Essen: Guido Reil an „Schule ohne Rassismus“

Ein weiteres Fallbeispiel journalistischer Armutszeugnisse in Deutschland liefert uns heute die WAZ von der Funke-Mediengruppe. Allein der Titel des Artikels „Unfug! – Wie 100 Essener Schüler Guido Reil von der AfD auseinandernahmen“ ist fremdbeschämend und entlarvend zugleich. Im Artikel geht es um die obligatorischen Besuche der Schule durch Vertreter der Landtagsparteien oder jener, die beste Aussichten haben, am 14. Mai in den Landtag einzuziehen.

(Von Stresemann)

Traditionell treten die Parteienvertreter dabei in den politischen Dialog mit den Schülern der jeweiligen Schule. Diesmaliges Aufeinandertreffen: Ex-SPD-Mitglied Guido Reil, nun aufstrebender AfD-Funktionär, diskutiert mit Schülern des Gymnasiums in Essen-Borbeck. Als es zum Thema Migration und Flüchtlinge kommt, soll es seitens der Schülerschaft harte Kanten Richtung Guido Reil gehagelt haben, die ihm „keine Ruhe“ gelassen haben sollen, so der WAZ-Artikel.

Dabei zeigt dieser Artikel, wieviel Intellekt er seinen Lesern beizumessen wagt. Schon der Begriff „auseinandernehmen“ impliziert eine debattenbezogene Unterlegenheit von Reil, sowohl inhaltlich als auch artikulativ. Dabei sollte jedem Leser einleuchten, dass hier nicht viel mit rechten Mitteln zugegangen sein kann. Normalerweise müsste ein Pädagoge seine Zöglinge zügeln, bevor sie zu pöbeln beginnen, was offensichtlich nicht getan wurde, wenn von „keine Ruhe“ und „auseinandernahmen“ die Rede ist. Oder die WAZ hat bewusst übertrieben.

Ist beides nicht der Fall, ist es ein Armutszeugnis für die Pädagogik des Gymnasiums oder es wurde bewusst auf eine gescheite Moderation verzichtet und den Schülern freien Raum gelassen, eine sachliche Debatte zu verhindern.

Wenn man sich die eine oder andere Darstellung inklusive Zitat im Artikel auf der Zunge zergehen lässt, fällt auf, dass es doch höchst unrealistisch ist, dass einfache Schüler im pubertären Alter einem dreifach älteren, gestandenen Gewerkschafter und Polit-Funktionär so ohne Weiteres widersprechen und seine Thesen abwinken können, verfügen sie doch über keinerlei ernstzunehmende politische, geschichtliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bildung, um bei einer solchen Diskussion etwas Konstruktives beizutragen.

Ginge es um eine Debatte auf Augenhöhe, müssten die Parteienvertreter bzw. die Schüler mit ihresgleichen diskutieren. Im Falle einer Querdiskussion gibt es ein klares intellektuelles und empirisches Gefälle von den Parteienvertretern hin zu den Schülern.

Nach all diesen logischen Schlüssen liegt somit der Verdacht nahe, dass die Schüler zuvor im Sinne einer politischen Tendenz angestachelt worden sind, dem AfD-Vertreter das Leben schwer zu machen, denn allzu konstruktiv kann die Diskussion nicht gewesen sein, schmückt die WAZ den Artikel doch mit Vokabeln, nach denen Reil von den Schülern „auseinandergenommen“ worden sei.

Wie sich der Vertreter der CDU beim Thema Migration positioniert hat, wo die Partei momentan doch einen kreativen Schlingerkurs zu fahren pflegt, steht hingegen nicht im Artikel. Armes Deutschland, deine Schulen, deine Journaille.