Die Angst und die Wut feiern mit

Und trotzdem ist Weihnachten

Von L.S.GABRIEL |Vielfach hört man dieser Tage Menschen sagen: „Mir ist eigentlich gar nicht weihnachtlich zumute.“ Das gab es immer, früher aber meist, weil’s vielleicht noch nicht geschneit hatte, weil’s zu warm und so gar nicht winterlich war, weil der Stress der Vorweihnachtszeit so manchem doch zu schaffen machte, oder aus ganz persönlichen Gründen: Beziehung kaputt, ein Familienmitglied krank, der Hund gestorben – eben das ganz normale Leben. In den letzten Jahren aber ist es anders. „Fröhliche Weihnachten“, zu rufen fühlt sich auch irgendwie seltsam an, wenn nichts davon zutrifft. Die Fröhlichkeit bleibt einem irgendwie im Halse stecken, zumindest jenen, die nicht mit fest geschlossenen Augen durch ein linkes Traumland laufen, in dem die bloße Anwesenheit der bunten Vielfalt orgiastische Verzückung auslöst.

Wer die Toten, Verletzten, die Geschändeten und Geschlagenen der letzten Jahre nicht verdrängt, wer sieht, wie wir und diese Gesellschaft sich verändern und wie wir heute mehr Angst um unsere Kinder haben als noch vor drei Jahren, wer sich daran erinnert, dass Frauen und Mädchen früher zum Ausgehen anzogen was ihnen gefiel, nicht was sie weniger attraktiv für Merkels Gäste macht, wer noch weiss, wie es war, als man sich nicht umschaute, ehe man eine U-Bahntreppe runter ging – angstvoll man könnte dieses „Abenteuer“ vielleicht mit dem Leben bezahlen, wer heute Sorge hat, dass seine alte Mutter beim Milchholen totgetreten werden könnte, wen diese oder ähnliche Gedanken begleiten, dem fällt es vielleicht schwer, mal eben über die Straße zu winken und Freunden lauthals „Fröhliche Weihnachten“ zuzurufen. Es fühlt sich plötzlich ein bisschen fehl am Platz an, denn mit den vielen Opfern der Merkelschen Invasion wurde auch die Unbeschwertheit und weihnachtliche Vorfreude eines ganzen Volkes geschändet.

Und trotzdem ist heute Weihnachten, ein Tag, der nicht nur den Christen Hoffnung geben sollte – Kinder, die mit strahlenden Augen und roten Backen erwartungsvoll der Bescherung entgegenfiebern, alte und junge Menschen, die sich an diesem einen Abend wieder geborgen fühlen im Kreis der Familie. Gerade in Kriegs- und Krisenzeiten gewannen Traditionen immer an Bedeutung, weil sie Ankerpunkte waren in einer schweren Zeit. Lassen wir uns also für ein paar Stunden anstecken vom Zauber der Weihnacht. Nicht vergessen, nicht verdrängen, aber sich am Schönen dieser Nacht erfreuen. Dieses Geschenk sollte jeder sich selbst machen heute. Denn schon morgen holt uns die so grausam gewordene Realität bestimmt wieder ein.

Vielleicht können wir nicht so fröhlich und unbekümmert sein wie früher, denn die Bilder und schrecklichen Nachrichten der letzten Jahre sitzen mit am weihnachtlichen Gabentisch, aber wir können versuchen Kraft zu tanken aus einer schönen Tradition.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leser, ein besinnliches und friedvolles Weihnachtsfest.

Herzlichst,
Ihr PI-Team


Die Weihnachtsgeschichte

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinus Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort ankamen, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“

Als die Engel die Hirten verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: „Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ!“ So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in einer Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. (Aus dem Evangelium nach Lukas 2,1-20)