Uli Henkel bei der BIHK-Wahlarena der Spitzenkandidaten in Bayern

München: AfD-Kandidat bringt Publikumszuspruch von drei auf 18 Prozent

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Die Bayerische Industrie- und Handelskammer (BIHK) hatte am 17. September Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien zur „Wahlarena 2018“ eingeladen, damit ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Themen, die der Wirtschaft auf den Nägeln brennen, klar werden. So sollten sie ihre Stellung zu den Bereichen Fachkräfte, Infrastruktur und Flächenpolitik deutlich machen.

Diese Gesprächsrunde in München zeigte deutlich auf, wie sehr viele Bürger die AfD immer noch nach Vorurteilen bewerten, die kräftig von Medien und der politischen Konkurrenz geschürt werden. Sobald sie dann aber die Ausführungen eines Politikers der derzeit einzigen Alternative in Deutschland hören, ändert sich das Bild.

Uli Henkel, der auf der oberbayerischen Kandidatenliste der AfD auf Platz 2 steht, wurde nach einem Beschluss des AfD-Landesvorstandes in diese Runde entsendet und konnte mit sachlicher Argumentation sowie faktischen Kenntnissen punkten.

Außer ihm nahmen der CSU-Generalsekretär Markus Blume, die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze, der Freie Wähler-Landesvorsitzende Hubert Aiwanger und der FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen teil.

164 Bürger im Saal nahmen an der Abstimmung über den Zuspruch für die Parteien teil. Den größten Sprung in der Publikumsgunst im Vergleich vor der Talkrunde / nachher erreichte Uli Henkel für die AfD von 3% auf 18% und landete damit auf Rang 3, deutlich vor den Freien Wählern und nur knapp hinter der FDP.

Den größten Absturz musste Markus Blume für die CSU von 29% auf 16% hinnehmen. Auch die Grünen sackten mit Katharina Schulze von 37% auf 29% ab, lagen damit aber trotzdem vorne. Die SPD landete mit Natascha Kohnen und mickrigen 5% auf dem letzten Platz.

Moderator dieser Diskussionsrunde war der Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der Süddeutschen Zeitung, der sich ebenso wie der Hauptgeschäftsführer der BIHK angetan von der Sachlichkeit der Kandidaten äußerte, was im Resumee des BIHK-Artikels festgehalten ist:

Das Fazit des Abends zog Hubert Aiwanger von den Freien Wählern: „Niemand hat nur Unsinn geredet.“ Auch Moderator Marc Beise, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung und BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen zeigten sich überrascht über die sachliche Diskussion.

Die knapp zweistündige Gesprächsrunde wurde live im Internet übertragen und ist auch auf Youtube zu sehen. In diesem Video sind die Statements von Uli Henkel zusammengefasst:

Die BIHK produzierte mit jedem Gesprächsteilnehmer ein Kurzinterview mit Fragen zu wichtigen Wirtschaftsthemen. Hier die Stellungnahmen von Uli Henkel:

Am gestrigen Dienstag Abend gab es eine weitere Diskussionsrunde mit Landtagskandidaten, diesmal von den Wirtschaftsjunioren in der BIHK organisiert. Dies sind junge Unternehmensleiter und Manager im Alter von 25 bis 40 Jahren. Eigentlich sollte dies im Bayerischen Landtag stattfinden, aber dessen Präsidentin Barbara Stamm (CSU) wollte die Teilnahme der AfD und auch der FDP mit dem Scheinargument verbieten, dass diese beiden Parteien derzeit (noch) nicht im Landtag vertreten sind.

Hauptgrund dürfte vielmehr die nackte Angst vor der konservativen Konkurrenz gewesen sein. Die BIHK zog dann aber nicht die von der machtgewohnten CSU erwartete Konsequenz, die Gesprächsrunde ohne diese beiden Kandidaten stattfinden zu lassen, sondern wechselte den Standort in das Forum der IHK Akademie. So eine faire und objektiv-demokratische Haltung gegenüber der AfD ist in der heutigen Zeit noch eher ungewöhnlich.

