AfD braucht interne Mediatoren

Königer-Rücktritt: Dumm gelaufen

Von A. POLLON | Steffen Königer (AfD), Ex-Mr. Brandenburg und erfolgreicher Windsurfer, „macht die Welle“ und kündigt seinen Parteiaustritt an. Vorsichtig aber dennoch hört man bei ihm Vorwürfe gegen den rechten Parteiflügel heraus und denkt unvermittelt – PI-NEWS hat bereits drauf hingewiesen – an Helmut Roewers Warnung: Der ehemalige Thüringer Chef-Schlapphut sprach erst vor wenigen Tagen über Parteimitglieder, die dem Establishment und Staatsschutz wahrheitswidrig als Kronzeugen dafür dienten, dass die AfD extremistisch unterwandert sei.

Mit einer eher lauen Nachbearbeitung der offiziösen Chemnitzlügen, dem Nichtverkauf einer längst zurückgegebenen Parteispende und dem verängstigten Umgang mit einer möglichen Verfassungsschutzbeobachtung schliesst der Parteiaustritt an eine ganze Kette mangelhaft gehandhabter „Affären“ an, die eines deutlich anzeigen: die „Blauen“ haben ein Kommunikationsproblem. Im Inneren, wie auch nach außen! Proaktive Lagervernetzung, Intelligence, Öffentlichkeitsarbeit über die herkömmlichen Medien hinaus… hier brennt es gleich an mehreren Stellen.

Auch Niederlagenmanagement scheint unbekannt. Hat Königer (ausgerechnet er!) nicht über Wochen die Sprache verloren, um sie erst heute über Nacht wiederzufinden, dann war der Partei zweifellos bekannt, dass ihr der Husarenritt des Vorstandsmitglieds ins Haus stand. Nur die Parteiführung mag wissen, wieso Königer dann nicht VOR seinem Coming Out öffentlichkeitswirksam desavouriert wurde. So jedenfalls hätte man seine anstehende „Gewissensentscheidung“ beim Vollzug elegant als rein privates „Beleidigtsein“ wegbügeln können.

Wieder eine Chance die, typisch für die AfD, liegengelassen wurde. Stellt sich die Frage, ob sich die Partei wenigtens im Nachhinein zu einer Schadensbegrenzung aufraffen kann. Königer galt als Mann der Mitte. Seine Vorwürfe gegen sektiererische Verkapselungen in der Lagerreichen Partei lassen sich auf Libertäre, Rechte und neuerdings auch Sozialdemokraten gleichermaßen anwenden, sie zielen aber wohl auf den nationalkonservativen Flügel, dem auch der Brandenburger Parteichef Andreas Kalbitz zugerechnet wird. Der könnte Königer den Weg nach oben, sowohl auf der Landtagsliste, als auch den ins Europarlament mit verbaut haben.

Wenn die Alternative für Deutschland aus dem zum Teil selbst angerichteten Schlamassel eine Lehre ziehen will, dann ist es diese: Reicher als andere Parteien mit Strömungen, Köpfen und Ideenpools gesegnet braucht sie, weit mehr als ihre Konkurrenten, interne Mediatoren, die die Lager verbinden, Kränkungen frühzeitig erkennen und aufheben, Karriereleitern ideologieübergreifend aufstellen. Personelle Ausfälle an der Spitze, so wie der Königers, sind ein sehr ärgerliches Thema, verbreitern sie sich hinein in Lageridentifikationen, so wird es die Partei zerreißen.