„Bild“ fühlt Fußball-Bundestrainer wegen WM-Boykott auf den Zahn

Jogi, der Weltmeister der Diplomatie

Von HAGEN | Unser Bundes-Jogi (Löw), er ist nicht nur auf dem grünen Rasen ein Weltmeister. Er ist auch ein Meister der Diplomatie. Auf die Fangfrage der „Bild“, ob der Fußball-Bundestrainer Bedenken habe, bei einer WM in knapp 100 Tagen in Russland anzutreten, die natürlich auch zu einer Putin-Propaganda-Show verkommen dürfte, antwortete Jogi, als wäre er beim künftigen Hauptdiplomaten Heiko Maas in die Lehre gegangen: „An einer WM teilzunehmen, bedeutet ja nicht, dass wir uns mit einem System, Regime oder Machthaber gemein machen.“

Die „Bild“ wollte wohl austesten, ob ein WM-Boykott wegen Russlands Bomben auf Syrien gehypt werden kann und dribbelte sich scheinheilig an Jogi Löw mit der Behauptung heran, dass „Präsident Wladimir Putin (65) in Syrien Bomben auf Kinder werfen lässt, in der Ost-Ukraine einen verdeckten Krieg führt und im Sport weitreichendes Doping zu verantworten hat“.

Aber so schnell lässt sich Jogi, der Scheinheilige, nicht tunneln und blieb cool wie Boateng vor dem Elfmeterschuss: „Wir lassen uns nicht instrumentalisieren – egal, wo wir spielen, stehen wir immer für unsere Werte ein. Werte wie Vielfalt, Offenheit, Toleranz.“ Um dann noch den argumentativen Kinder-Jumper zu ziehen: „Mir fällt es unendlich schwer, täglich diese schrecklichen Bilder aus Syrien sehen zu müssen, besonders wenn Kinder betroffen sind. Daher wünsche ich mir, dass die Politik über die Diplomatie eine friedliche Lösung findet.“

Das zappelte als Antwort wie der Ball im Netz: Toleranz, keine Instrumentalisierung, schreckliche Bilder, Kinder, Politik ist schuld – bei diesen unschlagbaren Schlagworten gibt sich selbst die „Bild“ geschlagen.

1:0 für Dich, Jogi, aber wie wär`s, wenn Du einfach mit dem Herzen Klartext reden würdest? So zum Beispiel: Die Fußball-WM ist eine sagenhafte Goldgrube und eine einmalige Chance für alle Spieler, die an ihr teilnehmen. Die grätschen mich an, wenn ich ihnen das Spiel verderbe. Zweitens: die Deutschen freuen sich darauf, nach dem elendig langen politischen Gezerre in Berlin wieder spannende Fußballkämpfe zu sehen. Und drittens: was hat Syrien mit der WM in Russland zu tun? Wenn es danach geht, dürfte Deutschland schon deshalb nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen, weil nicht auszuschließen ist, dass deutsche Waffen in Syrien zum Einsatz gekommen sind. Außerdem schweigen in Syrien weitgehend die Waffen, wie jüngst AfD-Abgeordnete festgestellt haben.