Rückblick auf die Europawahlversammlung der AfD in Magdeburg

Guido Reil: Zweiter Platz, aber erste Wahl

Von AP | Eigentlich gilt der zweite Platz als der Undankbarste. Es gibt nämlich keinen zweiten Sieger, sondern nur einen ersten Verlierer. Aber in Magdeburg wurde vergangenes Wochenende nicht die Weltmeisterschaft im Hallenmikado ausgetragen, sondern die AfD-Kandidaten-Liste für die Wahl zum EU-Parlament festgezurrt. Und hier war Guido Reil, der Kumpel aus dem Pott, die erste Wahl für den zweiten Platz der AfD.

Parteichef Jörg Meuthen war logischerweise für Platz eins der Liste gesetzt. Er gehört nicht nur zu den erfahrendsten und rhetorisch versiertesten AfD-Politikern, sondern hat als Einziger eine ganze Legislaturperiode Erfahrung im EU-Parlament. Mit Maximilian Krah auf Platz drei haben die Delegierten einen guten Dreiklang erzeugt. Liberal-konservativer Meuthen mit dem sozial-patriotischen ehemaligen SPD-Mitglied Reil und dem rechts-konservativen, ehemaligen CDU-Mitglied Krah aus Sachsen. So geht Volkspartei!

Das Herz am rechten Fleck

Wobei die prominente Besetzung von Guido Reil das größte Ausrufezeichen ist. Denn jahrelang wurde Reil als der treuherzige ehemalige SPD-Genosse belächelt, der sich vom Haifischbecken AfD instrumentalisieren lässt. Der zwar das Herz am rechten Fleck hat, aber vielleicht zu wenig Hirn? So richtig das erste ist, so falsch war immer die zweite Schlussfolgerung.

Die AfD-Delegierten haben bewiesen, dass sie auch Personen auf Spitzenplätze befördern, die keine Ader für Parteiintrigen haben und Hinterzimmer-Diplomatie betreiben. Die sich einfach unermüdlich für die kleinen Leute in ihrer Umgebung einsetzen.

Aktuellstes Projekt von Reil ist der Kältebus für Obdachlose. Jeden Abend werden von 19 bis 23 Uhr Obdachlose im Ruhrgebiet aufgesucht und mit dem nötigsten versorgt. Wer Reils Lebenslauf kennt, weiß, dass er dafür jede freie Minute investiert.

Bionade-Bourgeoise heuchelt Engagement – Reil packt an

Während nun die heroischen Bionade-Bourgeoisie in gentrifizierten Innenstadt-Quartieren abends im Warmen kuscheln, wird Reil im VW-Bus durch den Pott fahren.

Während die Bessermenschen abends über den Trump-Ausstieg aus dem Pariser-Klimaabkommen lästern und dabei ihren Kohle- und Atomstrom aus der Steckdose nutzen, wird Guido Reil mit seiner Taschenlampe Obdachlose aufsuchen.

Und, während die Champagner-Linken im sanierten Altbau ihre Demokratieabgabe beim Tatort genießen, wird Reil Obdachlosen heißen Tee einschenken.

Das soziale Engagement des Guido Reil verkörpert zu 100 Prozent das, was früher einmal „Links“ war. Aber die Linke hat sich verändert, sie ist zu Macht und Herrschaft aufgestiegen und wurde selbst zur ehemals bekämpften Bourgeoisie. Guido Reil ist sich treu geblieben und daher irgendwann in der AfD gelandet. Er ist dabei der fleischgewordene Alptraum der Sozis und gleichzeitig die größte Hoffnung für eine patriotische Wende.

Patriotische Wende durch Sieg in den Arbeiterquartieren

Denn so wichtig es ist, dass die AfD mit Leuten wie Krah im CDU-Spektrum Wähler abgreift und damit die Unionsparteien für ihre extremen Linkstrend bestraft – so sehr handelt es sich hierbei auf lange strategische Sicht um ein Nullsummenspiel. Denn selbst wenn 80 Prozent der Unionswähler zur AfD abwandern würden, hätte diese keine Mehrheit und R2G käme an die Macht. In Österreich hat erst der Erfolg der FPÖ in Arbeiterbezirken der Großstädte die Vormacht der SPÖ gebrochen und die ÖVP zu einer rechten Wende gezwungen. Guido Reil ist der Mann, dem dies im Ruhrgebiet gelingen kann. Diese Bedeutung haben die Delegierten in Magdeburg erkannt und mit der ersten Wahl für den zweiten Platz gewürdigt. Der Wahlkampf für die Europawahl am 26. Mai 2019 kann beginnen.