Marco Altinger

Die Rache des verschmähten Liebhabers oder: Jeder blamiert sich, so gut er kann

Abgewiesener Provinz-FDPler macht gegen AfD mobil

Von EUGEN PRINZ | „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag´ ich dir den Schädel ein“, frei nach diesem Zitat lautet offenbar die Devise eines ehrgeizigen Provinzpolitikers, der auszog um politische Karriere zu machen und sich der AfD vergeblich andiente. Selbige wollte seine Führungsambitionen nicht unterstützen und nun wird, wie so oft im Leben, aus einer verschmähten Liebe ein Schlachtfeld. Der Wahlkampf bietet dazu das passende Ambiente man muss ja nicht erwähnen,  was jedem den Geruch der Rache offenbaren würde. Die AfD droht nun ob seiner Aussagen mit Strafanzeige.

Wüsste der FDP-Vorsitzende Christian Lindner von der Existenz seines Parteifreundes Marco Altinger, würde er wahrscheinlich um seinen Posten zittern. Denn nicht nur die Großstadt bringt charismatische Politiker hervor, nein, auch in der Provinz blüht so manche verborgene Rose.

Niederbayerns Bezirkshauptstadt Landshut hat einen umtriebigen, charismatischen Tausendsassa mit einer beeindruckenden Vita hervorgebracht. Hier eine (unvollständige)  Aufstellung über seine Tätigkeiten, Posten und Ämter:

  • Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten, anschließend 10 Jahre Polizeidienst in München, am Münchner Flughafen und in Landshut
  • Danach Gründer und Inhaber von „njusan Karate Altinger“ einem modernen Kinder-Karate System
  • Seit Januar 2017 Präsident des Werteorientierten Mittelstand Deutschland e.V. (WEMID)
  • Seit Juni 2017 „Senator“ der Wirtschaft vom Senat der Wirtschaft ernannt
  • Seit Juli 2017 „Verwaltungsrat“ bei der BKK ProVita

Erwähnenswert ist auch noch, dass Altinger Präsident des „Bund der Selbstständigen Gewerbeverband Bayern e. V.“ war, bevor er dann im November 2016 zurücktrat. „Marco Altinger verliert Machtkampf im BDS“, titelte die Lokalzeitung damals.

Wie das Landshuter Wochenblatt berichtete, soll sich Altinger in seiner Amtszeit einen „Verbandschauffeur“ gegönnt und die Aufwandsentschädigungen für das Präsidentenamt erhöht haben. Es kam offenbar auch nicht gut an, dass sich Altinger eine goldene „Präsidentennadel“ anfertigen ließ.

Selbstverständlich muss auch die Politik von so einem Allrounder profitieren. Deshalb war er über 10 Jahr bei der FDP. Dort trat er dann aus, kandidierte als Parteiloser für den Kreistag und den Stadtrat Landshut und trat dann im Dezember 2016 wieder in die FDP ein. Jetzt ist er wirtschaftspolitischer Sprecher des Kreisverbandes Dingolfing-Landau.

Die Pointe

Der Stadtjugendring Landshut veranstaltet am 19. September in der Alten Kaserne eine Podiumsdiskussion für Jugendliche, bei der sich die lokalen Bundestagskandidaten den Fragen des Plenums stellen müssen.

Mit von der Partie ist auch der Kandidat der AfD, Günter Straßberger. Dies wiederum passt der DGB -Jugend nicht, die zusammen mit dem lokalen Dachverband des DGB eine Petition mit dem Ziel gestartet hat, Straßberger wieder auszuladen. Natürlich war diese gute Nachricht der Landshuter Zeitung einen fetten Artikel wert. Und klar, dass auch Herr Altinger im Rahmen seiner wöchentlichen Leserbriefe, in denen er „die Leser mit seiner persönlichen Sicht von Gott und der Welt beglücken will“ (O-Ton eines anderen Leserbriefschreibers) seinen Kommentar abgeben musste.

Zunächst ließ er den geneigten Leser wissen, dass er es für falsch halte, die AfD nicht inhaltlich zu stellen, weil „wir Demokraten sollten den Herausforderungen der Demagogen gewachsen sein.“

Und dann ging es in die Vollen:

Die AfD ist natürlich keine Partei wie die anderen, sie deligitimiert die rechtliche Ordnung der BRD, will Menschen erschießen und die Erinnerung an den millionenfachen Mord der Nationalsozialisten schleifen. Sie will unsere Menschlichkeit mit Füßen treten und Europa auseinanderbrechen“

Und sie will kleine Kinder fressen, möchte man noch hinzufügen.

