Tomaten vierteln in Germoney

„Ich bin sehr glücklich mit meiner Arbeit hier“, sagt Qadir Mughel (19) aus Afghanistan. Bei der „Arbeit“ handelt es sich um etwas, was deutsche Arbeitnehmer nach einem anstrengenden Arbeitstag zu Hause nebenbei erledigen ohne jemals dafür in der Zeitung zu stehen: Tomaten vierteln, Gurken schneiden, Hilfsarbeiten. Qadir ist Praktikant. Während das wertvolle Goldstück ein paar Wochen Gemüse schnippelt, haben glanzlose Gleichaltrige für das Abitur gebüffelt und sind auf der Suche nach einer studentischen Abstellkammer. Nach den Vorlesungen arbeiten sie abends in der Gastronomie, um den außerordentlich teuer gewordenen Wohnraum zu finanzieren.

Andere 19-Jährige halten nach drei Jahren Lehre den Gesellenbrief in der Hand. Sie haben Prüfungen abgelegt, Berichtsheft geschrieben, hatten zu Beginn ihrer Ausbildung eine Probezeit, mussten Zeugnisse vorlegen, um die Stelle zu kriegen. Wehe, die Deutsch- oder Mathenote war nicht gut. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, trichterte man ihnen ein. Jetzt sind sie Facharbeiter, müssen sich lebenslang weiterbilden.

Meister oder Master machen, heiraten, Kinder kriegen, Kinder – wenn möglich ganztags – in die Kita stopfen, weiter arbeiten, Grundschule suchen. Und immer fleißig malochen, Überstunden machen, um die Inflation auszugleichen. Ohne Guthabenzinsen auf ein Eigenheim sparen. Weiter malochen und weiterführende Schule für die Kinder suchen. Nebenher riestern und die Eltern pflegen. Den Kindern sagen, dass sie länger rackern müssen, weil Deutschland so wenig Kinder hat. Den Kindern sagen, dass noch viel mehr Qadirs kommen, weil Deutschland so wenig Kinder hat.

Qadirs Praktikum dauert ein paar Wochen. Dann hat er wieder bezahlten Urlaub in Germoney.

Details zu den Merkel-Gästen:

Die meisten Flüchtlinge können kein Wort Deutsch, wenn sie hierher kommen, vielen fehlt zudem jede Grundqualifikation, um einen Beruf auszuüben. Laut IW haben nur 18 Prozent der Erwachsenen, die in den vergangenen zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, einen Berufs- oder Universitätsabschluss. […]

„Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern, die kein gut ausgebautes Bildungssystem haben. Denen ist die Bedeutung einer Ausbildung gar nicht bewusst“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. […]

„Vielen Flüchtlingen fällt es schwer, Deutsch zu lernen“, ist die Erfahrung von Restaurantleiter Eck. […]

Doch auch kulturelle Unterschiede würden sich bemerkbar machen. „Das Frauenbild passt manchmal nicht.“ Einige männliche Flüchtlinge würden auf die Anweisungen von Frauen anders reagieren, despektierlicher. „Wir erklären ihnen dann, dass es hier keinen Unterschied macht, ob eine Frau oder ein Mann etwas sagt“, so Eck.

Was er berichtet, ist die Erfahrung vieler Vorgesetzter, die Flüchtlinge beschäftigen. Drei von vier Firmen haben laut IW angegeben, dass sich Flüchtlinge zunächst an die deutsche Arbeitsmentalität gewöhnen müssten. Gemeint sind damit Tugenden wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit.

Dafür sind Motivation und Leistungsbereitschaft oft unerwartet hoch. Harald Eck hat die Erfahrung gemacht, dass sich seine Praktikanten nicht nur durchweg arbeitswillig zeigen – sondern, dass viele sogar motivierter sind als so manch deutscher Berufsschüler, meint der Restaurantleiter. […]

Fest einstellen tut er aber keinen der hypermotivierten Gemüseschnippler. Vermutlich, weil sie weit davon entfernt sind, eine Berufsschule zu schaffen. Da nimmt man dann doch lieber das angeblich unmotivierte deutsche Kind.

Von einer regulären Beschäftigung oder einer Berufsausbildung sind aber viele weit entfernt. Das Gros der Flüchtlingen, die in deutschen Unternehmen arbeiten, tut das auf Basis von mehrwöchigen Praktika.

Mehr ist oft schon deshalb nicht möglich, weil der Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge ungeklärt ist, zum Beispiel ein Verfahren zur Anerkennung als Asylbewerber läuft. […]

In vier Wochen ist auch Qadir Mughels Praktikumszeit im Restaurant des KaDeWe zu Ende. Was dann kommt, weiß er nicht. Doch der junge Afghane hat einen Wunsch: Er möchte irgendwann eine richtige Ausbildung machen – am liebsten, sagt Mughel, gleich hier im Restaurant des KaDeWe.

Garantiert bekommt der afghanische Gemüseschnippler nach dieser Story eine Lehrstelle in dem Nobelrestaurant auf dem Silbertablett serviert. Fragt sich nur, wer in Zukunft noch das Geld hat, dort essen zu gehen. Die deutsche Durchschnittsfamilie sicherlich nicht. Die deutsche Polit-Schickeria schon eher. So fressen sich die Maden weiter durch den Speck. Und neuerdings durch afghanisch geschnippeltes Gemüse. Jedenfalls so lange bis eines der Facharbeiterkinder eine Cocktailtomatenviertelmaschine ersinnt. Es gibt in Deutschland vermutlich kaum einen Flüchtlingsjob, den nicht über kurz oder lang eine Maschine übernimmt. Qadirs Zukunft liegt also eindeutig in Afghanistan. Und die unserer Berufspolitiker auf dem freien Arbeitsmarkt.

In Afghanistan gibt es viel zu tun. Die Uhr wurde islamisch zurückgestellt. Jahrzehnte verlorener Zeit sind aufzuholen. Afghanische Köche gibt es vermutlich wie Sand am Meer, afghanische Techniker eher weniger. Ihr Qadirs, macht euch lieber nützlich für euer Land anstatt unseres zu ruinieren!