Houston, wir haben ein Problem…

Wenn das der Führer wüsste: Hitlers Neffe würde Merkel wählen

Von PETER BARTELS | Es gibt Geschichten, auf die kommt nicht mal der STERN. Aber BILD. Für die Zeitung in den letzten Zügen hat ein Timo Lokoschat auf Long Island/USA den letzten Hitler ausgegraben. Und Timo läßt den Hitler-Neffen sogar sagen: Ich würde Merkel wählen!

Ob der STERN jetzt wieder die Geschichte umschreiben muß, wie bei seinen getürkten Hitler-Tagebüchern? … Ob Wolken-Wotan-Wagner, der greise, aber glühende Merkel-Mönch, jetzt endlich ins Rote Kloster nach Leip’sch schlurft? … Auf jedenfall hat „Houston“ jetzt möglicherweise wieder mal ein Problem: Einer der letzten Hitler heißt mit zweitem Vornamen Adolf. Ein anderer, schon toter Halbneffe, hieß mit dem zweiten Familiennamen Houston. Wahrscheinlich muß der STERN doch wieder ran…

Der BILD-Reporter taperte die ganze Hitler-Sippe ab. Erst Long Island: „Im Vorgarten der Brüder Brian und Louis weht die amerikanische Flagge. Eine weiß gestrichene, zwei Meter hohe Holzwand umgibt das Anwesen fast lückenlos … Sie sind die letzten Hitlers. Ihren Namen hat die Familien 1946 geändert. Zuerst in Hiller, später in einen englischen Doppelnamen.“ Sie sind die Großneffen von Gröfaz. BILD genealogisch: „Adolf Hitler war Onkel von Vater William Patrick Hitler. In Großbritannien geboren, siedelte ‚Willy‘ dann aber 1939 in die USA über, kämpfte sogar mit der Navy gegen die Kriegsmarine noch unter dem alten Familiennamen.“

BILD zeigt sogar ein Bild von „Willy“, mindestens so schön wie Errol Flynn, sogar mit Strich-Bärtchen. Mit der Hitler Rotzbremse hätte er wohl auch Ähnlichkeit mit Onkel Adolf gehabt. Hier, auf dem BILD-Foto, zeigt er Reportern eine Headline: „To Hell with Hitler“. In der BU schreibt BILD: Hitler hasste ihn, nannte ihn „widerlich“.

BILD sprach mit Adolf Hitlers Großneffe Alexander in Amerika. Cut a long Story Short: Knorriger Amberbaum, dunkles Holzhaus, kein Namenschild, eine Klingel. Stille. Nebenan bellt ein Hund. Ein Mann, um die 50, volles, dunkles Haar, glatt rasiert, kantiges Gesicht. BILD: “Hitler trägt kurze Hose“. Brian, der hier mit Bruder Louis lebt. Aber Hitler schweigt … Hitler macht die Tür zu …

Auf zum nächsten Hitler, Alexander Adolf, dem ältesten Hitler, 45 Autominuten. „DEAD END“ steht auf dem Schild, „Sackgasse“, ein Latino bläst Laub, überall US-Flaggen. Alexander Hitler hat viele Topfpflanzen – Fleißiges Lieschen, Bartnelken, Eisbegonien, Funkien. BILD staunt deutsch: „Die amerikanischen Hitlers haben einen grünen Daumen.“ Sogar eine Nachbarin aus Österreich!! Heil Hitler, aber auch …

Aber keine Klingel. Später, 30 Sekunden nach dem zweiten Klopf-Versuch, geht die Tür auf: Alexander Hitler, 1,85 Meter, türkis-weiß kariertes Hemd, beige Cargohose. Er „raunzt“ BILD an: „What do you want?“ Dann: „Sie waren heute schon bei meinen Brüdern …“. Der BILD-Reporter macht auf Taktik: „Was halten Sie von der deutschen Politik?“ Hitlers Großneffe (68) nimmt einen Schluck schwarzen Kaffee, zieht das Fliegengitter zu, lehnt sich von innen gegen den Türrahmen: „Fragen Sie“. Der BILD-Reporter: „Was denken Sie über Bundeskanzlerin Merkel?“ Der BILD-Reporter schreibt: Seine Miene hellt sich auf. „Ich mag sie. Sie ist gut. Sie scheint eine intelligente und schlaue Person zu sein.“

Und die Flüchtlingskrise? BILD: „Alexander Hitler, der mit dem zweiten Namen Adolf heißt, nimmt (wieder) einen Schluck Kaffee. Der BILD-Reporter läßt ihn in die Ferne blicken, scannt die Physiognomie: „Stirn, Kinn, Augen … eine gewisse Ähnlichkeit läßt sich nicht leugnen“. Dann notiert er Hitlers „knappe Antwort“: „Die Kanzlerin tut, was sie tun muß“. Das ist im Kalender einer der Macho-Sprüche von Ernest Hemingway, wenngleich leicht abgewandelt („Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß“). Und auch der nächste Satz scheint eher die Idee des redigierenden Heimat-Redakteurs zu sein, kommt er doch ohne Doppelpunkt und ohne Tüddelchen, einfach so: Wenn er könnte, würde er sie wählen. Feiglinge! Der STERN hätte auf „Tagebuch-Deutsch“ geschrieben: Hitler würde Merkel wählen!

D a s sind die Gedanken, die auch langweilige Schlagzeilen fliegen lassen … BILD macht auf Teppich bleiben: „Alexander Hitler – ein Merkel-Fan!“ Natürlich souffliert der BILD-Reporter dem US-Hitler dann aber doch noch Trump, wenn man den Troll denn schon mal zur Hand und im Land hat: Wie hält er es mit …? Und der US-Hitler sagt: „Es ist seine Art, die mich stört … Ich mag einfach keine Lügner.“

Alexander Adolf Hitler ist laut BILD „eingefleischter Republikaner“. Jawoll, Herr Chefredakteur. Und Onkel Adolf Hitler hat nur die Autobahnen gebaut…


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Unter ihm erreichte das Blatt eine Auflage von 5 Millionen. In seinem Buch „Bild: Ex-Chefredakteur enthüllt die Wahrheit über den Niedergang einer einst großen Zeitung“, beschreibt er, warum das einst stolze Blatt in den vergangenen Jahren rund 3,5 Millionen seiner Käufer verlor. Zu erreichen ist Bartels über seine Facebook-Seite!