Journalistische Hassphrase

Feindbild „alte schwarze Männer“

Von C. JAHN | In der deutschen Presse wird immer öfter in abfälligem Ton über „alte schwarze Männer“ geschrieben, die angeblich für alles Böse auf der Welt verantwortlich sind. Woher kommt dieser Hass? Weil diese Menschen alt sind? Weil sie eine schwarze Haut haben? Weil sie männlich sind?

Hass, weil „alte schwarze Männer“ alt sind?

Die Geringschätzung alter Menschen, die in der journalistischen Phrase „alte schwarze Männer“ mit anklingt, überrascht zunächst. Menschen werden naturbedingt älter, damit sollte eigentlich niemand ein Problem haben. Weitgehend vergessen ist heute allerdings, dass sich in linksideologischen Gedankengebäuden – die meisten deutschen Journalisten stehen politisch links – tatsächlich Traditionen institutionalisierten Hasses auf alte Menschen finden. Der Hass auf alles „Alte“, einschließlich alter Menschen, ist insbesondere ein Charakteristikum des Maoismus, der sich nach der rotchinesichen Kulturrevolution von 1966 ab etwa 1967/68 auch in der linken Szene der westlichen Welt durchsetzte, da der Marxismus in der Sowjetunion niemanden mehr überzeugte und sich der Maoismus mit seiner Idealisierung der Jugend gerade unter jungen Menschen leicht vermarkten ließ.

Einer der Kerngedanken des Maoismus ist der Kampf „jung/neu“ gegen „alt“: nur das „Neue“ ist gut, alles „Alte“ muss zerstört werden. Diese Gedankengänge führten bereits in der chinesischen Kulturrevolution zu exzessiven Grausamkeiten der marodierenden Jugendlichen an älteren und alten Menschen, wenn auch noch unter dem Vorwand eines Kampfes gegen „alte Autoritäten“. Wenig später begann man allerdings unter Pol Pot in Kambodscha, wo der Maoismus auf die Spitze getrieben und ein noch fanatischerer „jung/neu“ gegen „alt“-Kampf exerziert wurde, alte Menschen allein aufgrund ihres Altseins systematisch zu töten. Speziell in Deutschland wird heute gern vergessen, dass mit der seinerzeitigen Begeisterung westdeutscher Studenten für den ostasiatischen Maoismus auch die damit verbundene Feindseligkeit gegenüber alten Menschen Einzug hielt in die Gedankengänge der hiesigen Intelligenzia. Diese Feindseligkeit offenbarte sich in Westdeutschland keineswegs nur in abgemildeter Form als „Trau keinem über 30“, sondern führte insbesondere in den extremistischen Randkreisen der maoistischen K-Gruppen ganz offen zu Diskussionen, ob es gerechtfertigt sei, auch in Deutschland, analog zu Pol Pots Kambodscha, alte Menschen systematisch zu töten. Zu den glühendsten Verehrern Pol Pots in Westdeutschland zählte damals übrigens – heute ebenfalls gern vergessen – der derzeit so geläutert und bieder auftretende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfrid Kretschmann.

Dieser traditionelle maoistische Hass auf alte Menschen ist mit dem späteren Aufgehen der K-Gruppen in der Partei der „Grünen“ keinesfalls verschwunden. Im Gedankengut der Grünen taucht er bis heute immer wieder auf. Er begegnet uns beispielsweise in der besonders eifrigen Verfechtung der sogenannten „Guttötung“ (im NS-Deutsch: Euthanasie) durch die Grünen und indirekt im Desinteresse dieser Partei an jeglichen Themen – von der „Guttötung“ abgesehen –, die mit dem Altsein zu tun haben: Alte Menschen tauchen im politischen Weltbild der Grünen gar nicht auf. Und er begegnet uns eben auch in der gerade in linksgrünen Kreisen beliebten Hassrede gegen „alte schwarze Männer“. Dass „alte schwarze Männer“ heute in der stark linkslastigen deutschen Presse als angeblich kollektiv böse Menschen gruppenspezifisch herausselektiert werden, fügt sich somit nahtlos in vergleichbare Denkmuster linksideologisch verwandter Geisteshaltungen ein und sollte uns, insbesondere angesichts der grausamen Vergangenheiten dieser Ideologien, äußerst wachsam stimmen.

Hass, weil „alte schwarze Männer“ schwarze Haut haben?

Kein deutscher Journalist würde von „alten braunen Männern“ schreiben, wenn er Inder meint, oder „alten gelben Männern“, wenn er Koreaner meint. Warum also nehmen sich deutsche Journalisten, wenn sie über Afrikaner schreiben, die Phrase von „alten schwarzen Männern“ heraus?

Dass es auf unserem Planeten Menschen verschiedener Hautfarben gibt, ist eine biologische Tatsache. Es kann auch durchaus sein, dass sich – aus Sicht der deutschen Journalisten und mit heutigen Maßstäben betrachtet – gerade Afrikaner nicht immer historisch vorbildlich verhalten haben, denken wir allein an die blutigen Stammeskriege untereinander, den Völkermord in Ruanda oder die immer noch weit verbreiteten Verstümmelungsrituale an Frauen. Letztlich aber haben alle Völker der Erde ihre historischen Leichen im Keller liegen. Und Menschen allein aufgrund ihrer Hautfarbe angeblich besondere Charakterzüge oder sonstige kollektive Eigenschaften zuzuschreiben, ist grundsätzlich in höchstem Maße diffamierend, diskriminierend und tatsächlich hetzerisch.

