Abdel-Samad, Khorchide und Ates in spannender Talkrunde

Servus TV: Ist der Islam noch zu retten?

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Eine solch islamkritische Besetzung würde man sich endlich auch einmal bei einer Talksendung in Deutschland wünschen. Aber das geht derzeit nur in Österreich bei dem Sender Servus TV von Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz. Der weltweit schärfste Islamkritiker Hamed Abdel-Samad traf am vergangenen Donnerstag auf den fundamental-moslemischen Politaktivisten, Erdogan-Sympathisanten und früheren Sprecher der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), Erkan Karaduman. Dieser von der Optik her wie ein anatolischer Pirat auftretende Mohammedaner (Foto unten) versetzte Abdel-Samad in eine solch hochgradige Erregung, wie man sie bisher noch nie bei einem seiner vielen TV-Auftritte erlebte (ab Minute 38:50).

Der frühere BZÖ-Politiker Gerald Grosz erwies sich als profunder Islamkenner und meinte, der Titel der Sendung hätte angesichts der Bedrohung durch den Islam eher lauten sollen „Ist Europa noch zu retten?“, denn es fände eine Invasion auf unserem Kontinent statt. Grosz stellte auch fest, dass es der Islam sei, der Gewalt predige, und nicht der „Islamismus“ (5:35).

Morddrohungen

Die Runde komplettierten die modernisierungswilligen Moslems Seyran Ates und Mouhanad Khorchide. Beide berichteten von den Morddrohungen, die sie pausenlos erhielten. Bei Ates sei es gerade besonders heftig, da sie Mitte Juni in Berlin eine liberale Moschee gründete und dort auch als Imamim auftritt. Sie werde von den Erdogan-Truppen als Gülen-Anhängerin bezeichnet und zieht damit nun den Hass von fanatischen Türkei-Faschisten wie auch fundamentalen Mohammedanern auf sich. Islamwissenschaftler Khorchide versucht durch seine ganz spezielle Koran-Auslegung einen friedlichen, barmherzigen und liebevollen Islam herbeizureden, was ihm bezeichnenderweise ebenfalls jede Menge Morddrohungen einbringt, denn er gilt als Apostat, als Abtrünniger.

In dieser hochspannenden Konstellation entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Abdel-Samad vertrat die Überzeugung, dass der Islam nicht reformierbar sei, denn der Koran sei eine Betriebsanleitung zum Hass (10:30). Es gebe keine Institution, die eine Veränderung dieser Ideologie herbeiführen könne. Moslems müssten sich vom Koran verabschieden, diese Schrift nicht mehr als „göttlich“ ansehen, Mohammed nicht mehr als Vorbild verehren und sich eindeutig am Humanismus und an der Aufklärung orientieren, um Teil unserer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft werden zu können. Der Islam sei nicht gekommen, um Teil der modernen Welt zu werden, sondern um die Welt von oben zu beherrschen. Seyran Ates und Mouhanad Khorchide würden seiner Meinung nach legitime Träume haben, die aber nichts mit den Fakten zu tun hätten (11:50). Grosz ergänzte, dass der Islam seit 1400 Jahren gewaltbereit und gewaltverherrlichend sei (16:40). Europa dürfe nicht das Versuchslexikon eines Islams werden, der sich 1400 Jahre nicht reformiert habe (32:42).

Trügerische Fata Morgana

Hochproblematisch ist der Bericht von Ates, dass sich Moslems schon vom Islam abwenden wollten, aber jetzt durch ihre liberale Moschee in Berlin wieder zurückfanden (53:50). Dieser scheinbar „spirituelle, mystische“ Islam, den Ates propagiert, ist aber eine trügerische Fata Morgana. Dahinter steckt ebenfalls der Kriegsfürst Mohammed, der die scheinbar friedlichen Verse in seiner Anfangszeit in Mekka predigte, als er noch keine Macht hatte und seine Gegner nicht mit knallharter Gewalt unterwerfen konnte, wie er es später in der Medina-Phase tat. Alle gefährlichen Verse, die dort entstanden, gelten durch das Abrogations-Prinzip bis heute und haben die früheren harmlosen Verse ersetzt. Dies ignoriert Ates, die wie Khorchide seltsam naiv wirkt, als ob sie geradezu verzweifelt noch irgendetwas Positives aus dem Islam herausziehen wollten. Sie können es sich wohl nicht eingestehen, dass sie in ihrem Leben einem großen Irrtum aufgesessen sind.

Gerald Grosz korrigierte diese verharmlosende Schwärmerei sogleich und stellte fest, dass es DER ISLAM sei, eine absolute Lebens- und Staatenform, die in sämtliche Gesellschaftsbereiche auf Basis von Mohammed eingreife. Seine Überzeugung, den Glauben mit Gewalt durchzusetzen, zöge sich seit dem siebten Jahrhundert bis heute in einem grünen Faden durch und erzeuge auch heute gewalttätige Moslems. Ates werde an ihrem Lebenstraum scheitern, einen liberalen Islam zu installieren, weil der Islam an sich von seiner Wertehaltung nicht liberal sei (56:50).

Ates meinte, Abdel-Samad würde wie ein Salafist argumentieren. Dies zeigt, wie grundlegend falsch sie den Islam einschätzt, denn Salafisten führen ihn exakt korankonform aus und sind damit im Sinne Mohammeds die wahren Moslems, genau wie die dutzenden Terrorbanden und die Mohammedaner im Zweiten Islamischen Staat – der erste war Mohammeds Staat auf dem Gebiet des heutigen Saudi-Arabien.

Der Islam schafft Freiluftgefängnisse

Abdel-Samad stellte fest, dass der Islam seinen Anteil an der Misere der islamischen Welt habe. Überall dort, wo der Islam seinen ursprünglichen wahrhaften politischen Auftrag ernst nehme, gebe es Freiluftgefängnisse, keine Demokratie und keine Gleichberechtigung von Mann und Frau. Der Islam sei politisch geboren, er bedeute die Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige, den Dschihadismus, die Eroberung und dann die Minderheiten vor die Wahl zu stellen, zu konvertieren oder Kopfsteuer zu zahlen sowie die Überzeugung, dass Gott und nicht der Mensch der Gesetzgeber sei. All das habe mit Mohammed begonnen und werde vom IS haargenau eins zu eins übertragen (58:20).

Was in der Türkei schon vor Jahrzehnten durch die Beeinflussung der Institutionen durch Gülen, Erbakan und Erdogan sowie die Unterwanderung von Parteien begonnen wurde und jetzt zur Etablierung des Islamfaschismus geführt habe, sei auch schon in Europa angelegt. Die Mehrheit der bei uns wahlberechtigten Türken, die sich für Erdogan entschieden, hätten gezeigt, dass sie hier nur für sich über ihren Beruf und ihre Bildung integriert seien, aber nicht auf unserer Seite stünden und mit dem Kopf und mit dem Geist im Herzen des Islams seien, der sich als Antithese zu Europa verstehe. Wenn Erdogan so frech über Europa herziehe, dann müsse er auf die Schnauze kriegen, genauso wie jeder, der ihn unterstütze (1:04:05) Diese 70 Minuten sind absolut sehenswert:

In der Youtube-Fassung ist von 8:02 – 8:43 ein Tonausfall. Auf der Internetseite von Servus TV kann man sich die Sendung ebenfalls ansehen.