Meutherei auf der Titanic

Zugegeben, Jörg Meuthen ist nicht die AfD, doch für das Wortspiel in der Überschrift war sein Name doch zu verlockend. Eine Hervorhebung hat der Mann auch sicher verdient, da er beim erfolgreichen AfD-Parteitag mit seiner – wie PI bereits berichtete – hervorragenden Rede viel für den Zusammenhalt der Partei getan hat. Fletcher Christian war der Anführer der historischen Meuterei auf der Bounty. Die Meuterei war ein Erfolg. Sicher vielfach verklärt und romantisch ausgeschmückt, ist sie in jedem Fall zum Symbol für Rebellion geworden.

(Von Selberdenker)

Was wir gerade erleben, ist auch eine Rebellion. Es ist auch eine konservative Rebellion, die kaum jemand vor wenigen Jahren noch für möglich gehalten hätte. Konservative rebellieren eigentlich nicht, sie wollen Gutes erhalten, Vertrautes bewahren, eigentlich nur ihre Ruhe. Da wir aber in Zeiten leben, in denen nur die Abschaffung und Zerstörung des Bewährten als positiv, als Fortschritt gilt und zum Selbstzweck geworden zu sein scheint, da diese Sichtweise sich etabliert hat und gerade großen Schaden anrichtet, macht konservativer Anspruch eine Art Rebellion notwendig. Die Rebellion läuft bereits. Der Wahlsieg Trumps war bislang hoffnungsvollstes Zeichen davon, auch wenn seine jüngsten Angriffe gegen Assad in Syrien Ernüchterung gebracht haben. Die laufende Rebellion ist auch nicht amerikanisch oder französisch oder deutsch. Die Rebellion ist identitär, antiglobalistisch und wendet sich gegen die etablierten Eliten, die mit den meisten Medien auch das Meinungsmonopol und die Deutungshoheit sicher geglaubt hatten – die Rechnung aber ohne die verschiedenen Völker gemacht haben. Das betrifft nahezu alle westlichen Länder. Es geht hier nicht um Personenkult. Charismatische Einzelpersonen müssen die Leute repräsentieren, nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Bleiben wir bei dem Bounty-Vergleich. Fletcher Christian hätte nicht erfolgreich sein können, wenn er nicht Unterstützung gehabt hätte. Er hätte es nicht gewagt, eine Meuterei zu planen, das Thema überhaupt anzusprechen, wenn er nicht den Unmut der Besatzung gespürt hätte, wenn er sich nicht mit der Mannschaft hätte austauschen können.

Menschen wie Heiko Maas arbeiten daran, diesen kritschen Austausch zu behindern, zu stören. Es ist immer bequemer für die Herrschenden, wenn Meinungen nur von wenigen Auserwählten geäußert werden, die dann gnädig einzelne Leserkommentare zulassen oder eben nach Belieben löschen können. Prinzip „Meinungsgeber – Meinungsnehmer“. Soziale Netzwerke wie Facebook stören da massiv, ebenso wie Medien wie dieses hier.

Zurück zur Bounty. Die Meuterei konnte nur Erfolg haben, weil im entscheidenden Augenblick die Reihen geschlossen waren und die Meuterer Rücken an Rücken aufgetreten sind. Auch hiervon könnte der Widerstand, dessen Teil die AfD ist, lernen. Der Verlauf des AfD-Parteitags hat da einigen Grund zur Hoffnung gegeben. Jörg Meuthen hat einen wichtigen Beitrag geleistet.

Nun ist die Bounty nicht Deutschland. Einige Historiker bestreiten auch, dass die Ereignisse sich so zugetragen haben, wie in der Romanvorlage. Es geht bei der gerade ablaufenden Rebellion eben auch nicht um romantische Verklärung, sondern eigentlich um das Gegenteil, um harte, nüchterne Fakten und sehr konkret darum, gescheiterte Ideologen und Träumer zu entmachten. Der Kurs der etablierten Klasse aus Politik, Medien, Show, Kirche und Gesellschaft, die sich permanent und nur zu gerne in Talkshows gegenseitig bestätigen, pudern und hofieren – ist gefährlich falsch. Sie schaden uns. Sie können gerne weiter palavern, wie sie wollen – aber die Verantwortungsträger müssen zu Kursänderungen gezwungen werden, in unserem und im Interresse der Zukunft dieses Landes.

Der Kapitän der Titanic sah den Eisberg nicht rechtzeitig. Edward John Smith hatte mit der Stabilität und Stärke seines Schiffes sehr hoch gepokert – und verloren. Dafür bezahlen mußten andere Menschen. Seine Kursänderungen kamen viel zu spät. Dieses Schicksal soll Deutschland nicht teilen. Auch Deutschland ist nicht unsinkbar, wie man es von der Titanic behauptet hatte. Diese grundlegende Schlüsselerkenntnis unterscheidet die konservativen Rebellen von den linken Träumern oder Deutschlandverächtern am Ruder. Angela Merkel betont ständig, dass wir ein starkes Land sind. Terroranschläge sind wie Eisbrocken, die ständig an den Bug des Tankers Deutschland schlagen, Menschen gingen bereits über Bord – doch Kapitänin Merkel hat das Ruder festbinden lassen: „Wir schaffen das“.

Meuterei ist angesagt. Jemand muß die Seile kappen und das Ruder bewegen. Wer das tut, ist im Ergebnis unerheblich. Das Ziel erreichen können wir nur gemeinsam. Die Chancen stehen nicht so schlecht – trotzdem dürfen wir nicht aufhören, zu rufen:

Eisberg voraus!