Eröffnungsfeierlichkeiten vom 28. – 30. September 2018

Frankfurts Neue Altstadt ist nichts für „Modernisten“

Von WOLFGANG HÜBNER | „Die große Illusion“ ist der Name einer zwei Tonnen schweren und neun Meter langen glitzernden Skulptur aus Stahlblech, die vom Flachdach des öden Bauwürfels des Frankfurter Kunstvereins wie ein abgeknickter Riesenschlauch herabhängt. In der reflektierenden Beschichtung der Oberfläche des Monstrums spiegeln sich Silhouetten von Gebäuden der direkt angrenzenden Neuen Altstadt. Das kunstlose Gebilde soll laut der Direktorin des mit jährlich 360.000 Euro von der Stadt bezuschussten Kunstvereins einen „Kontrapunkt zur Romantik des historisierenden neuen Dom-Römer-Areals“ darstellen.

Die Gegner der am Freitag offiziell eröffneten Neuen Altstadt finden also auch nach der Vollendung des historisch wie architektonisch bedeutsamen Projekts keinen Frieden mit einer der schwersten Schlappen für die „Modernisten“ nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch diese besonders in Architektenkreisen zahlreich vertretenen Gegner befinden sich in diesem Fall auf verlorenem Posten. Denn schon in den letzten Monaten sind tausende Menschen, Bürger wie Touristen, mit freudigem Staunen und hellem Entzücken durch dieses wiederauferstandene kleine Teilstück der im alliierten Bombenhagel von 1944 total zerstörten, einst weitgerühmten Altstadt der Mainmetropole gelaufen. Und in den nächsten Tagen und Jahren werden ihnen unzählige Menschen auf diesen Wegen folgen.

Die Realisierung der Neuen Altstadt ist der Sieg einer Idee, die mit einer parlamentarischen Niederlage begann. Denn der inzwischen legendäre Antrag, formuliert und eingebracht von der 2005 nur mit dem Verfasser dieses Textes in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen unabhängigen Wählergruppe „Bürger Für Frankfurt – BFF“, wurde anfangs von CDU, SPD, Grünen und diversen Linken glatt abgelehnt. Doch besagter Antrag, der sehr weitsichtig fast genau das forderte, was nun die neue Attraktion der Stadt geworden ist, fand so großen Anklang in der Öffentlichkeit, dass zuerst die CDU und dann auch die SPD noch rechtzeitig zur Kommunalwahl 2006 politisch umschwenkten. Selbst die modernitätsgläubigen Grünen fanden nach anfänglich erbitterter Gegnerschaft ihren Frieden mit dem Projekt, das nach langjähriger Bauzeit nun bewohnbar und begehbar ist.

Gewiss ändert auch die Neue Altstadt nichts an den mannigfaltigen Problemen Frankfurts, also Verwahrlosung des öffentlichen Raums, hohe Kriminalität, die gekippte Bevölkerungszusammensetzung, immer weiter in die Höhe schießende Sozialkosten, Mietsteigerungen, Engpässe im Verkehrswesen usw. Doch die Durchsetzung und die Realisierung des Projekts ist ein sinnlich erfahrbares Symbol der Selbstbehauptung derjenigen, „die schon länger hier leben“. Es waren schließlich deren Vorfahren, die diese Stadt zu ihrer früheren wie heutigen Bedeutung geführt haben. Die Neue Altstadt, da haben sogar ihre ideologischen Gegner und Verächter völlig recht, kann langfristig als Beitrag zur Selbstheilung einer Nation verstanden werden, die nicht immer im Schatten einer unseligen Periode der Vergangenheit leben kann und will.

Das hat selbstverständlich nichts mit Verdrängung oder Beschönigung der nationalsozialistischen Verbrechen zu tun. Diese sind eine historische Tatsache, die von der lächerlich geringen Zahl von Rekonstruktionen in Deutschland weder weg- noch zugebaut werden kann. Jeder auch nur halbwegs vernünftige Mensch versteht das. Nicht aber linke Verschwörungstheoretiker wie der Stuttgarter Architekturtheoretiker Stephan Trüby, der seit einiger Zeit heftig die Antifa-Keule gegen Frankfurts Neue Altstadt und ihre Initiatoren schwingt.

