Polizei sucht Silvester-Messertäter nach Mordversuch

Kassel: Lebensgefährlicher Bauchstich nach Spuckattacke in Bahn

Von DAVID DEIMER | Ein „messerscharfes“ Foto gleich 100 Stunden nach dem Mordversuch an einem Kasseler ohne Augenbalken oder Verpixelung veröffentlicht – ein erster Fortschritt der so genannten Sicherheitsbehörden im schwarz-grünen Hessen. Der „Messerstecher“ von Kassel-Nordstadt, der am Silvestertag in einer Bahn der Kasseler Linie 1 einen 38-jährigen Fahrgast lebensbedrohlich verletzte, ist allerdings immer noch auf freiem Fuß. Zwar hat die Polizei seit Freitag einige Hinweise auf die Identität des Mannes erhalten – wo sich der Verdächtige aufhält und „ob er überhaupt noch in Deutschland“ ist, sei derzeit aber noch unklar, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen am Sonntag.

Couragiertes Messeropfer überlebt nur dank Not-OP – „Leben hing an seidenem Faden“

Ein unbekannter „Mann“ hatte nach einem Streit einen 38-jährigen Fahrgast aus Kassel in der Bahn mit einem Messer in den Bauch gestochen und war an einer Haltestelle aus der Bahn geflüchtet. Zu der versuchten Tötung kam es am kritischen Silvestertag. Das Opfer kam mit schweren Verletzungen auf die Intensivstation und musste unverzüglich notoperiert werden. Die Bahn der Linie 1 war stadtauswärts unterwegs, als es gegen 13.15 Uhr zwischen den Haltestellen Hauptfriedhof und Wiener Straße zu der Bluttat kam.

Zuvor habe der Täter „gegen die Tür der Bahn gespuckt“ und war von dem späteren Opfer höflich auf sein Fehlverhalten angesprochen worden, wie Augenzeugen berichten. Im weiteren Verlauf habe der Täter sein obligatorisches Klappmesser hervorgeholt und damit dem 38-Jährigen zunächst gegen den Kopf geschlagen und dann gezielt in den Bauch gestochen, so Polizeisprecher Jürgen Wolf.

Fahrgäste forderten den Täter lautstark auf, „sein Tun zu unterlassen“, woraufhin der Geflüchtete an der Haltestelle Wiener Straße die Bahn verließ und in Richtung Helmholtzstraße flüchtete. Eine sofort eingeleitete Fahndung der Polizei verlief bislang ohne Erfolg.

Zeugen beschreiben den Täter wie folgt: Männlich, ca. 25 bis 30 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, schlanke Statur, kurze braune Haare, 3-Tage-Bart; bekleidet mit roter Jacke, blauer Jeans, einem gestreiften Pullover und einem schwarzen Schal. Er sprach Deutsch „mit Akzent“. Hinweise bitte unter Tel. 0561/9100

Das Bild entstand offensichtlich unmittelbar vor dem Mordversuch des Neubürgers. Der Täter zückt in der rechten Hand bereits das Messer. Polizei und Staatsanwaltschaft veröffentlichten den Fall „aus ermittlungstaktischen Gründen“ aber erst am Freitag. Die Polizei sucht jetzt mit dem Fahndungsfoto mit Hochdruck nach dem blutigen „Mann in Rot“.

Polizei zeigt sich „optimistisch“ (HNA)

Das Fahrzeug sei umgehend von der Polizei beschlagnahmt und im Betriebshof an der Sandershäuser Straße untersucht worden. „Videoüberwachung ist mittlerweile in vielen Bereichen alltäglich“, bestätigt auch Polizeisprecher Jürgen Wolf. „In diesen Bereichen unterstützt die Technik unsere Ermittlungen.“ Oftmals sei aber das Problem, dass die Bilder von schlechter Qualität seien, Bundes-Digitalisierung 4.0.

„Deshalb der Appell, wenn man eine Kamera installiert, dann sollte man auch darauf achten, dass die Qualität der Bilder entsprechend hoch ist“, mahnte Wolf. Im aktuellen Fall sei das Fahndungsfoto glücklicherweise von entsprechend hoher Qualität. Die Polizei ist daher optimistisch, dass es schnell Hinweise auf den Täter geben wird: “Wir haben eine Person in Verdacht. Allerdings konnte ihr Aufenthaltsort bisher noch nicht ermittelt werden“, sagte der Polizeisprecher am Sonntag.

Bei der Attacke wäre der 38 Jahre alte couragierte Fahrgast beinahe getötet worden. Mittlerweile sei der Mann außer Lebensgefahr. Er dürfte aber wohl immer noch ein subjektiv schlechtes „Bauchgefühl“ bei Seehofers offizieller „Polizei-Kriminalitäts-Statistik“ (mit einem Vorwort von Claas Relotius) haben!