Was die Medien Obama und Merkel gestatten, darf Trump offenbar noch lange nicht

Trump und der „böse“ Teleprompter

Von JUPITER | Obama tat es, Merkel tut es, die NachrichtensprecherInnen aller Fernsehanstalten tun es täglich. Nur wenn es Donald Trump tut, dann zerreißen sich insbesondere die deutschen Medien die Mäuler: über die Benutzung des Teleprompters durch den amtierenden amerikanischen Präsidenten.

Wohl fast alle Politgrößen nutzen bei wichtigen Reden, wo es auf jedes Wort ankommt, diese „Souffleuse“, von der sie ablesen können, ohne dass es groß auffällt. Das technische Hilfsmittel ermöglicht  Zugewandtheit und Blickkontakt zum Publikum und erweckt beim Zuschauer an den TV-Schirmen den Eindruck des freien Sprechens. Sehen wir täglich in der Tagesschau.

Kaum jemanden regt das auf, hauptsächlich wohl die deutschen Medien. Nun hat der „böse“ Trump eine gute Rede gehalten und nicht getwittert, überhaupt seine erste Rede „zur Lage der Nation“ nach der Amtseinführung vor einem Jahr.

Die ganze Welt sah zu, wie vorher schon in Davos, und war zufrieden.  Doch wo, bitte schön, ist das Haar in der Suppe, hört man den Chefredakteur fragen?

Die Lynchpresse ätzt 

Aber natürlich, Trampel Trump hat nicht wirklich frei geredet, er hat abgelesen, wurde geätzt. Zum Fremdschämen das Ganze: Das kann ja jeder/jede! Nur wenige  Sender und  Zeitungen verkniffen es sich, abwertend und hämisch auf die Prompter-Benutzung hinzuweisen, anstatt sich ausschließlich auf den Inhalt der Rede des mächtigsten Staatsmannes der freien Welt zu konzentrieren. Weil es da diesmal (nicht viel) zu meckern gab, musste wenigstens eine andere Legende zur Hauptsache aufgemotzt werden. Soll heißen: Hätte Trump frei gesprochen oder getwittert, wäre die Rede garantiert  in die Hose gegangen.

Der tägliche Kommentator von Deutschlands bislang größte Boulevard-Zeitung, die ständig mehr in den Auflagenkeller geht, sonderte seinen Spott-Senf so ab: „Der Präsident der Vereinigten Staaten hat keine Leseschwäche, wie oft vermutet wird“.

Na ja, dann geht es ihm ja fast besser als dem hochgejubelten Barak Obama, dem fast schon Entzugserscheinungen nachgesagt wurden, wenn sein Teleprompter ausfiel, will man amerikanischen Insiderberichten Glauben schenken. Und was er bei seinem Deutschlandbesuch eindrucksvoll unterstrich. Oder unsere sprechgewaltige Bundeskanzlerin, die das Pech hatte, dass sich bei der Neujahrsansprache 2014 der Prompter-Text peinlicherweise in der gläsernen Kulisse hinter ihr spiegelte. So konnten die Zuschauer gleich mitlesen, was Frau Merkel ihnen sagen wollte.

Im Bundestag und auch außerhalb von Fernsehstudios liest sie sonst brav vom Blatt ab. Niemand der Mainstream-Journaille käme auf den Gedanken, sie hierfür ernsthaft anzumisten. Spricht sie wirklich mal frei, kann das schon mal schiefgehen.

Es wäre mal einen Versuch wert, die Trump-kritischen NachrichtensprecherInnen und ModeratorInnen der deutschen TV-Sender ohne Teleprompter sprechen zu sehen. Man kann jede Wette eingehen: sie würden wie autistisch am Blatt kleben, kaum den Blick heben und sich vielfach verhaspeln. Zur Sicherheit wird deshalb beim Fernsehen doppelt genäht – per Teleprompter und per Manuskript.

Hier noch einmal die Rede mit deutscher Simultanübersetzung: