Bystron abgewatscht: Was nun, AfD-Bayern?

Ein Gefühl der Resignation macht sich breit unter den Anhängern und Mitgliedern der AfD in Bayern, nachdem am Sonntag bei der Aufstellungsversammlung in Greding die Wahl des Landesvorsitzenden Petr Bystron auf Platz 1 der Landesliste verhindert wurde und stattdessen der bislang unbekannte Schriftführer Martin Hebner (kl. Foto) zum „Spitzenkandidaten“ für den Bundestag gewählt wurde. Die Korken knallen lassen kann jetzt die CSU, der Bystron durch seine bisherigen Leistungen gehörig Respekt eingejagt hatte.

Vor wenigen Wochen sickerte im (in bayerischen Angelegenheiten gut informierten) Münchner Merkur die Information durch, dass sich die sonst sehr siegessichere CSU-Parteiführung in Bayern nur in zwei Wahlkreisen Sorgen um den Direktkandidaten macht, „weil dort die AfD stark ist“ – einer davon war München-Nord, wo Bystron kandidiert.

Jetzt scheint es so, als habe nicht nur die politische Konkurrenz eine Sorge weniger. Auch für die Mainstreammedien ist die Bystron-Niedrerlage ein gefundenes Fressen. Die linke Süddeutsche frohlockt unverhohlen: „AfD düpiert Parteichef“ und setzt auch noch in Umlauf, der Parteichef wäre „zu wenig aktiv“. Eine etwas absurde Begründung für die Wahl eines selbst innerhalb der Partei  völlig unbekannten Nobodys, der bisher keine einzige öffentliche Veranstaltung für die AfD bestritt. Bystron hingegen zählt zu den drei aktivsten Vorständen und – nicht zuletzt durch seinen gelungenen Auftritt beim BR-Stammtisch vor einem Jahr – zu den bekanntesten AfD-Politikern bundesweit. Laut AfD hat er diesen Dienstag Auftritte in Garching, wo er gemeinsam mit Christian Jung den Linksstatt angreift und gleich am Donnerstag tritt er im thüringischen Gera als Hauptredner und Ersatz für Björn Höcke neben Wiebke Muhsal und Stephan Brandner auf. Und zuletzt sorgte Bystron beim Skandal um das Denunzieren von AfD-Mitgliedern bei ver.di mit seiner Kritik in der BILD für Aufsehen.

Wie kann es dann sein, dass so jemand dann von der eigenen Basis dermaßen abgewatscht wird? Es scheint, dass Bystron Opfer seiner eigenen Bekanntheit geworden ist und einiger Querelen im Landesverband. Bystrons Wahl auf Platz eins bei der Aufstellungsversammlung in Greding galt als sicher, so fuhren zahlreiche Mitglieder erst gar nicht hin. Die Gegner mobilisierten dagegen immens. Vor allem der ehrgeizige Martin Sichert aus Nürnberg rückte mit großer Truppe an. Er kann es dem Landesvorstand wohl nicht verzeihen, dass er in Nürnberg zwei Kreisverbände gründete. Sichert, der früher schon bei der SPD und der FDP war, interpretiert das Vorgehen als Angriff gegen sich selbst. Dabei führte der Landesverband bayernweit sechs solche Gründungen im letzten Jahr wegen der steigenden Zahl der Mitglieder durch – stets nach dem gleichen Prozedere und ohne, dass sich jemand darüber beschwert hätte. Auf Facebook konnte Sichert nach der Bystron-Niederlage seine Schadenfreude nicht verbergen und frohlockte: „Wer sich zu früh freut, den bestraft das Leben!“

Viele Mitglieder sind konsterniert. Einen angeschlagenen Landesvorsitzenden ein halbes Jahr vor der so wichtigen Bundestagswahl? Nein, das wollten die meisten dann doch nicht. Bleibt also die Frage, wie sich die Partei jetzt aus der selbstangelegten Schlinge zieht. Die weiteren Plätze für den Bundestag will die AfD am kommenden Wochenende erneut in Greding vergeben. Möglicherweise tritt dann Petr Bystron noch einmal an – es wäre ihm zu wünschen, wenn die Basis ihm dann die nötige Unterstützung erteilen würde. Verdient hätte er es allemal.