Neues Video von Eko Fresh zeigt den tiefen Konflikt um den Islam auf

Rap-Moderator zwischen AfD-Wähler und moslemischem Erdogan-Fan

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Der Rapper Eko Fresh, mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora, hat mit seinem neuen Video „Aber“ einen Volltreffer gelandet. Seit der Veröffentlichung am 20. Juli hat es bei Youtube bereits knapp 2 Millionen Zuschauer. Darin treffen ein junger AfD-Sympathisant und ein türkischstämmiger moslemischer Erdogan-Anhänger aufeinander. Sie sagen sich gegenseitig offen die Meinung, wobei es für ein Video aus der Rap-Szene überrascht, dass der junge AfD-Wähler nicht negativ dargestellt wird. Der Schauspieler und Synchronsprecher Patrick Mölleken spricht die Dinge exakt so aus, wie sie Millionen von deutschen Bürgern mit gesundem Menschenverstand erleben. Völlig ohne rassistische oder ausländerfeindliche Plattitüden. Einzig optisch werden mit der Bomberjacke und den allerdings kaum sichtbaren Springerstiefeln noch Klischees bedient.

Einige Aussagen des Türken sind nachweislich unwahr und dürften auch den noch klar Denkenden im Mainstreampublikum auffallen: So haben die türkischen Gastarbeiter, die ab 1961 nur auf Druck der USA wegen der wichtigen NATO-Raketen in der Türkei ins Land gelassen wurden, keinesfalls „Deutschland mitaufgebaut“. Die Arbeitslosen aus Anatolien konnten froh sein, dass sie an den Fließbändern von Opel & Co Geld verdienen durften. Deutschland hatte zu dem Zeitpunkt sein Wirtschaftswunder bereits abgeschlossen, die Türken setzten sich nur ins gemachte Nest. Es wurde auch kein einziger Türke in ein „Ghetto eingesperrt“, sondern sie suchten sich selber die Wohngebiete aus, wo sie auf ihresgleichen trafen, türkisch sprechen und eine islamische Parallelgesellschaft errichten konnten.

Dieses Video wird in der Mainstreampresse intensiv diskutiert. Der Stern sieht es positiv, dass damit ein Dialog angestoßen wird:

Der Rapper Eko Fresh hat genau das nun in seinem neuesten Song „Aber“ verarbeitet. Allerdings nicht nur aus seiner Sicht als Deutsch-Türke, sondern aus drei Perspektiven: der eines AfD-Wählers, der eines Erdogan-Anhängers und seiner eigenen. Dadurch schafft er es, auf den Punkt zu bringen, was in Deutschland gerade schief läuft: Es wird nur noch übereinander gesprochen, es wird zu wenig miteinander gesprochen.

Aber das linke Blatt kommt trotzdem nicht aus seiner ideologisch blockierten Denkweise heraus, so dass es die absolut realistische Sichtweise des AfD-Sympathisanten als „von Vorurteilen geprägte Hasstirade“ diffamiert. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet Eko Fresh als den „Rapper der Stunde“, dessen Video als „ein drastisches Rollenspiel“ zwischen „übelsten Ressentiments des typischen AfD-Wählers“ und einem „Wut-Türken mit Erdogan-Lob und Klischees“ sei. Damit disqualifizieren sich diese beiden Blätter für die faktenbezogene Diskussion.

Die taz hingegen bezeichnet das Video als „klug“, das die „Zerrissenheit der Gesellschaft“ spiegele und eine „wichtige Message“ habe, die hoffentlich viele erreiche. Der österreichische Standard schätzt die Äußerungen des AfD-Wählers als „typischen Populistensprech“ ein und der Merkur sieht zwei „extrem konträre Meinungen“ aufeinanderprallen. Eko Fresh erklärt, dass er dazwischen vermitteln wolle:

„Ich habe lange gebraucht, die neue und polarisierende Situation zu verarbeiten. Dabei habe ich mich buchstäblich in die Lage von zwei Vertretern extremer Positionen versetzt und versuche schließlich, mit meinem neuen Song ‚Aber‘ zum Nachdenken anzuregen und zum Dialog aufzurufen.“ In seinem Song gehört ihm die dritte Strophe. Er setzt sich zwischen die beiden Parteien und rappt drauflos: „Als allererstes woll’t ich klarstell’n, dass ich Ekrem Bora heiß`/ Deutscher Staatsbürger, ich frag‘ euch, was soll der Scheiß? / Ihr kennt euch doch so lang, reißt euch endlich mal zusamm’n.“

Gestalterisch ist das Video „I’m Not Racist“ vom US-Rapper Joyner Lucas das Vorbild, in dem die Auseinandersetzung eines Weißen mit „Make America Great Again“-Cap und einem Schwarzen mit Goldkettchen dargestellt ist. Nachdem sie sich sechs Minuten lang gegenseitig die Dinge aus ihrer Sicht temperamentvoll an den Kopf knallen, wobei der Schwarze dem Trump-Fan die Mütze vom Kopf schlägt und den Tisch umwirft, entwickeln sie füreinander Verständnis und umarmen sich sogar. Am Ende des Videos, das seit November des vergangenen Jahres bei Youtube über 82 Millionen Menschen angesehen haben, ist diese Schrifttafel zu sehen:

„Wir waren alle Menschen, bis wir in Rassen aufgeteilt, in Religionen getrennt, durch Politik auseinandergebracht und nach Besitz eingestuft wurden.“

Die Probleme in den USA unterscheiden sich allerdings deutlich von unseren, denn dort spielt der Islam bei der Auseinandersetzung schwarz/weiß keine so große Rolle, sondern eher die evolutionär bedingten Unterschiede mit der afrikanischen Mentalität und Kultur, die in der amerikanischen Gesellschaft nicht so schnell verschwinden, so wie sich das naive Multikulturalisten so gerne wünschen.