Warum also gelten für deutsche Journalisten bei Afrikanern mit ihrer schwarzen Haut nicht dieselben Maßstäbe wie für alle anderen Menschen auf der Welt? Woher kommt dieser spezielle Hass gegen schwarze Haut? Ist diese Fixierung auf rein äußerliche Merkmale wie die Hautfarbe vielleicht ein unterbewusstes geistiges Relikt aus der deutschen NS-Zeit, als ganze Akademien damit beschäftigt waren, unterschiedliche „Rassen“ zu klassifizieren und sich mit deren angeblich allgemeingültigen „Rasseneigenschaften“ zu beschäftigen? Haben sich deutsche Journalisten, die meisten von ihnen ja ebenfalls Akademiker, noch immer nicht lösen können von diesen schematischem, oberflächlichen, pseudowissenschaftlichen Denkweisen, werden in Kreisen deutscher Journalisten Menschen immer noch – oder wieder – nach „rassischen“ Merkmalen klassifiziert?

Was haben wir alle, was haben aber speziell die großen Verlagshäuser aus der NS-Zeit gelernt, wenn Journalisten in Deutschland auch heute wieder Menschen kollektiv nach ihrer Hautfarbe beurteilen, ihnen bestimmte Eigenschaften zuschreiben und angeblich allgemeingültige Attribute, speziell bei schwarzen Menschen erschreckenderweise durchweg negative Attribute? Dabei sollte es uns völlig gleichgültig sein, ob sich dieser in den Pressehäusern offenbar tolerierte Rassenhass einzelner Journalisten kollektiv gegen braune, gelbe, rote, weiße oder eben schwarze Menschen richtet. So kann man über Menschen grundsätzlich nicht sprechen und auch nicht schreiben, insbesondere nicht in Deutschland.

Hass, weil „alte schwarze Männer“ männlich sind?

Würden deutsche Journalisten regelmäßig kollektiv abwertend über „alte schwarze Frauen“ schreiben, gäbe es zu Recht einen allgemeinen Aufschrei. Dass ein solcher ausbleibt, wenn Journalisten abwertend von „alten schwarzen Männern“ sprechen, ist ein Beleg für eine Werteverschiebung im Bewusstsein der Öffentlichkeit: Eine verbale Abwertung von Männern ist heutzutage durchaus salonfähig, bei Frauen ist sie dies nicht. Ganz im Gegenteil: Nach verschiedenen #MeToo-Debatten ist die Öffentlichkeit heute stark sensibilisiert, sehr schnell würde daher bei kollektiver Abwertung von Frauen der Vorwurf des „Sexismus“ fallen – und nicht zu Unrecht. Warum bleibt dieser Vorwurf aus, wenn Journalisten eine kollektive Abwertung von Männern vornehmen?

Männer als solche sind in den klassischen linken Ideologien kein traditionelles Feindbild, sie sind es allerdings sehr wohl in der Ideologie des sogenannten „Feminismus“. Die genauen Inhalte des „Feminismus“ sind schwer bestimmbar. Es gibt eine ganze Bandbreite von Denkschulen, die neben der gemeinsamen Forderung nach „Gleichberechtigung“ letztlich die gesamte Vielschichtigkeit weiblichen Selbstverständnisses (und weiblicher Selbstfindung) widerspiegeln. Nicht alle „Feministinnen“ hassen Männer, es gibt aber durchaus radikale Strömungen innerhalb dieser Ideologie, die aus verschiedensten Gründen dazu neigen, Männer für jedes eigene private Unglück sowie pauschal für jedes Unglück der Welt verantwortlich zu machen. Das verbindende Glied zwischen diesen radikalen Kräften im „Feminismus“ und klassisch linksideologischem Gedankengut ist die gemeinsame Ablehnung der Mutterrolle: Linksideologen definieren die Frau ausschließlich als Produktivkraft, radikale „Feministinnen“ definieren Frauen vor allem als Nicht-Mutter, d.h. ebenfalls in erster Linie als tägige Kraft innerhalb der Arbeitswelt. Es ist genau dieser gemeinsame Nenner, der dem „Feminismus“ Sympathie und Einfluss in linksideologischen Kreisen und damit auch Zugang zu den Propagandakanälen der stark linkslastigen Presse verschafft.

Zusammenfassend lässt sich somit erkennen, dass die in der abwertenden journalistischen Phrase von „alten schwarzen Männern“ zum Ausdruck kommende Geringschätzung sowohl von alten Menschen als auch Männern linksideologisch durchaus erklärbar ist: Alte Menschen bilden ein traditionelles Feindbild im Maoismus, Männer allgemein sind ein politisches und sicher auch persönliches Hassobjekt in besonders radikalen Strömungen des sogenannten „Feminismus“. Beide Ideologien stehen sich durch geistige Schnittmengen politisch nahe, es verwundert daher nicht, dass auch die Feindobjekte beider Ideologien begrifflich verschmelzen. Unklar allerdings bleibt der in der Phrase „alte schwarze Männer“ offenkundige Hass auf Menschen mit speziell schwarzer Hautfarbe. Rassenhass zählt nicht zu den traditionell linken Werten: der Marxismus lehnt ihn ausdrücklich ab, im Maoismus mit seiner Selbstaggression spielen internationalistische Themen ohnehin keine Rolle. Rassenhass im engeren Sinn – also tatsächlich auf die „Rasse“ und Hautfarbe von Menschen bezogen – kennen wir nur aus dem Faschismus. Da die abwertende Bezugnahme auf die Hautfarbe bestimmter Menschen somit nicht aus eigenen linken Traditionen erklärt werden kann, steht die Frage im Raum: Bildet die journalistische Hassphrase von „alten schwarzen Männern“ einen historisch erstmaligen Bruch mit der eigenen linksideologischen Gedankenwelt – und zugleich einen sprachlichen Brückenschlag von Seiten des deutschen Journalismus, einem bisher verlässlich linksideologisch verankerten Milieu, in Richtung der Geisteswelt des Faschismus?