, die Angehörigen, von der Trauerfeier ihrer eigenen Familienmitglieder ausgesperrt hatte – welch eine Unverfrorenheit!

Sterbende Türken nach einem rechtsradikalen Anschlag – solche Nachrichten kann Angela Merkel samt ihrer miesen Bande politisch immer gut gebrauchen. Aber sterbende Deutsche mitten in Berlin – das schadet der Propaganda vom glückseligen Paradies der Bunten Republik. Sterbende Deutsche, denen der LKW eines arabischen Kolonisten den Schädel gespalten hat, kratzen am Lack der Fassade des schönen neuen Deutschlands, das man als selbsternannter globaler Heilsbringer der weiten Welt da draußen gern vermitteln möchte. Und sterbende Deutsche in der eigenen Hauptstadt werfen unangenehme Fragen auf, denen man in Lügenstaat und Lügenpresse schon seit Jahren am liebsten aus dem Weg gehen möchte: Fragen nach der eigenen Verantwortung, Fragen nach der eigenen Schuld, Fragen nach der Kruste Blut an den eigenen schmutzigen Händen.

Wir wissen nichts über die Toten vom Berliner Weihnachtsmarkt, weil wir nichts über sie wissen sollen. Wir erfahren offiziell ihre Namen nicht, weil wir sie nicht kennen sollen. Wie werden sie vergessen, weil wir uns nicht an sie erinnern sollen. Türkischen Toten errichtet man Gedenksteine, deutsche Tote verscharrt man namenlos und lässt dann Gras über sie wachsen

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