Nachhaltigkeitsexperte beim NDR

Was uns eine Zahnbürste sagen kann

Was kann uns eine Zahnbürste sagen? Eine ganze Menge. In der Sendung DAS!, die regelmäßig im Vorabendprogramm des NDR läuft, war am Sonntag der Nachhaltigkeitsexperte Aleksandar Jovanovic zu Gast. Er bewarb (im Video ab Minute 27:32) den mit seiner Frau Clelia Sarto zusammen betriebenen „Youtube-Kanal für Nachhaltigkeit“.

Sarto stellte bei der Gelegenheit im NDR diverse Gegenstände vor, mit denen die doofen interessierten Zuschauer ihr Konsumverhalten überdenken sollten, nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Sie zog eine Zahnbürste mit Bambusgriff aus ihrem Fundus und präsentierte sie dem verdutzten NDR-Zuschauer als Lösung für Nachhaltigkeit. Sarto wörtlich (28:44):

Absoluten Knaller finde ich persönlich ja – Bambuszahnbürsten. Das kann man sehr gut sehen: an dieser Zahnbürste ist der Stiel aus Bambus gefertigt, die Borsten sind aus Nylon. Das bedeutet [zeigt auf den Stiel]: Das könnt ihr komplett in die Biotonne treten. Das [zeigt auf die blauen Nylonborsten] müsstet ihr einmal abschneiden, in die Recyclingbox. Perfekt!

„Ja, total gut nachzuvollziehen“, bestätigt Moderatorin Bettina Tietjen sofort. Und jetzt aber zurück zur eingangs gestellten Frage, was uns Sartos Zahnbürste zeigen kann:

1. Clelias Mülltrennung ist noch nicht wirklich ausgreift, der Rat, die Borsten abzuschneiden und Borsten und Stiel dann getrennt zu entsorgen, greift zu kurz. Denn was ist mit den Borstenresten aus Nylon, die dann immer noch tief im umweltfreundlichen Bambusgriff verbleiben und nach dem Verrotten im Ökokompost stecken?

2. wird  der Bambus für die Bürsten-Griffe vermutlich nicht in Norddeutschland angebaut und muss also weite Strecken mit Schiff oder Flugzeug zurücklegen, um in Deutschland seine ökologische Wirkung zu entfalten. Gibt es keine Alternativen aus heimischen Hölzern?

3. Warum stellt diese Fragen zu dem besonders ausgesuchten Öko-Artikel (mit Idiotiefaktor) nicht die Moderatorin Bettina Tietjen? Ist sie schlicht zu blöd, dass ihr das nicht auffällt? Könnte man das nicht zumindest vorher kritisch hinterfragen?

4. Nein, könnte man nicht. Denn es interessiert überhaupt nicht. Schuldig gemäß dem geltenden Öko-Schuldkult, dem zweiten tragenden in Deutschland, kann nur der doofe Michel vor dem Fernseher sein, niemals die Macher der Sendungen mit Sendungsbewusstsein dahinter.

Es gilt, dieses Narrativ – unabhängig vom Inhalt – vor dem Zuschauer, vor den Kollegen und vor sich selbst aufrechtzuerhalten. Denn es geht um eine Menge Geld, das man mit ehrlicher journalistischer Arbeit in Deutschland nicht mehr verdienen darf, jedenfalls nicht als Feigling. Und da muss man sich eben mit anderen Dingen behelfen.

Und das ist die Lehre Nummer 5, von der Öko-Zahnbürste mit dem Bambusgriff und den Nylonborsten.