Nach dem Höhenflug folgt die Ernüchterung

Bayerns Konfetti-Grüne dürfen wieder von Wolke 7 absteigen

Von PLUTO | Eine euphorische grüne Spitzenkandidatin, der am Wahlabend offenbar die Endorphine durchgingen. Eine öffentlich-rechtliche Wahlberichterstattung, die sich vom Halo-Effekt der hohen grünen Prozentzahlen blenden ließ. Am Tag nach den Bayerwahlen ist der von den Medien geschürte grüne Konfetti-Hype weitgehend verflogen. Die bayrischen Wähler haben nicht revolutionär abgestimmt, so die nüchterne Analyse, sondern bürgerlich. Rund 65 Prozent wählten konservativ (CSU, Freie Wähler, AfD, FDP), rund 30 Prozent links (Grüne, SPD, Linke). Das sind die Fakten.

Die grüne Spitzenkandidatin Katharina Schulze wirkte am Sonntagabend vor den Kameras zeitweise wie eine Schülersprecherin auf Speed. „Das Wahlergebnis hat Bayern schon jetzt verändert. Dafür vielen, vielen Dank“, quiekte sie Beifall heischend Richtung Parteigänger. Jubel, Applaus, Konfetti. Bundesfraktionschef Anton Hofreiter strich sein strähniges Haar aus der schweißnassen Stirn und klatschte begeistert mit. Noch drei weitere Male pushte Schulze mit „Auch dafür vielen, vielen herzlichen Dank!“ die begeisterten Sympathisanten zu Klatschorgien (Video oben). Zum Fremdschämen, das Ganze, aber offensichtlich Ausdruck des kindlich-naiven Lebensgefühls eines hochgejazzten grünen Politstars, der schon als bayrische Innenministerin gehandelt wurde.

Davon können Katharina Schulze und die bayrischen Grünen trotz ihrer beachtlichen 17,5 Prozent Abstand nehmen. Natürlich gehörte es am Sonntagabend zum Pflichtrepertoire der Qualitätsmedien, der CSU und ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder eine Koalition mit den Grünen anzuschwatzen. Weil dann eine sichere Mehrheit den Menschen im Lande dienlich sei, so das durchscheinende Argument. „Natürlich sind wir bereit, Verantwortung für dieses schöne Land zu übernehmen“, sagte Schulze. Und Der Bundesvorsitzende Robert Habeck, der sich offenbar schon als Verhandlungsleiter sah, sieht seine Partei als „Zentrumskraft“ und im Wahlergebnis einen „Veränderungsauftrag“. Söder denkt aber im Traum nicht daran, sondern setzt lieber auf die „Freien Wähler“ als Partner und damit auf eine bürgerliche Mehrheit. Von den Grünen sieht er die CSU „inhaltlich meilenweit entfernt“.

Söder fiel es leicht, den Versuch einer herbeigeredeten Koalition mit den Grünen abzuwehren. Dafür hatte ihm schon Habeck eine Steilvorlage geliefert. Er hatte der CSU noch kurz vor dem Wahlgang die Demokratiefähigkeit abgesprochen und von der Beendigung der Alleinherrschaft getwittert. Ein kapitaler Fehler. Da nutzte auch eine halbherzig nachgeschobene „Entschuldigung“ nichts mehr.

Wie es scheint, bringen den regierungsgeilen bayrischen Grünen die erstmals zweistellig eingefahrenen Werte mit 38 Abgeordneten und sechs Direktmandaten keinen politischen Mehrwert. Sie dürfen wieder von ihrer Wolke 7 absteigen, als zweitstärkste Kraft auf den harten Oppositionsbänken Platz nehmen und sich dort entzaubern lassen. Einen ersten Eindruck ihres phrasenbelasteten Politprogramms konnten sie am Wahlabend schon einem bundesweiten Publikum darbieten. Manch Zuschauer wird innerlich frohlockt haben, dass der Kelch einer grünen Regierungsbeteiligung noch einmal an Bayern vorbei gegangen ist.