Gesellschaft auf Linkskurs

Der Schlaf der Vernunft gebiert Monster

Von CANTALOOP | Viele gebildete Menschen tragen schon seit jeher eine eigene Art von „politischer Korrektheit“ in sich, ohne dass ihnen diese künstlich aufoktroyiert wurde. Sie nennt sich nur anders: namentlich – Anstand, Würde und Wertschätzung. Dies ist frei nach Hegel interpretiert „die List der Vernunft“. Der politisch-gesellschaftliche Dissens in gewahrter Form orientierte sich in der Vergangenheit stets an Fakten und Inhalten, er erkannte dadurch seine Relevanz in der Welt. Das erforderte fortan keine dogmatischen Regeln mehr – die Gedanken waren frei.

Neuzeitlich wird die Moral jedoch vom Verstand abgekoppelt und das Wesentliche wird bedeutungslos. Tiefgründige philosophische Betrachtungen und Thesen weichen zunehmend flachen, aber polit-korrekten Phrasen, deren Substanz oft so gering ist, dass diese eigentlich schon von gymnasialen Mittelstuflern widerlegt werden könnten. Trauriger Tiefpunkt dieser Entwicklung; ein promovierter Finanzexperte und Universal-Gelehrter vom Schlage eines Thilo Sarrazin wird auf offener Straße von brüllenden Antifa–Unholden angefeindet und bedroht, die in einem offen geführten Diskurs mit ihm, bei dem es um Sinngehalt, Tragweite und Wahrheiten geht, geistig noch nicht einmal eine Minute bestehen könnten.

Der dumme, ideologisierte Linke

Dies stellt einen klaren Affront gegenüber allen Rechtsintellektuellen dar – und ist darüber hinaus ein vernichtender Schlag gegen die demokratisch legitimierte Ordnung. Der „Leviathan“ in Form des aktuellen Zeitgeistes gebiert eben Ungeheuer – und eine neue Gegenkultur zur Bewährten entsteht. Der „dumme Linke“ – als Produkt einer stark ideologisierten Lehrer- und Dozentenschaft, der nicht mehr selbst überlegt, von allem nur ein bisschen weiß und dadurch perfekt instrumentalisiert und disponiert werden kann. Brilliante Erkenntnisse von linken Vordenkern und Kommunisten vom Schlage eines Satre & Konsorten werden posthum verklärt und ad absurdum geführt. Parolen brüllen – ja, intellektuelle Tiefe verstehen – Fehlanzeige.

Eine linke Gesinnung und Einfältigkeit – diese zwei Begrifflichkeiten schlossen sich in der Vergangenheit quasi gegenseitig aus – denn die Intelligenzija war, zumindest nach Ansicht der führenden Meinungsbildner aus 68er-Tagen, eben schon immer links verortet.

Worthülsenjournalismus

Die bekannten Parameter als Kennzeichen einer geistigen Kultur und Reife wie Selbstreflektion, Analytik und Kritikfähigkeit kennzeichnen auch den Werdegang eines jeden schriftstellerisch Tätigen. Die handwerklich gelernte Schreibkunst, der eigene Duktus und dessen professionelle Umsetzung sind maßgeblich für seinen Erfolg. Wer wirr schreibt, einen schlechten Stil pflegt oder in Ermangelung eigener Kreativität einfach nur auf Textbausteine und Worthülsen zurückgreift, der wird über kurz oder lang geistig ebenso wie physisch „verhungern“. Er wird von seiner „Kunst“ nicht leben können. Denn erst der (zahlende) Leser führt durch seine Interpretation das schriftstellerische Werk einem Zweck zu.

Diese natürliche Selektion hat sich in jüngster Vergangenheit deutlich verändert, denn unser politisches Feuilleton – als Gradmesser einer gebildeten Gesellschaft -, rekrutiert sich immer mehr mutlose, beliebig austauschbare Lohnschreiberlinge, die genau auf Anweisung und stets im Sinne des Systems berichten (aktuell – siehe der Fall Sieferle) und sich im Kollektiv genau jener schriftstellerischen Mittel bedienen, die den wahren und investigativen Autoren ein Gräuel sind. Die Grandseigneurs der publizierenden Garde wenden sich entsetzt ab und überlassen das Feld einer neuen Generation von Journalisten und Verlegern. Den Glattgeschliffenen, Systemkonformen und politisch Linksgeprägten, die im Grunde ihre rechtschreibreformierten und genderkonformen Texte untereinander austauschen könnten – so beliebig muten diese zwischenzeitlich an. Man vermisst die journalistische Trennschärfe, der Grat zwischen Information und Indoktrination ist erschreckend schmal geworden.

Erfolg durch „richtige“ Gesinnung

Elaborierte Schreibcodes mit der immer gleichen Intention; Erziehung der Leserschaft anstelle von Begriffsbestimmung und Objektivität. Ein erhobener Zeigefinger ersetzt die tolerante Weitsicht und Güte. Futter für die Massen. Jeder denkende Mensch wendet sich empört ab – nur die „Halbgebildeten“ und „Pseudo-Intellektuellen“ vom Schlage eines Campino, Krumbiegel, Udo Lindenberg – oder auch die hippen „Botschafter“ der Jugend, wie beispielsweise Joko & Klaas übernehmen dieses „Erfolgsmodell“ und profitieren deutlich davon. RTL II dient dabei als „geistiger Input“. Selbst wenn das intendierte Buch, der Song, oder die Performance noch so grottenschlecht ist – allein der gute Wille zählt und wenn dann noch dessen zentrale Botschaft „Refugees welcome“ lautet und der „Kampf gegen Rechts“ impliziert wird, endet alles gut und man erhält die erforderliche mediale Präsenz. Erfolg durch richtige Gesinnung. Das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Melancholie.

So verdingt sich der nuschelnde Udo L. urplötzlich als Intelligenzler, der ja schon in seiner frühesten Jugend den „Siddartha“ von Hesse quasi verinnerlicht habe. Wohl irgendwann zwischen der ersten und dritten Flasche Cognac des Tages. Und das Feuilleton berichtet hocherfreut darüber, die Unterhaltungs-Industrie überhäuft den Protagonisten daraufhin förmlich mit Preisen. Hesse selbst, der immer ein ambivalentes Verhältnis zur Politik pflegte und mit Kommunisten seine ganz eigene Art von Umgang entwickelte, würde im Tessiner Grabe rotieren – sähe er, wie sein Werk von intellektuellen Tieffliegern missbräuchlich angewandt wird. Er hätte als Freigeist und Querdenker sicher nirgendwo politisch Position bezogen. Spiritus und Spiritualität ist eben nicht dasselbe, lieber Herr Lindenberg.

Kunst kommt von Können

Intellectum vero valde ama (Schätze das Erkenntnisvermögen hoch ein). Niemals zuvor, als in der heutigen Zeit sollten wir unserer großen Geister und Gelehrten gedenken, ihnen huldigen – und allen, die nicht in der Lage sind, deren Vermächtnis zu erkennen, Aufklärung erteilen. Mittelmaß, Ideologie und Sektierertum wie es derzeit „en vogue“ ist, kennzeichnen immer das Ende einer Ära und niemals einem Aufbruch. Kunst kommt immer noch von „Können“ – raffinierte Strategien und cleveres Marketing können keine handwerklichen Defizite ausgleichen. Das spürt derzeit auch der amtierende Justizminister, dessen Name hier keinerlei Erwähnung mehr bedarf, anlässlich der Vermarktung seiner neuerlichen prosaischen Ergüsse in Buchform.

Zensur anstelle von Kritik läutet das Ende einer jeden Hochphase in der Entwicklung ein – dem muss mit aller Kraft entgegengewirkt werden, sonst laufen wir Gefahr, unser großes Erbe zu verlieren.