Der Chor der "guten" Populisten und...

Michel, der Fernsehzuschauer

Von SELBERDENKER | Der Anteil der Fernsehzuschauer an der Bevölkerung ab 14 Jahren lag im Jahr 2018 bei 70,1 Prozent. Dabei setzen sich diese 70 Prozent der deutschen Bevölkerung im Durchschnitt täglich beinahe vier Stunden lang passiv dem TV aus. Michel schaltet ein und lässt die Glotze machen. Einbahnstraße. Glotze ist einseitig, das Programm lässt keine Diskussion zu und die Macher des Programms verfolgen eine wirtschaftliche oder politische Absicht. Zumeist sind die wirtschaftlichen und die politischen Absichten gekoppelt.

Das Programm dient nicht zuerst dem Zuschauer, es dient denen, die mit dem Programm Absichten verfolgen. Das nennt man Indoktrination. Michel setzt sich freiwillig dieser Indoktrination aus, weil sie ansprechend verpackt wurde. Die Indoktrination besteht aus verblödendem Kommerz, aus in seichter Unterhaltung gekleideter Ideologie und aus intensiver Regierungspropaganda. Dieses Gemisch konsumiert und finanziert der treue Michel seit Jahren. Wen wundert da noch Deutschlands ungebrochene Treue zur Führerin?

Der Populismus der „Guten“

Die Penetranz und die Eklatanz dieser Massenindoktrination nehmen nicht ab. Im Gegenteil! Weil die immer extremer werdende Politik ideologisch flankiert werden muss, zieht die Indoktrination noch immer weiter an. Zunehmend werden Kommerz und Unterhaltung mit politischer Propaganda vermengt. Das geschieht bewusst.

Prominente Medienschaffende, Stars, Sternchen, Profisportler, erfolgreiche Musiker und Schauspieler – möglichst alle populären Zeitgenossen werden zu Werbeschildern für die „richtige“ Gesinnung gemacht. Wer da nicht teilnehmen mag, wer sich aus Politik einfach raushalten möchte oder gar anders denkt, macht sich „verdächtig“, steht zumindest unter einem gewissem Druck – bis dann irgendwann doch in den Chor eingestimmt wird.

Was die populären Chormitglieder verbindet, ist nicht nur der hohe gesellschaftliche Status, sondern auch, dass sie alle finanziell ausgesorgt haben. Man kennt sich, man hilft sich. Die Mitgliedschaft im Chor lohnt sich also und ist zudem gesellschaftlich wesentlich bequemer.

Wer in der Regel nicht ausgesorgt hat, ist der deutsche Michel, der die ganze Show finanziert und die vollen Konsequenzen trägt. Doch das alles leistet Michel offenbar gerne. Der Populismus der „Guten“ funktioniert.

Der Einzelne braucht nicht zu denken…

Wann lief eigentlich das letzte Mal der Film „Network“ von 1976 im Fernsehen? Das Werk hat an Aktualität nie verloren, müsste heute sogar dringend neu verfilmt werden.

Ein Fernsehzuschauer schaut nur passiv aus der Ferne zu, als ginge ihn alles nichts an. Ein Fernsehzuschauer lässt denken und vertraut denen, die gerade die Macht haben.

Michel funktioniert in seinem Job und schaut sich am Feierabend die Welt durch die Brille an, die man ihm aufgesetzt hat. Das reicht wohl der Mehrheit. Wie unser Land sich verändert, sieht man jedoch nur ohne diese Brille, wenn man seine Augen im realen Leben öffnet. Was man dann sieht, könnte natürlich unangenehme Sorgen machen. Das stört das Wohlbefinden.

Doch ist das wirklich der einzige Grund, warum so wenige Deutsche ihre verzerrende bunte Brille absetzen? Der Sänger Peter Maffay zählt auch zum Chor der „guten“ Populisten. Im Ameisensong seines Tabaluga-Albums aus dem Jahr 1983 gibt es allerdings eine bemerkenswerte Passage, die in unsere Zeit passt und die eine weitere Erklärung liefern könnte: „Der Einzelne braucht nicht zu denken, wenn die Führung funktioniert. Dieses Glücksgefühl zu schenken, wird vom Staate garantiert.“