In einem Beitrag in dem gerade erschienenem Band „Die immer neue Altstadt“ schreibt Trüby unter dem Titel: „Die Einstecktuchisierung verrohter Bürgerlichkeit – Wie Rechte in Frankfurt und anderswo eine alternative deutsche Geschichte zu rekonstruieren versuchen“ über ein Projekt, das überwältigende Zustimmung in allen Bevölkerungsschichten erfährt: „Historisch informiertes Entwerfen verkommt hier zum unterkomplexen Heile-Welt-Gebaue, das der Verblödung seiner Liebhaber zuarbeitet, indem es Geschichte auf ein eindimensionales Wunschkonzert reduziert. Vergangenheit soll für dieses Publikum wie geschmiert laufen, und zwar in Richtung einer alternativen Historie für Deutschland. Eine Historie, in der der Nationalsozialismus, die deutschen Angriffskriege und der Holocaust maximal Anekdoten zu werden drohen.“

Trübys linksverwirrtes Gekeife, so absurd es auch ist, dokumentiert ungewollt die verzweifelte Defensivposition, in der sich die Ideologen und Praktiker modernistischer Architektur befinden. Wer nichts mehr mit guten Argumenten zu begründen weiß bzw. wer nichts anderes mehr zu bieten hat als die zehntausendste Variation von Bauhauswürfeln und Betonbrutalismus, der bringt halt den deutschen Schuldkomplex ins Spiel. Doch damit werden Trüby und Co. immer weniger Schrecken und Einschüchterung erreichen. Denn der Wunsch nach solider, schöner und nachhaltiger Architektur, nach abwechslungsreichen Fassaden und Kleinteiligkeit ist aus dem ästhetischen Empfinden unzähliger Menschen so wenig auszutreiben wie in der Musik der Wunsch nach Melodien statt atonaler Geräuschentwicklung elitärer Komponisten.

Der Hass auf Rekonstruktionen von im Krieg und der Nachkriegszeit in Ost wie West zerstörten, gesprengten oder achtlos abgerissenen wertvollen historischen Bauten, der Widerstand gegen historisierendes, der Tradition und Kultur verpflichtetes Bauen – all das resultiert aus der panischen Angst der „Modernisten“ vor ihrem Bedeutungsverlust. Der schreitet allerdings rasch voran, er ist zudem selbstverschuldet. Etliche Jahrzehnte haben die das Bauwesen in Deutschland dominierenden Architekten samt den jetzt Trübsal blasenden professoralen Theoretikern und Ideologen an den Hochschulen arrogant die Bedürfnisse nach abwechslungsreicheren, individuelleren Häusergesichtern ignoriert und als „Fassadismus“ geschmäht. Weil sie auch weiterhin völlig uneinsichtig sind, wenden sich nun immer mehr gerade jüngere Menschen von diesem Architekturverständnis ab.

Darin eine Verschwörung, ein „wichtiges Medium für die neue Rechte“ zu sehen, dokumentiert lediglich Argumentationsschwäche sowie verachtenswertes politisches Denunziantentum. Denn es ist keineswegs „rechts“, sich Städte mit einer Architektur zu wünschen, in der sich die Bewohner wohl fühlen. Es ist nicht „rechts“, Wohnviertel zu wünschen, die der seelischen und körperlichen Gesundheit zuträglich sind. Nach den Zerstörungen des letzten Krieges war es sicher vorrangig, schnell und ohne besonderen ästhetischen Ehrgeiz zu bauen. Das kann den damals Verantwortlichen nicht vorgeworfen werden. Aber über 70 Jahre danach der Kopfgeburt einer durch und durch kreativ erschöpften „Sühnearchitektur“ zu huldigen, wie es Trüby und Gleichgesinnte tun, ist eine unerträgliche Anmaßung von Leuten, deren Epoche sich dem Ende zuneigt. Je schneller, desto besser!

Was in Frankfurt, Dresden, Potsdam, Nürnberg an Rekonstruktionen und historisierendem Bauen entstanden ist oder noch entstehen wird, ist nichts anderes als höchst zeitgemäße, höchst moderne Architektur. Denn es entstehen Gebäude und ganze Ensembles, die mit ihrer Schönheit den überwältigenden Teil der Menschen in Deutschland sowie den Besuchern unseres Landes Freude schenken, in denen sie sich wohlfühlen. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass die meisten dem „Modernismus“ huldigenden Architekten und Ideologen vorzüglich in Häusern aus der Gründerzeit oder alten Villen leben. Sie sollen daraus nicht vertrieben werden. Aber sie sollen endlich aufhören, mit ihren hochbezahlten, immergleichen schmucklosen Schachtelbauten unsere Städte zu verhässlichen. Ein winziges Stück Frankfurt zeigt seit heute offiziell, wie es anders und besser geht. Das ist wahrlich ein guter Tag für die Stadt wie auch für das ganze Land.


Wolfgang Hübner.
Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der 71-jährige leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.