PI-NEWS-Interview mit Andreas Ziegler von "Zentrum Automobil"

„Dieser Anschlag zeigt auf, dass wir auf dem richtigen Weg sind!“

Am Donnerstag berichtete PI-NEWS über den feigen Farbanschlag auf die patriotische Gewerkschaft Zentrum Automobil in Stuttgart-Untertürkheim. PI-News interviewte jetzt Andreas Ziegler, Gewerkschaftsmitglied und Kandidat der Liste Zentrum Automobil. Er befand sich zum Zeitpunkt des Anschlags im Haus und erlebte alles live mit.

PI-NEWS: Herr Ziegler, Sie sind Gründungsmitglied der Gewerkschaft Zentrum Automobil. Was ist ihre Aufgabe in der Gewerkschaft?

Ziegler: Wir gründeten 2010 aus Unzufriedenheit zu der heutigen Systemgewerkschaft und ihrer Arbeitsweise unsere eigene Arbeitnehmervertretung. Wir waren damals elf Kollegen, die bei der Gründung dabei waren und sich aus der IG Metall und der darauf folgenden CGM heraus kristallisierten. Wir waren ca. zwei Tage vor der damaligen Betriebsratswahl ein eingetragener Verein, der verschiedene Aufgaben tätigte. Angefangen mit der Betriebsratsarbeit über normale Vereinsarbeit. Meine Aufgabe war am Anfang die Mitgliederverwaltung. Jeder wurde da eingesetzt, was er am besten konnte. Vom Kassierer, über die Homepage-Verwaltung bis zum Vorstand. Was für ein Erfolg es dann wurde und was sich daraus entwickelte, konnten wir uns damals noch nicht vorstellen. Heute sind wir schon so weit, dass wir eine Dachorganisation gründen werden, in der sich verschiedene Berufszweige und Firmen zusammenfügen. Ähnlich wie der heutige DGB. Da die Anfragen steigen und wir das alles ehrenamtlich nicht mehr ableisten können, müssen wir bald einen Gewerkschaftssekretär beschäftigen, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert und auch die Möglichkeit hat, auf Betriebsversammlungen zu reden.

Zentrum Automobil konnte bei den aktuellen Betriebsratswahlen im Werk Untertürkheim die Zahl seiner Sitze von vier auf sechs erhöhen, insgesamt sitzen dort 47 Mitarbeiter im Betriebsrat. Allein in Untertürkheim votierten 1800 Beschäftigte für die von Ihnen vertretene Gewerkschaft. Bei den Betriebsratswahlen in Rastatt und Sindelfingen zogen Vertreter des Zentrums zum ersten Mal in die Betriebsräte ein. Das haben einige politische Gegner anscheinend nicht verkraftet. Haben Sie in der Geschichte von Zentrum schon einmal ähnlich heftigen Gegenwind erlebt, wie er zur Zeit für Sie und Ihre Mitstreiter spürbar ist?

Wir mussten uns von Anfang an mit Anfeindungen und Hetze seitens der IG Metall und deren Betriebsräte auseinandersetzen. Die erste Betriebsratswahl 2010 als Zentrum war für uns der Einstieg, mit dem Ergebnis, dass wir dann sofort zwei Betriebsräte stellten. Wir waren frei von Gewerkschaftszwängen und unsere ersten beiden Betriebsräte machten einfach eine gute Arbeit, was von vielen Kollegen wohlwollend aufgenommen wurde. Was bei der darauf folgenden Betriebsratswahl 2014 mit zusätzlichen zwei Betriebsräten belohnt wurde. Was sich bisher nur im Werk abspielte verlagerte sich zusehends nach außen. Medien wie Zeitungen wurden von den IGM-Funktionären immer mehr genutzt, danach kamen Sendungen im SWR. Trotz aller Hetze und Anfeindungen blieben wir standhaft und gingen unseren Weg. Wir bauen zur Zeit ein Netzwerk auf zu verschiedenen Firmen wie BMW, Porsche, VW, Opel, aber auch Kollegen von anderen Firmen kamen auf uns zu. Wie Siemens und Stihl. Es waren alles freie oder unabhängige Betriebsräte, die nicht mehr weiter wussten und auf so eine Bewegung gewartet haben. Die jetzige Hetzkampagne zeigte uns deutlich auf, was für eine Arbeitsweise die IG Metall und die anderen roten Organisationen haben. Viele von den dortigen Funktionären und Betriebsräten stammen ja von der alten DDR ab und man erkennt deren Gedankengut. Man kann es gut mit der damaligen Stasi vergleichen. Das Denunziantentum hat Hochkonjunktur.

Aber Ihre Standhaftigkeit hat sich gelohnt.

