Das im Internet kursierende SED-Plakat zum elften Parteitag der DDR-Staatspartei hat sich als Fake herausgestellt.

Merkel-Deutschland = SED-Staat

Wie ein Fake-Foto gegen die AfD instrumentalisiert wird

Der Blog „Politik und Zeitgeschehen“ hat einen Köder ausgelegt und viele, auch die AfD, sind darauf reingefallen und haben ihn geschluckt. Es handelt sich um ein Plakat der SED, auf dem ein Spruch zu lesen ist, der dem Merkelslogan „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ sehr ähnlich ist: „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“.

Das Ganze hat sich nun aber als Fake herausgestellt, wie der SPIEGEL genüsslich berichtet:

Wer das Bild zuallererst in Umlauf gebracht hat, ist schwer festzustellen. Klar ist, dass es unter anderem auf der Facebook-Seite „Politik und Zeitgeschehen“ auftauchte, wo es viele Likes erhielt und weiterverbreitet wurde.

Auch der AfD-Bezirksverband Hamburg Nord verbreitete das angebliche Beweisbild der CDU-SED-Analogie über seinen Twitter-Account.

Das Bild ist eine Fälschung. Das Foto des SED-Plakats wurde von Unbekannten digital bearbeitet. Auf dem Original – einem Farbbild – ist auf dem SED-Plakat nämlich ein ganz anderer Wahlspruch zu lesen. Dort steht: „Alle Kraft zur Stärkung unseres sozialistischen Vaterlandes der Deutschen Demokratischen Republik“. Es wird auch nicht auf einen SED-Parteitag verwiesen.

Der erwähnte Blog, der einer bislang als seriös geltenden Zeitschrift sehr ähnlich klingt („Aus Politik und Zeitgeschichte“), hat seinen Fehler eingeräumt. Allerdings wird diese vermutlich ursprüngliche Quelle des Fake-Plakates bei der einsetzenden Hetze gegen die AfD zum Beispiel bei Yahoo gar nicht mehr genannt, und auch nicht, dass die AfD den Fehler eingeräumt hat.

Beim zitierten SPIEGEL verweist man zwar auf den mutmaßlichen ersten Verbreiter, rückt aber die AfD, die den Fehler zugegeben hat, geschickt in einen Kontext, der den Fehler verteidigt oder herabspielt, siehe hier (Hervorhebungen durch PI):

Mittlerweile haben die Verbreiter der Bildmontage teilweise reagiert. Die Seite „Politik und Zeitgeschehen“ löschte nach eigenen Angaben den vielfach geteilten Beitrag und postete eine Richtigstellung.

Die hat gleichwohl bisher nicht so viel Aufmerksamkeit bei den Nutzern erzielt wie der Ursprungs-Post.

„Politik und Zeitgeschehen steht zu seinem Fehler“, heißt es in einem Kommentar unter dem Post von den Verantwortlichen der Seite. Viele andere hätten ihren Fehler aber nicht korrigiert, steht dort weiter.

Dass die Bildmontage jeder faktischen Grundlage entbehrt, stört viele Nutzer aber offenbar nicht. „In diesem Fall wäre es eine gute Versinnbildlichung der eigentlichen Geisteshaltung von Frau Merkel mit Hilfe zweier Wahl-Plakate. Für mich völlig legitim„, schreibt ein Facebook-Nutzer unter der Berichtigung der Seite.

Auch die AfD Hamburg-Nord schrieb auf Twitter, man sei „wohl einem Fake aufgesessen“. Im gleichen Tweet heißt es aber auch wenig schuldbewusst, die CDU-Plakate klängen nun mal wie SED-Sprech.

Und so ist es tatsächlich, wie jeder bestätigen kann, der die DDR miterlebt hat. Dafür muss sich niemand einer Schuld bewusst sein. Wenn die Merkel klingt wie der alte verstaubte DDR-Staatsapparat, dann ist das kein Zufall, sondern folgt einer inneren systemimmanenten Logik!

Der CDU-Wahlwerbeslogan klingt wie der alte verstaubte DDR-Staatsapparat.
Der CDU-Wahlwerbeslogan klingt wie der alte verstaubte DDR-Staatsapparat.