Buchtipp

Richard Millet: „Töten“ und der Islam

Der französische Schriftsteller Richard Millet wurde geschasst. Geschasst von der Medienwelt. Geschasst von der Politik. Geschasst von der „Kulturszene“. Er hat gewagt, was er nicht wagen sollte: Er hat Islamisierung und Terrorismus in Europa angekündigt, als sie noch nicht da waren („Rechte Propaganda!“).

Er wies auf die Verantwortung der linksliberalen Journalisten und ihrer Vollstrecker in der Politik hin („Panikmache!“). Er warnte und warnte: literarisch, essayistisch, politisch. Er erntete: Hass und Shitstorms. Vorgeworfen wurde ihm u.a.: er sei ein ewiger „Islamophober“, er habe schließlich schon im Libanon gegen Moslems kämpfen wollen! Womöglich habe er getötet!

Und in der Tat. Millet war im Libanon. Er kämpfte in den 1970er-Jahren als Freiwilliger im Bürgerkrieg. Auf der Seite christlicher Milizen gegen palästinensische Freischärler und islamische Brüder. Das ist wahr. Und weil er sich dessen nicht schämt, aber empört über die Dummheit der heute Lebenden ist, hat er sein neues Buch „Töten – Ein Bericht“ genannt. Es ist soeben bei Antaios erschienen und verdient eine Lektüre. Die Lektüre ist geradezu atemraubend, so brutal und doch „Typisch Mensch“ war der Libanon, wo Christen gegen Moslems, Kommunisten gegen Nationalisten, Säkulare gegen „Islamisten“ kämpften.

Der Bürgerkrieg ist das Schrecklichste auf Erden. Das hat Millet selbst erlebt. Er will, dass sowas niemals nach Europa kommt! Und dafür wird er angefeindet. Dabei hat er schlicht Erkenntnisvorsprung. Millet weiß eben, was passiert, wenn Islam und zerfallende Sicherheitsstandards aufeinanderprallen. Das kann gestern Beirut gewesen sein. Dort erlebte er es ja live sozusagen. Doch morgen droht genau dasselbe vielleicht schon in Paris oder Berlin!?

Multikulturalismus hält kein Staat zusammen. Krieg ist eine Konstante menschlichen Lebens. Im Zerfall einer Nation werden die Wölfe geweckt – das sind drei Lehren des Essays „Töten“, der hochintelligent und zugleich hervorragend lesbar ist. Ergänzt wird das Buch um ein Vorwort zum Libanesischen, aber vor allem um drei besondere Texte Millets, die ebenfalls erstmals auf Deutsch erscheinen:

Erstens ist da der Text „Der Islamismus als Verbündeter des globalisierten Kapitalismus“. In diesem Beitrag weist Richard Millet auf die Zusammenarbeit von Globalisierung und Islam hin. Ein bemerkenswerter Debattenanstoß:

„Der Kapitalismus will keine denkenden freien Wesen mehr, sondern entfremdete ‚Bürger‘, von der globalisierten Subkultur besoffene Konsumenten, willige Sklaven. Der Islamismus, von welcher Seite wir ihn auch angehen, ist einer der ‚Projektleiter‘. Wie der Globalisierung steht auch ihm eine glänzende Zukunft bevor.“

Monsieur, aber nicht, wenn wir es verhindern!

Der zweite angehängte Text heißt „Christen im Orient“. Er stimmt einen mindestens traurig, weil das Dargelegte so richtig wie schrecklich ist. Das Leben der Christen im Nahen Osten steht vor der Auslöschung, weil wir – die Christen aus dem Abendland – die Menschen nicht schützen konnten. Vor Diktaturen, vor Eingriffen, vor allem aber vor radikalen Moslems, ob im Irak oder in Palästina.

Millet spitzt da ganz konkret und ganz aktuell die Palästina-Frage zu:

„Die Tränen, die die abendländischen Berufsklageweiber regelmäßig über Gaza vergießen, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß gerade diese Palästinenser – so zumindest murmeln einige hinter vorgehaltener Hand – das kassiert haben, was sie verdienen, weil sie die Hamas an die Macht brachten.“

Hart, aber gerecht, dieser Millet. Abgerundet wird das famose Buch durch ein Interview mit Millet, das deutlich macht, wie dieser Mensch denkt und fühlt, nachdem wir in „Töten“ bereits lernten, was er erleiden musste. Das Gespräch stimmt nachdenklich, man liest es und liest es sogleich nochmal. Hängen bleibt Millets Fazit:

„Daher rührt die Notwendigkeit einer geheimen Verbundenheit: jene von Lesern, von Denkern, von schöpferischen Menschen, die den planetarischen Nihilismus ablehnen, der das Wirkliche durch eine Propagandawirklichkeit ersetzt hat. Das Exil findet sich inmitten der Städte, in der Sprache, in der Ironie, im Rückgriff auf die Wurzeln: es ist eine Form des Exils, aus dem man von Zeit zu Zeit hervortritt, um den Feind besser zu schlagen, bevor man sich wieder ins Verborgene zurückzieht.“

Richard Millet: Ein Erwecker des Abendlandes, vielleicht der letzte. Sein Buch, ein Faszinosum. Man legt es beiseite, doch das Buch lässt das gar nicht zu. Es beschäftigt den Leser noch lange. Man wünscht sich Dialogpartner, mit denen man sich austauschen kann, so wichtig ist diese Schrift…

Bestellinformation:

» Richard Millet: „Töten – Ein Bericht“ (16 €)
» Zeitgleich erscheinen Millets Hauptwerke in einem einzigen Band in einer Neuauflage: „Verlorene Posten – Schriftsteller, Waldgänger, Partisan“ (18 €)