Linker Bandleader entgleist und beschimpft das Publikum

Santiano oder wie man die Freiheit kielholt

Von YORCK TOMKYLE | Beim Klabautermann! Fünf gestandene Männer, die Gesichter von Wind und Wetter gegerbt, singen aus rauen Kehlen Shantys und irische Folksongs: Deutschlands aktuell erfolgreichste Band Santiano gibt sich die Ehre. Während auf der Großleinwand im Hintergrund ein unverkennbar deutsches Weltkriegs-U-Boot auf Feindfahrt durch den Ozean pflügt klingt das Intro von „U96 – Das Boot“ durch die gut gefüllte Halle. Der Altersdurchschnitt des Publikums liegt bei ca. 50 Jahren, wobei auch viele Kinder mit an Bord sind.

Dann legen sie los, die Jungs von Santiano. Sie singen Songs vom Leben auf und an der See, von Zusammenhalt, Sehnsucht, der Liebe und dem Tod. Und von der Suche nach Heimat und Freiheit. Sie singen alte Seemannslieder wie „Kaperfahrt“ und huldigen die Likedeelern, den Piraten Klaus Störtebekers und Gödeke Michels.

Wer dazu den Frontmann Björn Both mit seiner zerfurchten Glatze auf der Bühne stehen sieht, der spürt die Gischt auf der Haut und den Geruch von Teer und Tang in der Nase. Man nimmt ihm und seinen Jungs das ab, was sie da singen – da stehen welche auf der Bühne, die nichts zu tun haben mit dem aalglatten Showbiz eines Dieter Bohlen oder dem Perfektionismus einer Helene Fischer. Hier singen echte Männer und sie singen so, wie man es von echten Männern erwartet: schnörkellos, rau, ungeschminkt.

Das Publikum dankt es ihnen, lässt sich mitreißen auf die stürmische See und wird zu einer Gemeinschaft mit der Band. Einer Gemeinschaft von Seeleuten, die den Elementen des Lebens trotzen. Ein perfekter Abend.

AfD, der Feind

Bis – ja bis es plötzlich ganz still wird und Sänger Both bedeutungsschwanger ankündigt, nun etwas zum Thema Freiheit sagen zu wollen. Aus gegebenem Anlass.

Freiheit, so hebt er an, verschwinde nicht plötzlich mit einem großen Knall. Nein Freiheit werde oft freiwillig abgewählt. Es gebe in Europa bereits Länder, in denen die Völker freiwillig Despoten an die Macht gewählt hätten und auch hierzulande sei die Freiheit in Gefahr. Es gebe auch bei uns im Parlament inzwischen eine Partei – die AfD – die die Freiheit gefährde und gegen diese Soße, diese Arschlöcher, gelte es, die Freiheit zu verteidigen. Und darum, Freunde, sollten wir alle wachsam sein. Wachsam gegen die Feinde der Freiheit.

Nach dieser Ansprache badet sich Both mit selbstgefälligem Grinsen und ausgebreiteten Armen im Jubel der Fans. Man sieht ihm seine Befriedigung darüber an, dass er sich mutig den Feinden der Freiheit entgegengestellt hat. Ein richtiger Seebär eben. Aus echtem Schrot und Korn. Geradeheraus und unbestechlich, selbst wenn er dafür todesmutig soeben den einen oder anderen AfD-Wähler unter seinen Fans im Saal als Arschloch beschimpfen musste. Schließlich kann man auf solche Idioten auch gut verzichten!

Während die Spökenkieker auf der Bühne nun unverdrossen ihr musikalisches Programm weiter durchziehen ist der Abend für so manchen Besucher des Konzerts gelaufen.  Das liegt wohl nicht nur daran, dass niemand gerne dafür bezahlt, als Arschloch bezeichnet zu werden. Der Grund für den plötzlichen Schatten auf vielen Gesichtern in der Halle ist wohl auch der, dass die Sorgen um die eigene Heimat – was immer man auch dafür hält – bei Vielen inzwischen zu groß sind, als dass sie sich durch ein paar billige Worte eines alternden und selbstgerechten Popstars wegwischen ließen.

Die Freiheit, die wir meinen

Einigen Besuchern sieht man an, dass sie am liebsten auf Boths Tirade antworten würden. Freiheit, Herr Both?! Was ist mit der Freiheit unserer Frauen, die sich nun schon nicht mehr am helllichten Tag an bestimmte Orte in ihrer Stadt oder ihrem Dorf trauen? Was ist mit der Freiheit der alten Leute, die aus Angst, beraubt, bestohlen und totgeschlagen zu werden nicht mehr ihre Wohnung verlassen? Was antworten Sie auf die Frage, wie sich die Freiheit der Bewohner unseres Landes durch die millionenfache Aufnahme junger Männer aus gewaltaffinen Kulturkreisen, die sich als Schutzsuchende ausgeben und doch zumeist nur fordernde Armutsmigranten sind, verändern wird?

Was wird mit unserer Freiheit, wenn sich die nun bereits ausgetretenen Pfade nach Deutschland erst mit denen füllen werden, die aufgrund der Bevölkerungsexplosion in Afrika und Asien ihre Heimat in den nächsten Jahren verlassen werden? Herr Both? Was antworten Sie denen, die sich Sorgen um ihre Heimat und um ihre Freiheit machen – dazu gehört übrigens auch die Freiheit, die Sie selbst genießen? Das sind alles Arschlöcher, oder Herr Both?!

Freiheit, Herr Both, braucht erstens Regeln, denn eine Freiheit ohne Regeln mündet in Anarchie, in der sich der Stärkere seine Freiheit auf Kosten des Schwächeren nimmt. Freiheit braucht Regeln, die auch konsequent durchgesetzt werden müssen. Und Freiheit, Herr Both, muss manchmal auch erkämpft und verteidigt werden. Dazu gehört ein wenig mehr, als mit billigen Worten gefahrlos die Scheunentore der Mächtigen einzurennen und Andersdenkende als Arschlöcher zu beschimpfen.

Auch wenn Sie es nicht hören wollen, Herr Both: jeder AfDler, der sich von Leuten wie Ihnen bespucken lässt, um für die Freiheit dieses Landes einzustehen, ist sicher viel weniger Arschloch als jemand, der sich dafür feiern lässt, sinnlose Parolen abzusondern, die seine Plattenfirma gerne von ihm hören will.

So jemand wie Sie lässt die Freiheit über die Planke springen und merkt es noch nicht einmal.

Hauptsache, gutes Gefühl, oder?

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