Ein Einblick, der wehtut

Was in all den eilig aus dem Boden gestampften Asylheimen vor sich geht? Auf Mainstream-Medien und Politik kann man sich da keinesfalls verlassen. Dann schon eher auf jemand wie Tuvia Tenenbom, der vor Ort war und mit Beteiligten gesprochen hat. Es reicht aber nicht, nur zu wissen, wie schlecht es den armen Fachkräften geht – es ist immer gut, wenn einer auspackt, der zuerst zuversichtlich war, dann einen Wirklichkeitsschock erlitten hat und danach jahrelang weitermachte, zähneknirschend, bevor er auspackte.

Jetzt liegt mit »Brennpunkt Traiskirchen« zum ersten Mal der Bericht eines Insiders vor: Franz Schabhüttl (Foto r. mit seinem Co-Autor Andreas Wetz) war 13 Jahre lang Leiter des „Flüchtlings“lagers im niederösterreichischen Traiskirchen, das seit Beginn der Flüchtlingskrise unentwegt durch Gewaltverbrechen für Schlagzeilen gesorgt hat.

Schabhüttls erschütternder Bericht zeigt nicht nur die chaotischen Verhältnisse im völlig überfüllten Lager selbst, sondern auch die unverantwortliche Politik des Innenministeriums: Vor allem öffentlichkeitssuchende Volksvertreter, die den Menschenimport zum Aufpolieren ihres eigenen Rufs benutzen, stellen der staatlichen „Flüchtlings“politik ein Armutszeugnis aus. Aber auch Wohltätigkeitsorganisationen wie die Caritas, die sich ebenfalls vor allem um ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit kümmerten und die tatsächliche Lage noch verschlimmerten, werden endlich bloßgestellt.

„Brennpunkt Traiskirchen“ wirft ein grelles Licht auf Tatsachen, die längst angesprochen werden mussten. Noch viel schlimmer als das völlige Versagen politischer und sozialer Strippenzieher beim Umgang mit der Asylantenflut ist ihre Hyperaktivität, wenn es darum geht, aus der Versorgung der illegal hereingelassenen „Flüchtlinge“ finanziellen Gewinn und Prestige zu schlagen – und sich dabei keinen Deut um die Sorgen der Menschen vor Ort zu scheren. Schabhüttls schonungslose Enthüllungen lassen alle Illusionen darüber schwinden, dass wirklich auch nur einer der Beteiligten uneigennützig handeln würde.

Bestellhinweis:

» Franz Schabhüttl und Andreas Wetz: Brennpunkt Traiskirchen. Protokoll aus dem Inneren des Asylsystems, Wien 2017. 240 Seiten, 21,90 Euro – hier bestellen