Es kann natürlich passieren, dass man bei so vielen wichtigen Ämtern und dem damit verbundenen Stress mal das eine oder andere vergisst. Das wollen wir Herrn Altinger selbstverständlich zugutehalten. Glücklicherweise gibt es ja da noch die von ihm geschmähte AfD, die seinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen kann. Das hat sie in folgender Pressemitteilung getan:

Alternative für Deutschland
– Kreisverband Landshut-Kelheim –
Postfach 4040, 84016 Landshut

Pressemitteilung vom 10.09.2017

Erwiderung des Kreisvorsitzenden zum Leserbrief des Herrn Marco Altinger in der Landshuter Zeitung vom 09.09.2017:

Marco Altinger oder Die Rache des verschmähten Liebhabers

Landshut. Kein Schmerz sitzt so tief wie der einer unerwiderten Liebe. Diese Erfahrung mußte auch der Karate-Tausendsassa Marco Altinger aus Landshut machen. Der dortige Kreisverband der Alternative für Deutschland hat nämlich sein Liebeswerben vom November vorigen Jahres für eine Direktkandidatur zum Bundestag nicht erhört. Er kehrte daraufhin reumütig in sein vorheriges politisches Feuchtbiotop für charakterfreie Opportunisten, die FDP, zurück, wo er als „wirtschaftspolitischer Sprecher“ des Kreisverbandes Dingolfing-Landau unterkam. Daß ein Mini-Kreisverband einer Mini-Partei einen „wirtschaftpolitischen Sprecher“ im Siegel führt, ist für sich genommen schon politische Hochstapelei. Erst recht dann, wenn es sich um einen mit dem Lebenslauf des Herrn A. handelt, der es unter dem Titel eines „Präsidenten“ schon mal gar nicht macht, sei es im BDS oder im selbstgegründeten WEMID e.V..

Die Stunde der Vergeltung sah Herr A. nun offenbar gekommen, als es ihm gelang, in der Landshuter Zeitung am 09. Sept. einen Leserbrief veröffentlicht zu bekommen, in welchem er seinen politischen Status geflissentlich verschweigt. Darin überzieht er seine heimliche Liebe, die AfD, mit absurden und tatsachenfreien Schmähungen und befördert sich selbst zum Wahrer der Demokratie. Bei aller Lächerlichkeit dieser Attitüde wird das nicht ohne Folgen bleiben: Eine Strafanzeige ist in Vorbereitung.

Übrigens wartet die AfD schon seit langem vergeblich darauf, dass man sie inhaltlich stellt. Stattdessen übernehmen die Altparteien laufend schamlos deren vorher vehement bekämpften Positionen – wie zuletzt ausgerechnet FDP-Dressman C. Lindner. In 14 Tagen wird man sehen, wie viele Wähler sich davon noch in die Irre führen lassen.

„Ach du Sch…“ möchte man angesichts dieser Enthüllungen ausrufen. Wer mit dem Begriff „Fremdschämen“ vorher noch nichts anfangen konnte, wird nun wissen, was damit gemeint ist.

Als erstes hat der Blog klartext.la die Pressemitteilung veröffentlicht. Flugs verbreitete sich die Kunde in der lokalen Facebookgruppe. Ungläubiges Staunen, Schadenfreude, Zweifel und der Verdacht auf Fake – News vereinen sich nun zu einem lokalen Hype. Dazwischen Altinger, der alles abstreitet und klartext.la bereits mit rechtlichen Konsequenzen gedroht hat.

„Wer schreibt, der bleibt“, heißt ein altes Juristen – Sprichwort. Hätte Herr Altinger den bayerischen AfD-Landesvorsitzenden Petr Bystron aufgesucht oder angerufen, würde es Sinn machen, jetzt alles abzustreiten. So aber schickte er Bystron Ende letzten Jahres eine Email, die PI-NEWS exklusiv zur Veröffentlichung vorliegt, aus der wir hier auszugsweise zitieren:

[..] Ich war über 10 Jahre FDP-Mitglied und hatte hier erschiedene Posten inne. Vor über drei Jahren trat ich aus der Partei aus. Kandidierte erfolgreich für den Bezirkstag als Parteiloserund verhalf noch dem FDP Kandidaten in den Bezirkstag. Bei der letzten Stadtratswahl  kandidierte ich parteilos für die junge Liste Landshut und wurde hier erster Nachrücker für den Landshuter Stadtrat.

Momenten kamen die FDP und die Freien Wähler auf mich zu und bekundeten Interesse, dass ich mich für diese Bundes- und Landtagswahl aufstellen lasse.

Leider sind beide Parteien von Ihren Programmen und Ihrer Art der Außendarstellung momentan für mich schwer anzunehmen. Des Weiteren bemängele ich schon lange diese Internen Machenschaften, wie vom Kreissaal – zum Hörsaal – zum Plenarsaal. Hier geht es oft um persönliche Kontakte und rumgeschachere als Kandidaten nach ihren Qualifikationen und Erfahrungen auszuwählen.

Ich habe mich schon länger mit Ihrer Partei und deren Ansichten beschäftigt. Gleichzeitig bin ich selbst der Meinung, dass auch unsere Presse und ähnliches  Regierungsfreundlich und Linksorientiert arbeitet…

Ich überlege gerade mich Ihnen zur Verfügung zu stellen, da ich mich persönlich und meine Erfahrungen, vor allem in der Wirtschaft und genauso in der inneren Sicherheitspolitik (als ehemaliger Polizist) einbringen möchte und gerne für eine Kandidatur zur Verfügung stehe.

Für weiterführende Gespräche stehe ich gerne zur Verfügung. Sie erreichen mich persönlich auch unter [..]

Es würde mich freuen von Ihnen zu hören. …. [Orthografische Fehler haben wir aus dem Original übernommen.]

Angesichts dessen stellt sich noch die Frage, welche Art von Werten der Präsident des Werteorientierten Mittelstandes e. V. vertritt und ob die Kinder, die in seine Karateschule kommen, von diesen Werten profitieren.