Nicht nur daß wir jetzt sechs Betriebsräte in Untertürkheim stellen, nein auch drei in Rastatt und zwei in Sindelfingen. Was die ganze Verleumdung und Hetze nicht verhindern konnte. Schon alleine, dass sich unser oberster Chef mit einmischt, zeigt deutlich auf, wie sich das Verhältnis Arbeitgeber zur Gewerkschaft verhält. Was viele Mitarbeiter heute übersehen, ist, dass Betriebsratsarbeit nicht mit Gewerkschaftsarbeit gleichzusetzen ist. Das wird von den alteingesessenen Funktionären falsch suggeriert. Das Betriebsratsamt ist ein Ehrenamt. Man darf keine Vorteile draus ziehen, aber auch keine Nachteile haben. Diese Manipulation oder auch Korruption des Arbeitgebers fängt ja schon im Kleinen an. Angefangen bei einer Einfahrmarke über kleine Geschenke wie ein Langzeitkonto, wo man Überstunden sammeln kann, bis zu mehr Gehalt. Man kann da locker behaupten, unsere Betriebsräte sind nicht mehr unabhängig, sondern machen sich so vom Arbeitgeber abhängig. Diesbezüglich waren wir schon vor dem Arbeitsgericht. Leider können sich nur die Betroffenen anzeigen. Da wir nicht betroffen sind, verläuft das im Sande; Ich zitiere da einmal Sean Connery im Film „Jagd auf Roter Oktober“: Wer wissen will, wie sein Feind denkt, der muss ihn verstehen können. Deshalb werden auch diese Hetze und diese Anfeindungen nicht aufhören. Auch nicht gegen unsere ausländischen Mitglieder. Am Anfang stellten diese Roten Betriebsräte diese Kollegen als „Dumme Ausländer“ dar, was sich zu heute „Nazis gibt es auch im Ausland“ steigerte. Da wir aber ihre Gedankenmuster und ihre Denkweise kennen, wissen wir, was sie im Schilde führen. Haben sie sich einmal diesem System unterworfen, kommen sie so schnell nicht mehr heraus. Sobald sie ihre eigenen Gedanken machen, dieses System in Frage stellen, sind sie nicht mehr tragbar, verlieren ihr Mandat und brauchen sich auch nicht mehr bemühen. Die Stasi und die alte DDR lässt grüßen.

Sie wurden jetzt aufgrund ihres Einsatzes für eine alternative Gewerkschaft persönlich angegriffen. Ihr Haus und Ihr Fahrzeug wurden mit Farbe und Schriftzügen verunstaltet und beschädigt. Wie hoch schätzen Sie den Schaden ein?

Die Höhe des Schadens kann ich jetzt so nicht schätzen. Was sich bei uns zeigt, ist die Hilfe untereinander. Ob das jetzt ein Hochdruckreiniger ist oder ein Maler, der gerade Zeit hat, wir sind füreinander da. Das ist etwas, was diese etablierten Systemlinge nicht mehr kennen. Sie arbeiten nur als Betriebsrat, um für sich selber Vorteile herauszuziehen. Die eigentliche Arbeit, die Arbeit für Kollegen mit Problemen da zu sein und zu helfen, gerät immer häufiger in den Hintergrund.

Hat der Anschlag gegen Sie als Privatperson Konsequenzen für Ihr Engagement im Betrieb?

Nein, im Gegenteil. Dieser feige Anschlag zeigt mir nur auf, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Ich verstehe Kollegen, die Angst um ihre Familie haben, da diese Roten Mitarbeiter vor nichts zurückschrecken. Sie dringen sogar in den privaten Bereich vor und setzen Familienmitglieder unter Druck. Wie erst geschehen. Da werden selbst ausländische Mitarbeiter gegeneinander ausgespielt oder da wird selbst vor der Schule kein Halt gemacht, um seine so genannte Macht zu erhalten.

Was ist Ihre Botschaft an die Täter und an die Beschäftigten im Betrieb?

Schon alleine, dass die Täter in dunkelster Nacht agieren, zeigt mir ihre Feigheit. Für mich ist das ein reiner Kindergarten. Mir wurde noch beigebracht, daß man das Eigentum anderer achtet. Meine Freiheit hört da auf, wo die Freiheit eines andern angrenzt. Diese Grenze wurde jetzt überschritten. Ich habe nun keinen Respekt mehr vor diesen roten Systemlingen. Jeder dieser Betriebsräte hat sich durch diese Hetze und diesen Angriff schuldig gemacht. Auch wenn er dazu nur geschwiegen hat. An alle Kollegen, die noch frei denken können, kann ich nur sagen: seid standhaft, lasst euch nicht manipulieren, verkauft nicht eure Seele, nur um ein paar Vorteile draus zu ziehen. Da zitiere ich gerne wieder aus einem Film. Du wirst von einem Ritter gefordert, oder du wirst von einem König gefordert, aber deine Entscheidung trägst du allein. Wenn du mal vor Gott stehst, kannst du nicht sagen, dir wurde dies oder das befohlen. Es war deine Entscheidung und die musst du selber tragen. Es liegt an einem alleine, wie er sein Leben gestaltet. Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren und wenn du morgen Äpfel ernten willst, musst du heute ein Apfelbäumchen pflanzen. In diesem Sinne, bleibt standhaft und geht aufrecht euren Weg!