Lüders: Giftgas von „Rebellen“ in Syrien

Der Nahostexperte Michael Lüders ist PI-Lesern nicht unbedingt als konsequenter Islamkritiker bekannt. Aber in der Lanz-Sendung von gestern Abend hat er zu dem aktuellen Giftgas-Skandal in Syrien eine aufsehenerregende Analyse angestellt: Aller Wahrscheinlichkeit nach stamme dieses Giftgas nicht von Assad, sondern von syrischen sogenannten „Rebellen“, die sich ohnehin zu 90% aus gefährlichen Dschihadisten zusammensetzten.

(Von Michael Stürzenberger)

Hierzu brachte Lüders das Beispiel des noch verheerenderen Giftgas-Einsatzes vom 21.8.2013, als über tausend Menschen umkamen. Auch damals wurde zunächst behauptet, Assad wäre für diesen Massenmord verantwortlich. Das dort eingesetzte Giftgas Sarin gebe es aber gar nicht im Arsenal der syrischen Armee. Man gehe vielmehr davon aus, dass es vom türkischen Geheimdienst Milli Istihbarat Teskilâti (MIT) an die islamische Terrorbande Al-Nusra geliefert worden sei, die damals eng miteinander kooperiert haben sollen.

Die türkische Regierung habe damals erkannt, dass sie diesen Krieg in Syrien für ihre eigenen Ziele, die Kurden zu bekämpfen, nutzen konnte. Türkische Journalisten, die damals über diese Giftgas-Lieferungen berichteten, seien von Erdogan ins Gefängnis geworfen worden.

Ende August 2013 habe der damalige US-Präsident Obama einen unmittelbar bevorstehenden militärischen Angriff gegen Assad abgeblasen, den er im Falle des Einsatzes von Giftgas angedroht hatte. Er war von seinem eigenen Geheimdienst gewarnt worden, dass dieses Giftgas mit ziemlicher Sicherheit nicht von Assad stamme.

Lüders griff in diesem Zusammenhang auch deutsche Medien scharf an, die überhaupt nicht kritisch über diesen Giftgas-Skandal berichten, sondern fast ausschließlich das Feindbild Assad bedienen würden. In Syrien tobe ein schmutziger Stellvertreterkrieg, bei dem die USA im Pakt mit der Türkei, Saudi-Arabien und auch der EU unbedingt den syrischen Machthaber Assad stürzen wollten, um die Achse Iran-Hizbollah-Syrien-Russland zu schwächen.

Die von Medien und westlichen Politikern verbreitete Botschaft, dass das syrische Volk gegen Asad rebellieren würde, sei auch falsch. Es sei nur ein Teil des syrischen Volkes, vor allem Dschihadisten, die Assad stürzen wollten. Die religiösen Minderheiten und die moderat eingestellten Syrer hingegen würden Assad unterstützen. In Syrien laufe ein „schmutziges geopolitisches Spiel“, bei dem wir die Zeche in Form von Flüchtlingen und Terrorattacken zahlen müssten. Hier die bemerkenswerten Aussagen von Michael Lüders:

Die gesamte Lanz-Sendung, in der auch der Toxikologe Prof. Edmund Maser zu Wort kommt, ist in der ZDF Mediathek zu sehen.

Michael Lüders hat all seine Erkenntnisse über Syrien in seinem Buch „Die den Sturm ernten – Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“ veröffentlicht. Auch wenn er sich beim Thema Islam meist hochgradig politisch korrekt ausdrückt – in diesem Fall scheint er den Kern der Sache voll getroffen zu haben. Auch PI hat gestern bereits die Vorverurteilung von Assad scharf kritisiert. Ebenso RT Deutsch, das den Chemieangriff als eine False-Flag-Operation von Rebellen bezeichnet:

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Mittwoch, dass die syrische Luftwaffe in der Nähe von Chan Scheychun einen Luftangriff durchgeführt hat. Dieses traf ein Lager von Terroristen, das mutmaßlich Chemiewaffen aus dem Irak lagerte.

Der Syrien-Experte Enrico Ivanov ist im Gespräch mit RT Deutsch der Meinung, dass der syrische Präsident einen Angriff dieser Art angesichts seiner militärischen Erfolge nicht nötig hat. Ivanov sagte:

Das erscheint mir wie eine False-Flag-Operation. Mit einem Chemieangriff wäre Assad die Person, die am meisten verlieren würde. Er mag durchaus schlecht sein, aber er ist kein Psychopath. Er wird keine Chemiewaffen benutzen, wenn er bereits auf der Gewinner-Seite steht. Der Angriff ist zum Vorteil der Rebellen und Dschihadisten. Die syrische Armee hat bereits fast alle verlorenen Gebiete in Hama zurückerobert.

Nachdem gestern bei der Sondersitzung der Vereinten Nationen die Auseinandersetzung um den Giftgas-Einsatz in Syrien eskalierte und die USA angesichts des Vetos Russlands zu Maßnahmen gegen Assad eigene Aktionen ankündigte, wäre es zur Vermeidung einer militärischen Zuspitzung zwischen den Supermächten absolut notwendig, diese Fakten in die öffentliche Diskussion einzubringen. RT Deutsch berichtet, dass Russland beim UN-Sicherheitsrat einen eigenen Entwurf zur Untersuchung des Giftgasangriffs in Syrien vorgestellt hat:

Moskau hält den von den USA, Frankreich und Großbritannien präsentierten UN-Resolutionsentwurf über den mutmaßlichen Giftgasaustritt in Syrien für reine Propaganda. Der Resolutionsentwurf sei außerdem auch noch „fahrlässig“ vorbereitet worden, so die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

Nun haben russische Diplomaten ihren eigenen Entwurf vorbereitet. Wir baten darum, unser sachlich zusammengestelltes, kurzes Dokument einer realen Untersuchung zuzuführen. Bevor Schuldige genannt werden, sollte man zunächst reale Fakten feststellen“, sagte der Pressesprecher der russischen UN-Mission, Fedor Strizhowski.

Trump hingegen hat bei seinem Besuch des Königs Abdullah II in Jordanien am 4. April die Schuld für den Giftgas-Vorfall völlig eindeutig Assad gegeben (Minute 0:55- 1:50):

Es ist äußerst beunruhigend, was derzeit im Weißen Haus abläuft. Nicht nachvollziehbar ist auch, dass Trump einen seiner wichtigsten Berater, Steve Bannon, aus dem Nationalen Sicherheitsrat entfernt hat. Gudrun Eussner urteilt angesichts dieser verheerenden Fehleinschätzung der US-Administration:

Mit Donald Trump bin ich fertig. Der ist der enttäuschendste US-Präsident jemals! Von dem habe ich nämlich etwas anderes erwartet als von Barack Obama oder George W. Bush. Er fällt um wie ein Grashalm im Wind: „Der amerikanische Präsident hat Mittwoch erklärt, daß der Chemiewaffen-Angriff, der in Syrien 86 Tote verursacht hat, darunter 30 Kinder, „nicht ungestraft bleiben kann“, und daß „seine Haltung gegenüber Assad sich geändert“ hätte.

Die deutschen Medien und Politiker mauern allesamt hartnäckig. Wir werden belogen und betrogen, allen voran von der Bild-Zeitung, die heute mit dem Slogan „Giftgas-Assad“ titelt:

Wir von PI haben schon vor Jahren die Entwicklungen richtig gedeutet. So entlarvten wir den sogenannten „arabischen Frühling“ bereits im Ansatz als das, was er eigentlich ist – ein Putsch des islamischen Fundamentalismus – als die Medien hierzulande allesamt noch blauäugig von einem „demokratischen Aufbruch“ in der islamischen Welt faselten. Genauso haben wir bereits 2012 davor gewarnt, Assad zu stürzen, denn er ist der Garant dafür, dass der aggressive Islam dort nicht an die Macht kommt. Ein Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion mit Karlheinz Weißmann vom 6.10.2012 auf der Zwischentag-Messe in Berlin, in dem ich dies ab Minute 4:45 anspreche:

Der Westen muss die Fakten der Syrien-Krise unverzüglich erkennen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen, sonst könnte es zu schwerwiegenden Zerwürfnissen zwischen den beiden Machtblöcken kommen. Die Medien hätten daran einen entscheidenden Anteil. Wenn sie nicht endlich objektiv über die Vorfälle in Syrien berichten, haben sie das Etikett „Lügenmedien“ einmal mehr redlich verdient.

Was bewegt Trump in der Giftgas-Affäre?

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