Hamed Abdel-Samad: „Allah will Blut sehen“

Der ägyptischstämmige Islamkritiker Hamed Abdel-Samad nimmt im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung über den Islam kein Blatt vor den Mund: Es gebe keinen „Missbrauch“ der Religion, sondern es fände ein Gebrauch statt. Die Religion schreie förmlich danach, für Gewalt gebraucht zu werden, weil dies einer ihrer Bestandteile sei. 25 direkte Tötungsbefehle gebe es im Koran, bei denen Allah den Tod fordere. Allah wolle Blut sehen und Mohammed sei ein Krieger gewesen, der von Kriegsbeute lebte.

(Von Michael Stürzenberger)

Bei der Kern-Aussage von Hamed Abdel-Samad habe ich mir erlaubt, seine Formulierung „Gott“ in „Allah“ abzuändern, denn es geht hier ausschließlich um den islamischen Gott, der mit dem christlichen absolut nichts zu tun hat:

«Es ist kein Missbrauch der Religion, sondern ein Gebrauch. Denn die Religion schreit förmlich danach, gebraucht zu werden für Gewalt, weil es ein Bestandteil der Religion ist. 25 Tötungsbefehle gibt es im Koran, direkte Tötungsbefehle, wo Allah den Tod sehen will. Allah will Blut sehen. Mohammed war ein Krieger, lebte von Kriegsbeute.»

Den Koran sieht er als Auftrag für Gläubige, eine Handlungsanleitung, die Gewaltanwendung ausdrücklich fordere:

«Das Buch hat eine ungeheure Macht. Der Koran wird von der Mehrheit der Muslime als die letzte direkte Botschaft Gottes für den Menschen betrachtet, mit einem politischen Auftrag, mit einem juristischen Manifest, mit einer Verfassung, wie die Menschen leben sollten. Wenn Gott zum letzten Mal spricht, dann hat das eine Macht. Viele Muslime, vor allem Islamisten, legen das so aus, dass sie diesen politischen Auftrag Gottes notfalls auch mit Gewalt in die Welt tragen müssen.»

Überall in der islamischen Welt, wo der Islam die Hauptrolle in der Gesetzgebung spiele, gebe es „Freiluftgefängnisse“. Diese Ideologie sei faschistisch, diffamiere Ungläubige als Minderwertige und würde einen normalen Umgang von Moslems mit Nicht-Moslems erschweren. Der sogenannte „Islamismus“ sei von Anfang an im Islam angelegt:

«Der Islamismus ist nur eine konsequente Umsetzung dessen, was im Koran steht. Die Haltung gegenüber Ungläubigen, die Haltung gegenüber Gewalt – das ist eine Umsetzung des politischen Auftrags des Islams. Der Islam ist mit diesem politischen Auftrag geboren. Es gibt einen Geburtsfehler des Islams, nämlich die Vermischung von Glaube, Politik, Wirtschaft und Gesetzgebung, und zwar seit der ersten Stunde.»

Abdel-Samad sieht folgende Lösung des Problems:

«Die Konsequenz muss sein, die Gewaltpassagen im Koran für ungültig zu erklären, zu sagen, sie spielen heute keine Rolle mehr für unsere Welt. Und davor scheuen sich sowohl konservative Prediger als auch manche Reformer. Sie haben Angst, die Mehrheit der Muslime gegen sich aufzubringen. Aber Reformer, gerade Reformer, dürfen nicht an die Mehrheit denken.»

In dem Artikel „Gott will Blut sehen“ der Neuen Zürcher Zeitung ist auch das knapp 50-minütige Gespräch mit dem NZZ-Chefredakteur Eric Gujer und der politischen Philosophin Katja Gentinetta als Video zu sehen. Solche Artikel und Gespräche wünscht man sich in dieser Klarheit auch in der deutschen Medienlandschaft..

Tichys Einblick zu dem NZZ-Gespräch: Hamed Abdel-Samad und das Thema Freiheit