Gaga-Grebe

Am Montag haben wir auf einen Auftritt des Kölner Kabarettisten Rainald Grebe in der 3sat-Comedy-Sendung „Pufpaffs Happy Hour“ hingewiesen, bei dem er sich wünschte, Frauke Petry würde bei der Geburt ihres Kindes von „linkradikalen Hebammen“ betreut. Das Netz und die PI-Leser quittierten diese Aussage hier und auf der Facebookseite Grebes mit entsprechenden Kommentaren. Einige schrieben an die 3sat-Redaktion. Diese hat einem unserer Leser geantwortet und auch ein schwammiges Statement des „Künstlers“ mitgeliefert:

Sehr geehrte Zuschauerin, sehr geehrter Zuschauer,

herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung. Richtig ist, dass der Kabarettist Rainald Grebe diesen Satz im Rahmen einer satirisch-dadaistischen Nummer gesagt hat. Was uns jedoch sehr verwundert hat, ist die Tatsache, dass dieser Satz außerhalb des Kontexts von einigen Zuschauern als Aufruf zur Gewalt missverstanden wurde. Wir können versichern, dass dies keineswegs gemeint war, wie auch der Künstler noch einmal betont:

„Liebes Netz, der Satz, ich wünsche, daß Frauke Petry von linksradikalen Hebammen entbunden wird, ist kein Aufruf zur Gewalt, sondern Teil einer dadaistischen Etüde. Mehr nicht.

Frieden und Freundschaft allen dadadraussen! Rainald Grebe“

Wie viele Satiriker, formuliert Rainald Grebe häufig abstrakt, schafft schräge Sprachbilder, die sicher oft Spielraum für Interpretation lassen. Gewalt war definitiv keine beabsichtigte Interpretationsmöglichkeit.

Man könnte den Satz vielleicht philosophisch interpretieren als satirische Idee einer „Herstellung des kosmischen Gleichgewichts zwischen rechts und links“ durch den Geburtshilfeakt „von links“.

Allgemein möchte der Künstler keine „Gebrauchsanweisung“ für sein Schaffen liefern, bittet aber um Interpretation der gesamten Nummer im dadaistischen Kontext. Eines ist ihm ebenso wie der Redaktion sehr wichtig:

Ein Aufruf zur Gewalt war absolut nicht gemeint, ist auch grundsätzlich niemals Teil seines Schaffens. Seien Sie versichert, dass wir als Redaktion solche Botschaften auch grundsätzlich niemals dulden würden.

Herzliche Grüße

Ihre 3sat-Redaktion Kabarett & Comedy
kabarettundcomedy@zdf.de

Man kann sich kaum entscheiden, ob nun das Geschwurbel der Clowns-Redaktion oder die grenzdebile Ausrede Gaga-Grebes schlimmer ist. Es wird uns also erklärt, dass hier Blödsinn strukturiert aus dem Kontext noch größeren Blödsinns gerissen wurde. Nebenbei bemerkt, die Intention der Satire ist es, so nahe wie möglich an der Realität zu sein, sie ist damit alles andere als abstrakt. Satire soll in ihrem Sinn so wenig Interpretationsmöglichkeit wie denkbar lassen, sondern konkret und verächtlich sein. Letzteres war die Aussage Gaga-Grebes mit Sicherheit, Satire war es dennoch nicht. Und danke, aber eine Gebrauchsanweisung für Dinge, die niemand braucht, ist ohnehin nicht nötig.

Zur Herstellung des „kosmischen Gleichgewichtes“ und selbstverständlich nur als „dadaistisches schräges Sprachbild“ zu verstehen, wünschen wir uns, man möge Gaga-Grebe, um ihn davor zu bewahren, künftig aus der Rolle zu fallen, in einer am Rücken gebundenen Jacke in ein weich gepolstertes Zimmerchen sperren, wo er ganz gaga seinen Dadaismus ausleben kann, ohne andere damit zu belästigen.

Hier nochmal das Video des Gewaltaufrufs (bei 5:42 min):

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