In Europa haben wir durch das starke Eindringen des Islams ein viel größeres Problem. Wenn eine Religion mit all ihren ideologischen Gesetzmäßigkeiten so gravierend spaltet, kann es schwerlich eine Annäherung geben. Im Unterschied zum US-Video tritt der Musiker als Vermittler auf. Dies ist die zweite Überraschung, denn Ekrem Bora alias Eko Fresh hat in der Vergangenheit schon ganz übles AfD-Bashing abgeliefert. Im Frühjahr 2016 brachte er seinen a-capella-song „AfD = Albtraum Deutschland“ heraus, der voller falscher Vorurteile steckt, teilweise übel diffamiert und vielleicht auch deswegen längst nicht so erfolgreich ist. Ein Jahr später folgte „Nur für Dich“ in dem er die Auseinandersetzung in der Asylproblematik in ein ironisch gestaltetes „Liebeslied für Frauke“ verpackte.

Ende November 2017 bekannte er sich in dem Video „Germania“ zu Deutschland als seiner Heimat, in der er all die Freiheiten schätzt, die man in kaum einem anderen Land habe. Er spüre zwar auch seine türkischen Wurzeln, würde aber nie dorthin zurückkehren, denn er sei in Köln geboren und fühle sich wie ein „Kölscher Jung“.

Ekrem Bora scheint kein Moslem zu sein, daher kann er in dem Video auch als einigermaßen neutraler Moderator auftreten. Im Januar des vergangenen Jahres heiratete er seine Freundin Sarah, im Juli kam Sohn Elijah zur Welt. Das klingt jüdisch, was für einen gläubigen Moslem undenkbar wäre. Ekrems kurdischer Großvater stammt aus der zentralanatolischen Stadt Sivas und kam als Gastarbeiter nach Deutschland. In Sivas fand am 2. Juli 1993 der pogromartige Angriff von sunnitischen Moslems auf Teilnehmer eines alevitischen Festivals statt, in dessen Folge 37 Aleviten getötet wurden. Dieses schreckliche Massaker dürfte auch noch im Bewusstsein seines Großvaters und seiner Mutter stecken, zumal Kurden schließlich auch erklärte Gegner des Islamfaschisten Erdogan sind. Boras Vater, der Musiker und Journalist Nedim Hazar, wuchs in Sydney und Istanbul auf und kam 1980 als politischer Flüchtling nach Deutschland.

Ekrem Bora tickt politisch zwar links, aber wir erleben gerade, dass die Kritik am politischen Islam auch immer stärker in die linke Szene vordringt. So zeigte sich in der Auseinandersetzung um das Bürgerbegehren gegen die DITIB-Moschee in Kaufbeuren, dass die „sachliche Kritik am politischen Islam“ auch von Links gewünscht wird und man diese „nicht den Rechtspopulisten überlassen“ wolle.

Auch in der traditionell linken Szene Leipzigs rumort es, seitdem der islamkritische Autor Thomas Maul im Kulturzentrum Conne Island Ende Juni einen Vortrag hielt:

Auf der einen Seite der linken Arena stehen diejenigen, die sich der klassischen Flüchtlingssolidarität verschrieben haben. Sie betrachten den Islam als eine schützenswerte, weil von Rassisten bedrohte Gemeinschaft gesellschaftlich Marginalisierter. Auf der anderen Seite befinden sich selbst ernannte Gralshüter von Aufklärung, Säkularismus und Emanzipation. Für sie steht Religion im Allgemeinen und der Islam im Besonderen für Rückschritt und Barbarei. Dazwischen herrscht dichtes Grau.

In die öffentliche Diskussion um den Islam kommt immer mehr Bewegung. Die Fakten und die sich auf den Straßen abspielenden realen Auswirkungen lassen sich nicht mehr länger vertuschen. Dieses Thema betrifft alle Nicht-Moslems über die politischen Grenzen hinweg, auch wenn es die ideologisch Denkblockierten unter den Grünen-, Linke- und SPD-Anhängern als letzte begreifen werden.


Michael Stürzenberger
Michael Stürzenberger

PI-NEWS-Autor Michael Stürzenberger arbeitete als Journalist u.a. für das Bayern Journal, dessen Chef Ralph Burkei beim islamischen Terroranschlag in Mumbai starb. 2003/2004 war er Pressesprecher der CSU München bei der Franz Josef Strauß-Tochter Monika Hohlmeier. Von 2009 bis 2011 versuchte er im dortigen Integrationsausschuss vergeblich die Islamkritik zu etablieren. Im Mai 2011 wechselte er zur Partei „Die Freiheit“, wo er ab 2012 bayerischer Landesvorsitzender und von 2014 bis 2016 Bundesvorsitzender war. Seine Youtube-Videos haben knapp 23 Millionen Zugriffe. Zu erreichen über Facebook.