Am vergangenen Samstag traf ich Uli Henkel bei der AfD-Kundgebung mit Peter Boehringer am Münchner Stachus und führte mit ihm ein Interview, in dem er neben den Themen „bezahlbare Mieten“ und „Akzeptanz der AfD“ auch auf diese verlegte Gesprächsrunde der BIHK einging:

Ende August veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein Portrait über ihn, das erstaunlicherweise ohne die sonst üblichen Feind-Schablonen auskam:

Wer ist dieser Mann? Ein seriöser älterer Herr mit Krawatte. Blaue Turnschuhe, Jurist und selbständiger Unternehmensberater. Seit 61 Jahren lebt er in München, kam als Bub, geboren in Dortmund. Bayerische Momente zieren sein Hochdeutsch, er spricht druckreif und gestikuliert auch im Sitzen – wie ein Italiener, sagt er über sich und blickt in einem Café in Obersendling verschmitzt auf venezianische Wandmalereien. 50:50 sagt Henkel über seine Schwerpunkte – halb Kommunales, halb klassische AfD, inklusive Migration, klar.

„Integration ist eine Bringschuld“, Kroaten, Russen oder Südamerikaner in seiner Nachbarschaft oder sein internationaler Freundeskreis hätten „nie den Anspruch gestellt, die Bedingungen, unter denen wir leben, zu verhandeln“. Die jüngsten Zuwanderer, Muslime vor allem, forderten das sehr wohl. Deutschland dürfe sich nicht „auflösen in einem multi-ethnischen, multikulturellen Staat“. Dass er auch richtig pathetisch reden kann, pauschalisierend und populistisch, hat er im Mai bei der Listenwahl in Hallbergmoos gezeigt. Von „Flutung“ durch Migranten sprach er da, so werde das Land „zum größten Sozialamt der gesamten restlichen maladen Welt“. Die Regierung Merkel habe „mit Hilfe der CSU dieses liebenswerte Land zur Schlachtbank geführt“; im Landtag werde er „mit Furor gegen jeden zu Felde ziehen“, der „unsere gewachsene Ordnung gefährdet“ und „der uns neue Götter bringen will“.

Die Abendzeitung brachte am 13. September einen Artikel mit Stellungnahmen von Münchner Landtagskandidaten zum Thema Mieterschutz, in dem auch Uli Henkel zitiert wurde. Der TV-Sender Phoenix interviewte ihn auf dem AfD-Bundesparteitag in Augsburg am 1. Juli zur vermeintlichen „Zerstrittenheit“ des Landesverbandes Bayern:

Die Landtagswahl in Bayern verspricht spannend zu werden. Je öfter die Bürger Kontakt mit AfD-Politikern und ihren Ansichten bekommen, desto höher steigt der Zuspruch für die junge Partei. Das dürfte auch der Grund sein, warum in den vergangenen Monaten viele Mainstream-Medien die AfD geradezu ausschlossen aus ihrer Berichterstattung. Nachdem sich dies aber zum Bumerang entwickelt, da die AfD dadurch in eine Opferrolle gerät und das Gerechtigkeitsempfinden in dem noch nicht linksblockierten Teil der Bevölkerung verletzt wird, denken immer mehr Medien so langsam über eine Änderung ihres Verhaltens nach. Ein solcher Richtungswechsel würde sich positiv auf die Meinungsvielfalt in unserem Land auswirken – im Sinne eines wirklich demokratischen Zustands.


Michael Stürzenberger
Michael Stürzenberger
PI-NEWS-Autor Michael Stürzenberger arbeitete als Journalist u.a. für das Bayern Journal, dessen Chef Ralph Burkei beim islamischen Terroranschlag in Mumbai starb. 2003/2004 war er Pressesprecher der CSU München bei der Franz Josef Strauß-Tochter Monika Hohlmeier. Von 2009 bis 2011 versuchte er im dortigen Integrationsausschuss vergeblich die Islamkritik zu etablieren. Im Mai 2011 wechselte er zur Partei „Die Freiheit“, wo er ab 2012 bayerischer Landesvorsitzender und von 2014 bis 2016 Bundesvorsitzender war. Seine Youtube-Videos haben knapp 23 Millionen Zugriffe. Zu erreichen über Facebook.