Linksjugend „Solid“ kritisiert den Islam

Während die Altkader der deutschen Linken mit aller Kraft versuchen, das Lumpenproletariat dieser Welt nach Deutschland zu holen, um endlich wieder eine unterdrückte Klasse, Verelendung und Klassenkampf zu haben, all das, wonach sie sich in romantischer Verklärung zurücksehnen, kann man Erstaunliches in einem Antrag der Linksjugend Sachsen-Anhalt lesen:

Die linksjugend [´solid] beschließt die folgende Positionierung. Da ein Antifaschismus auf Höhe der Zeit die individuelle Freiheit jedes Menschen gegen alle verteidigen muss, die sie einzuschränken versuchen, wird der Bundesverband der linksjugend [´solid] die Kritik am politischen Islam fortan als einen der zentralen Punkte seines antifaschistischen Selbstverständnisses artikulieren.

Keine Religion wie jede andere

Wir erleben momentan die Rückkehr längst überwunden geglaubter Verhältnisse: Während zahlreiche Jugendliche aus ganz Europa sich entscheiden, für verschiedene islamistische Gruppen in den Krieg zu ziehen, führen Andere einen weniger schwer bewaffneten Kampf gegen Sünde, Freiheit und Zivilisation.

So erhalten Frauen* in einigen islamisch geprägten Pariser Banlieus keinen Zutritt zu Cafés, wenn sie ohne männliche Begleitung sind – sofern sie sich überhaupt noch allein durch die Straßen bewegen können.

Brüssel-Molenbeek ist nur ein Beispiel für all die Orte, an denen sich islamistische Terroristen breite Netzwerke aufgebaut haben und das Tragen einer Kippa Menschen zur Zielscheibe für allerlei Anfeindungen macht.

Die Kölner Silvesternacht 2015/16 hat diejenige Frauen*verachtung offen zur Schau gestellt, welche sich sonst in innerfamiliärem Kopftuchzwang und Ehrenmorden ausdrückt.

Gleichzeitig fallen tagtäglich Menschen islamistischen Attentaten zum Opfer, ob nun durch Anhänger*innen des IS, Boko Harams, Al Qaidas oder anderer Fanatiker*innen verübt.

Ebenfalls täglich werden unter dem „moderaten“ iranischen Präsidenten Rohani Menschen hingerichtet, weil sie sich „Verbrechen“ wie Gotteslästerung oder Homosexualität strafbar gemacht haben.

Unverändert besteht die Praxis weiblicher Genitalverstümmelung unter Verweis auf die religiöse Tradition weiter.

Die Klammer, welche all dies eint, ist der politische Islam. Sein Rüstzeug bietet die islamische Religion, sein Wesen ist das einer politischen Bewegung, seine Ausdrucksformen vielfältig. Anzutreffen ist er überall dort, wo der Islam die Maximen sozialen Handelns vorgibt – der Vormarsch des politischen Islam lebt gerade davon, dass die Hinrichtungen durch Theokraten, die Hetzreden von Imamen und das Familienleben streng gläubiger Muslim*innen Hand in Hand gehen.

Einig sind sich die großen und kleinen Akteure in ihrer Zielstellung: der Bekämpfung der liberalen Gesellschaft, von der sie sich einbilden, sie hätte die Freiheit des Individuums in westlichen Staaten bereits praktisch durchgesetzt und der Schaffung einer zwar immens gewaltvollen, aber in der Klarheit ihrer Regeln wohlig warmen Umma an ihrer Stelle.

Jeder Satz ein Faustschlag gegen das verschlafene politische Linke Establishment. Auch geißelt diese Analyse die verlogene Diskussion und die dem politischen Islam in der deutschen Gesellschaft „zugestandene Narrenfreiheit“. Linke Positionen, wie man sie lange nicht gehört hat.

Da nimmt es nicht Wunder, dass es die reaktionären Genossen aus NRW sind, die den „skandalösen und rassistischen Antrag“ aus Sachsen-Anhalt scharf verurteilen und durch einen Gegenentwurf entkräften wollen. Solid in NRW, das sind die, die die muslimischen Judenhasser und Neonazis auf ihren Veranstaltungen anziehen wie ein Magnet.

Nicht ganz unmaßgeblich ursächlich für diese ungewohnten Töne ist wohl aber die AfD. Denn um diese zu bekämpfen geht es, wie man weiter unten lesen kann:

Die dem politischen Islam zugestandene Narrenfreiheit verhindert aber nicht nur die Verteidigung von Demokratie und Selbstbestimmung, sondern erschwert auch die Auseinandersetzung mit der AfD und anderen Rechten. [..] Statt der AfD die Ablehnung des Islam vorzuwerfen, wäre es vielmehr geboten, diese als ein Aggregat aus stumpfem Rassismus und Neid zu entlarven. Der Rassismus hat sich rein sprachlich durch das Einsetzen der Religion anstelle der Ethnie gewandelt, weshalb er auch keinen Unterschied zwischen Alevit*innen, Ex-Muslim*innen und Muslim*innen kennt. Der Islamneid wiederum gründet sich darauf, dass die völkischen Rechten gleichermaßen autoritäre Antworten auf den als Zumutung empfundenen Liberalismus anbieten wie der politische Islam, damit aber weniger erfolgreich sind. Der politische Islam hat es immerhin geschafft, ganze Staaten auf Werten wie Heimat, Tradition, Familie, Blut, Ehre und Antisemitismus aufzubauen.

Nichts Vernünftiges von Links, in dem nicht auch eine Portion Unsinn steckt. Hier geht es mehr um „Wähler- als um Islamneid“. Immerhin haben ´solid-NRW den Antrag der Genossen aus Sachsen-Anhalt veröffentlicht und sich damit zumindest als „nützliche Idioten“ erwiesen.

(Spürnase: Friedhelm)