Wenn Beten alleine nicht mehr hilft...

CSU-Hoffnung: 1000 Kreuze für den Wahlsieg

Von MARKUS WIENER | Bei idealistischen Abtreibungsgegnern heißt es einmal im Jahr zur gemeinsamen Demo “1000 Kreuze für das Leben”. Bei der ganz und gar nicht idealistischen bayerischen Staatspartei CSU heißt es dagegen ab 1. Juni: “1000 Kreuze für den Wahlsieg”. Mit dem heutigen Tag müssen in allen Amtsgebäuden bayerischer Landesbehörden Kreuze im Eingangsbereich aufgehängt werden. Über 1000 Polizeidienststellen, Finanzämter und sonstige Behörden sollen davon betroffen sein.

Die plötzliche Rückbesinnung auf die Werte des christlichen Abendlandes hat natürlich einen ganz praktischen Grund: Die im Oktober bevorstehende Landtagswahl in Bayern, bei der die CSU laut allen Umfragen weit von der angestrebten absoluten Mehrheit entfernt ist und die verhasste Konkurrenz der AfD hartnäckig über zehn Prozent verharrt. Das ist der alte Albtraum der CSU, wonach sich rechts von ihr eine demokratische Partei etabliert. Blöd nur, wenn man über viele Jahre immer mehr konservative Positionen geräumt hat und somit viel Platz frei geworden ist in der früheren CSU-Domäne. Nicht umsonst plakatierte die bayerische AfD schon zur Bundestagswahl sehr erfolgreich, dass Franz Josef Strauß heute die AfD wählen würde!

Besonders der neue bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat das selbst verschuldete Dilemma erkannt und versucht nun mit kosmetischen Schaufensteraktionen pünktlich vor dem 14. Oktober wieder Boden gut zu machen. Schließlich ist seit Jahrzehnten bekannt, dass sich ungefähr zwei Drittel der Wähler zwischen Spessart und Karwendel mitte-rechts verorten. Da heißt es nun die Lederhose stramm ziehen, den Laptop unter’m Arm klemmen und kräftig rechts blinken, um hinterher mit Merkel in Berlin wieder scharf links abzubiegen. Also das übliche Prozedere, möchte man meinen. Wenn nur nicht die AfD wäre, die sich inzwischen schon ein halbwegs gefestigtes Wählerklientel erschließen konnte und gerade im Süden (und natürlich auch im Osten) der Republik noch lange nicht ihr Potential ausgeschöpft hat.

Da kommt es Söder gut zu pass, dass er rechtzeitig zu seiner scheinheiligen PR-Kampagne auch noch eine Audienz im Vatikan ergattert hat. Weltliche Macht und Amtskirche bilden ja nicht erst seit gestern viel zu gerne eine unheilige Allianz. Und eine Hand wäscht auch in Bayern immer noch die andere!

Die “1000 Kreuze für den Wahlsieg” werden aber noch nicht der letzte CSU-Joker im Machtpoker an der Isar gewesen sein. Es werden weitere rhetorische Nebelkerzen zur Asyldebatte und schizophrene Forderungen an die selbst verantwortete Regierungspolitik folgen, gepaart mit gleichzeitiger primitiver Antifa-Hetze gegen die AfD. Ab dem 1. Juli wird der fränkische Fuchs Söder sogar noch die gute alte bayerische Grenzpolizei reaktivieren – ein  Relikt aus der Zeit des kalten Krieges – und voraussichtlich mit großen Brimborium einige Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylforderer mit “Ankerzentrum”-Schilder verzieren. Als i-Tüpfelchen könnte es dann vielleicht auch noch den von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt herbeigesehnten Missbrauch des weisungsgebundenen Landesverfassungsschutzes zur Stigmatisierung der AfD geben.

Ob das alles reicht, um der CSU zur absoluten Mehrheit im nächsten Landtag zu verhelfen, ist eher unwahrscheinlich. Die CSU wird stattdessen mit dauerhafter Konkurrenz von rechts im eigenen Stammland leben müssen und bei länger anhaltendem Verbleib unter der magischen 50-Prozentmarke zu einer bloßen Regionalpartei mit geringer deutschlandweiter Bedeutung absinken.

Genau gegen dieses aus ihrer Sicht Horrorszenario setzen Söder und Co. nun Himmel und Hölle in Bewegung.


Markus Wiener.
Markus Wiener.
PI-NEWS-Autor Markus Wiener schreibt bevorzugt zu Kölner und tagespolitischen Themen für diesen Blog. Der 41-jährige Politologe und gelernte Journalist ist parteiloses Mitglied des Kölner Stadtrates und der Bezirksvertretung Chorweiler. Seit über 20 Jahren widmet er sein politisches und publizistisches Engagement der patriotischen Erneuerung Deutschlands. Der gebürtige Bayer und dreifache Familienvater ist über seine Facebook-Seite erreichbar und bloggt zur Kölner Kommunalpolitik auch unter rutwiess.blog