„Um die Buntheit für die Enkel zu erhalten“

Omas gegen Rechts vom NDR ausgezeichnet

Alter schützt vor Torheit nicht. Und ein öffentlicher Rundfunk nicht vor dem Missbrauch der abgepressten Gebühren. Beide Phänomene, so unterschiedlich sie anmuten, treffen zusammen, wenn das Geltungsbedürfnis seniler Alter auf eine Regierungspropaganda trifft, die auch wirklich alles und jeden in den Dienst der „guten Sache“ zu stellen versucht.

„Omas gegen Rechts“ nennen sich die Alten, die noch einmal im Mittelpunkt stehen wollen. „Gegen Rechts“ heißt ihr politisches Programm, mit dem sie auf die Straße gehen und sich die Aufmerksamkeit erhaschen, die sie sonst schon lange nicht mehr erhalten. Da ist es auch egal, wenn die Feinmotorik nicht mehr mitmacht und sie erst nach jemandem suchen müssen, der ihre albernen Luftballons verschließt („Wer kann Knoten machen?“).

Sie durften trotzdem bei der Antifa mitmarschieren, gegen Rechts, gegen konservative Ansichten in der Gesellschaft, gegen die Opposition, die eine Ablösung der Regierungschefin fordert, gegen deren Meinungsfreiheit, gegen deren Demonstrationsfreiheit.

Bei den Merkel-muss-weg-Demos in Hamburg müssen die Teilnehmer am Ende der Veranstaltung mit der U-Bahn an einen unbekannten Bahnhof verbracht werden, damit sie halbwegs sicher den Versammlungsort verlassen können. In der angeblich weltoffenen Stadt finden wirklich Hetzjagden statt, von roten Schlägerbanden, die versuchen, Andersdenkende mit roher Gewalt auf Merkels Regierungslinie zurückzubringen. Im März des Jahres hätten sie, aufgehetzt von einer grünen Bürgermeisterin, einen der Teilnehmer gegen Merkels Politik fast totgeschlagen. Niemand verübelt es den Omas, dass sie sich, angekommen am Bahnhof Dammtor, von der Polizeikette weiter nach hinten verziehen.

Der linke NDR lobt trotzdem das Engagement der „Omas gegen Rechts“. Er zeichnet ja alle aus, die bei so etwas mitmachen, hier also die aufmerksamkeitsheischenden Omis. Manche waren „früher“ schon dabei, gegen die Atomkraft, manche demonstrieren zum ersten Mal, erwähnt der NDR. Das soll wohl ihre große Betroffenheit unterstreichen, die Wichtigkeit des politischen Zieles und Auftritts, wenn der Sender sich darauf kapriziert. Die Alten und ihre politische Botschaft wurden jedenfalls aus vielen anderen Vorschlägen der Hörer-Aktion „Nicht meckern, machen!“ ausgewählt und ausgezeichnet, weil, so der NDR, sie „etwas zum Besseren verändert hätten“:

Mit Oma Andrea Herzog und zwei weiteren Frauen gründete Oma Dörte Schnell die Hamburger Facebook-Gruppe mit inzwischen 120 Mitgliedern.

Einmal im Monat treffen sie sich. „Mich hat das Erstarken der AfD dazu motiviert. Das empfinde ich als bedrohlich.“ Dörte Schnell kann sich außerdem gut daran erinnern, wie es in den 1970er-Jahren war. „Damals, in meiner Jugend, haben wir unsere Eltern gefragt: Warum habt ihr nichts gemacht gegen Hitler, gegen das Dritte Reich?“ Nie habe sie das verstehen können. Zwar räumt sie ein, dass die Situation jetzt nicht dieselbe sei. Trotzdem müsse man dringend etwas tun: „Und da kamen die Omas genau richtig.“

Die Omas denken aber auch positiv. Sie wollen etwas erhalten für ihre Enkel. Was? Die Demokratie? Wohlstand? Kultur? Ein Leben in Sicherheit und Freiheit? Nein, die Omas kämpfen für „Buntheit“, so wie sie es auf ihre alten Tage noch auswendig gelernt haben, „Buntheit“:

Oma zu sein, das sei für sie eine Haltung, sagt die 66-Jährige. „Omas sind mutig, haben nicht viel zu verlieren. Man hat Lust sich einzumischen und zu sagen: Leute, was hier passiert, das wollen wir nicht.“ Ihr gehe es darum, die offene Gesellschaft zu bewahren – mit all ihren Möglichkeiten: „Dieses Gefühl von einer Buntheit, die möchte ich für meinen Enkel, aber auch für mich erhalten.“

Dann wollen wir der Oma Dörte und all den anderen Omas zum Schluss mal ganz, ganz viel Buntheit wünschen, ihnen persönlich. Und dass ihnen ihre Enkel dereinst ihre Torheit vergeben mögen, mit der sie aktiv an der Zerstörung der politischen Freiheit mitgewirkt haben. Denn die gilt heute uneingeschränkt nur noch für Anhänger der Merkelpolitik und für diejenigen, die sich ohne zu mucken bedingungslos ihrem totalitären Anspruch unterordnen und mitlaufen.

(Spürnase: Günter)