Posse um Libanesen

Der „deutsche“ Boxer Charr

Von CHEVROLET | Wer ist Mahmoud Omeirat Charr? Unbekannt? Vielleicht hilft der Name Manuel Charr weiter. Ja, das ist der der neue Schwergewichts-Boxweltmeister nach WBA, der am vergangenen Samstag in einem wenig niveauvollen Kampf den Titel holte.

Mahmoud Omeirat Charr, der sich selbst Manuel Charr nennt, hatte gegenüber mehreren Medien behauptet, deutscher Staatbürger zu sein. Er verstieg sich zu der Bemerkung, dass er nach Box-Ikone Max Schmeling erster deutscher Schwergewichtsweltmeister seit 1932 sei. Charr bezeichnete sich Boxer-großmäulig als „Ich bin ein deutscher Panzer“, und hatte seinen Titel Angela Merkel gewidmet, „weil Deutschland meine Heimat ist“.

Box-Experten sehen den genialen Boxer nicht in Schmelingscher Tradition: „Der Vergleich mit einem der größten Heroen der deutschen Sport-Geschichte verbat sich ohnehin. Zu groß sind Unterschiede nicht nur im sportlichen Bereich“, urteilte sogar FOCUS Online.

Aber sei’s drum, viel interessanter als die magere sportliche Leistung sind Charrs großmäulige Worte zu seinem Deutsch-Sein. Da hatte der 33-Jährige, der in der libanesischen Hauptstadt Beirut als Sohn eines Syrers und einer Libanesin geboren wurde, am Dienstag bei Sky Sports News HD erklärt: „Ich bin deutsch zu 1000 Prozent. Ich kam im Trubel nicht dazu, meinen Pass abzuholen. Ich habe einen deutschen Pass. Der liegt vor und liegt im Amt.“ Zum Beweis dafür, dass er „deutsch“ sei, zeigte er den Fotografen seinen Führerschein, seine Bank- und seine ADAC-Karte.

Zuvor jedoch hatte der in Köln lebende Boxer, der als Vierjähriger mit Teilen seiner Familie aus dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflüchtet war, im Kölner Boulevardblatt „Express“ behauptet: „Mein Einbürgerungsverfahren liegt wegen eines möglichen Strafverfahrens auf Eis. Das wird gerade von meinen Anwälten geklärt, und dann hoffe ich, meinen Pass endlich abholen zu dürfen. Aber letztlich ist es nur ein Stück Papier. Was zählt ist, dass ich mich vom Herzen her als Deutscher fühle.“ Der BILD sagte er „Ja, ich schwöre es! Ich bin seit eineinhalb Jahren Deutscher.“ Auch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa äußerte sich Mahmoud Charr, der natürlich in den deutschen Medien immer als „Manuel Charr“ bezeichnet wird, was ihn ebenso wie den Münchener Attentäter von 2016, Davoud Ali S., der stets als David S. bezeichnet wurde, deutscher machen sollte. Bei dpa beteuerte er: „Ich habe nur einen Pass. Und das ist der deutsche.“

Doch am Donnerstag ruderte das Faust-Großmaul mit orientalischer Phantasie zurück und gab kleinlaut zu, doch keinen deutschen Pass zu haben. Wieder im „Express“ erklärte der 33-Jährige: „Ich möchte mich beim deutschen Volk entschuldigen, dass ich behauptet habe, der Pass liege auf dem Amt zum Abholen bereit. Ich habe mich in den letzten zwei Jahren auf die Arbeit und die Aussagen meiner Anwälte verlassen, die sich um das Verfahren kümmern wollten. Dass ich jetzt einen neuen Antrag stellen muss und auch werde, versteht sich von selbst. Ich fühle mich vom Herzen her schon lange als Deutscher und möchte auch alle staatlichen Vorgaben erfüllen, um dieses Stück Papier endlich in den Händen halten zu dürfen.“ Was er besitzt, ist ein „Kölsch-Pass“, ein Jux-Dokument der Kölner Bier-Brauereien.

Probleme mit der Staatsbürgerschaft sind für den Libanesen nicht neu. Im „Express“ erklärte er: „Wir Kinder kamen 1990 als Flüchtlinge mit unserer Mutter aus Beirut und dachten, wir seien Libanesen. Doch unser syrischer Vater hatte uns in Homs gemeldet. Als geduldete Ausländer konnten wir dann bleiben. Drei Jahre, nachdem ich den syrischen Pass bekommen hatte, konnte ich dann 2015 einen Antrag auf Einbürgerung stellen.“ Doch daraus wurde nichts, denn wie viele seiner orientalischen „Brüder“ geriet er mit dem Gesetz in Konflikt, sodass sein Einbürgerungsantrag abgelehnt wurde.

Charr wurde im September 2006 wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag verhaftet und angeklagt. Zusammen mit seinem Boxstall-Kollegen Alexander Abraham war er in eine Auseinandersetzung verwickelt, bei der sich Charr laut seiner eigenen Aussage in Notwehr verteidigte. Anfang 2011 wurde Charr im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen eine Autoschieberbande verhaftet. Das Verfahren wurde eingestellt und Charr nach drei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen. In der Nacht zum 2. September 2015 wurde Charr in einem Döner-Imbiss in Essen angeschossen und schwer verletzt. Nach einer Notoperation war er außer Lebensgefahr. Charr nannte Beleidigungen als Tatmotiv, wie das ja gerne bei „Mitbürgern“ aus diesem Raum der Fall ist.

Wie deutsch Charr sich wirklich fühlt, zeigte auch ein Interview, das bei Youtube zu sehen ist. Er wolle seinen Erfolg und den gewonnenen Gürtel dem „türkischen Volk und seinem Präsidenten Erdogan“ widmen, erklärte er auch nach 29 Jahren Deutschland noch in gebrochenem Deutsch.

Doch das alles ignoriert „FOCUS online“ natürlich brav und titelt: „Charr ist auch ohne Ausweis deutsch“. Da wird der Vergleich mit den (ukrainischen) Klitschko-Brüdern bemüht. Die hätten „die Deutschen“ nämlich adoptiert. Was der Autor „vergisst“, ist aber, dass die Klitschkos niemals behaupteten, Deutsche zu sein. Im Gegenteil, Vitaly Klitschkos Frau Natalia sang die ukrainische Nationalhymne einmal vor einem Kampf im Ring. Und viel besser Deutsch sprechen die Klitschkos auch.