Obwohl nach der Zwangspause weniger Menschen ertrunken sind

Mittelmeer: NGOs rüsten auf Yacht-Flottillen um

Von BEOBACHTER | Die Zahl ertrunkener oder vermisster Menschen ist schlagartig und deutlich  gesunken, nachdem Anrainerstaaten Einsätze privater Retter auf dem Mittelmeer blockiert haben. Der Zusammenhang zwischen den stark unterbundenen Aktivitäten privater Organisationen und rückläufigen Todesfallzahlen liegt demnach nachweislich auf der Hand. Trotzdem haben zivile „Seenotretter“ inzwischen aufgerüstet und wollen nach der Zwangspause mit neuen Schiffen und Strategien auf der Jagd nach dem Seenotfall vor die libysche Küste in See stechen.

Statistisch gibt es nichts zu deuteln: in 2018 werden von der >UNHCR und IOM etwa 2.100 ertrunkene oder vermisste Personen gemeldet. 2017 waren es noch 3.100 und 2016 annähernd 5.000, also weit über 50 Prozent mehr.

Damit korrespondieren rückläufige Zahlen von Geflüchteten, die über das Meer Italien, Griechenland, Spanien und Zypern erreicht haben. In diesem Jahr waren es bis dato 105.130, in 2017 rund 172.000 und 2016 noch rund 363.000 Personen. Es scheint also, wie ein ZEIT-Kommentator folgert, als wenn mit der Anwesenheit der Seenotretter mehr Menschen ums Leben kommen als wenn diese Schiffe nicht vor Ort wären. Und ein anderer User zieht den Schluss: „Es geht ja auch kein Mensch zur Bushaltestelle, wenn kein Bus kommt. Das klingt zynisch, beschreibt das Ganze aber leider perfekt.“ Das lässt den Schluss zu: die Anwesenheit der NGO´s ist ein Pull-Faktor.

Wenn auch in absoluten Zahlen weniger Menschen gestorben sind, und darauf kommt es ja wohl an, überzeugt das die meisten Unterstützer der zivilen Organisationen wohl kaum. Sie verweisen gerne auf „Sterberaten“ – also dem relativen Verhältnis von geflüchteten und ertrunkenen Menschen – und die seien gestiegen. Und damit sei die Überfahrt gefährlicher geworden.

Der offene Zynismus solcher Argumentation kann einem überzeugten „Seenotretter“ im Mittelmeer wohl nicht davon abhalten, sich weiter mit Inbrunst dem humanitären Einsatz zwischen Afrika und Europa zu widmen. Die rührseligen Geschichten von zumeist jungen engagierten Leuten, die ihr Studium unterbrechen oder den Arbeitsplatz kündigen, um sich für einige Monate bzw. auf Dauer in das Abenteuer zu stürzen, sind mittlerweile in jedem Lokalblatt nachzulesen. Unterstützt von zumeist linken und grünen Politikern, die sich nicht scheuen, vor Ort nach Malta etc. zu fahren, um sich dann als glühende Follower der  umstrittenen Mission zu outen.

Gutmenschen im fernen Deutschland spenden hierfür gerne und viel, vermutlich zur Beruhigung ihres Gewissens. Auch, wenn dadurch – die absoluten Zahlen sprechen  eine klare Sprache – mehr Menschen sterben könnten als ohne Spende.

Wie die ZEIT schreibt, gehört zur neuen Strategie der NGO´s, unter deutscher Flagge zu fahren. So startete am 24. November das Ex-Forschungsschiff „Professor Albrecht Penck“ als erstes ziviles Seenotrettungsschiff mit deutscher Flagge und Zulassung auf dem Mittelmeer von Rostock Richtung Süden. Die Organisation „Sea-Eye“ erhoffe sich dadurch mehr diplomatischen Schutz, was aber noch zu beweisen wäre.

Die NGO „Mission Lifeline“ setzt laut ZEIT neuerdings auf Segelyachten, die sie zu einer Flotte zusammenführen will. Inzwischen  hätten drei Segeljachtbesitzer ihre Boote für die Flotte zur Verfügung gestellt. Sobald eine Besatzung steht und das Wetter es zulässt, also wahrscheinlich im Frühsommer, will die Flotte losziehen.

Die selbsternannten Seenotretter bekommen nach ihrer Zwangspause reichlich medialen Flankenschutz. Offenbar, weil der aufgerüstete libysche Küstenschutz immer mehr Schlauchboote aufbringt, dadurch Menschenleben rettet und damit in Konkurrenz zu Schleusern und deren Abnehmern steht, wird von der Tagesschau folgerichtig an der Schwachstelle an Land angesetzt. Berichtet wird vom Grauen in  libyschen  Flüchtlingslagern, in denen die Insassen angeblich sogar Toilettenwasser trinken müssten. Die Tagesschau fragt nicht danach, ob die NGO´s nicht zu den überquellenden Flüchtlingslagern selbst beigetragen haben.

Um den gordischen Knoten der Elendsindustrie zu durchschlagen, unterbreitet das Wissenschaftsportal Sciencefiles einen sinnvollen Vorschlag. Die Seenotretter geben ihr Geschäftsmodell auf und setzen ihr Spendenaufkommen in den Ausgangsländern ein, wo die Fluchtursachen an der Quelle bekämpft werden können: zum Beispiel zur Finanzierung von Schulen in Eritrea oder um Arbeitsplätze im Niger zu schaffen. Dadurch fällt der Anreiz weg, über die Wüstenrouten über Libyen nach Europa zu fliehen.