Diesmal Süddeutsche Zeitung betroffen

Relotius Reloaded: Wer ist der neue Lügen-Reporter?

Von DAISY | Und wieder ein Fall von Relotius im medialen Juste milieu: Erneut eine Fake-Story mit getürkten Informationen, gerade noch verhindert. Wie früher, eine preisgekrönte Edelfeder als Schreibtäter. Ein weiteres Mal sind führende „Qualitätsmedien“ betroffen. Aber die cleveren Verlage haben im Krisenhandling dazugelernt. Der Name des Lügen-Reporters ist (noch) top secret, Berichterstattung in eigener Sache offenbar bislang Fehlanzeige.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Diesmal wird nicht proaktiv gehandelt, wie noch beim SPIEGEL, als man sich selbst enttarnte und Asche aufs  Haupt streute – dieses Mal lassen sich die betroffenen Zeitungsredaktionen von dritter Seite die Fake-Korinthen aus der Nase ziehen. Im vorliegenden Fall vom Medienportal Meedia, das bisher zur Handelsblatt-Gruppe gehörte und am 1. Februar 2019 von Busch Entertainment Media übernommen wurde.  Das schafft erst mal Abstand und Luft, und man steht nicht unmittelbar im Sperrfeuer der Kritik.

Dem erstaunlich gut unterrichteten Meedia zufolge hat sich das Magazin der Süddeutschen Zeitung von einem preisgekröntem freien Autor getrennt, nachdem dieser beim Faken erwischt worden sei. Er habe in einer Geschichte eine „Protagonistin“ frei erfunden. Das soll aber noch vor dem Skandal um SPIEGEL-Relotius erfolgt sein. Der Fake-Reporter ist geständig, heißt es.

Zum Krisenmanagement der Verlage in schwerer Vertrauenskrise gehört die Versicherung, dass jetzt alles Menschenmögliche unternommen werde, weitere etwaige Fake News aufzudecken und Schlimmeres zu verhüten. Die Stunde der „Checker“ hat bei den betroffenen Verlagen geschlagen.

Das gilt auch für SPIEGEL und ZEIT, die ebenfalls vom SZ-Relotius beliefert und von der Süddeutschen informiert wurden. Beim SPIEGEL  stehen 43 Veröffentlichungen zum Checken bereit, bei der ZEIT will man wohl den Bock zum Gärtner machen. Dort heißt es laut Meedia: „Wir prüfen intensiv alle Texte des freien Mitarbeiters. Dies geschieht unter Mithilfe des Autors, der uns seine Rechercheunterlagen zur Verfügung gestellt hat. Die Prüfung hält noch an.“

Was dabei rauskommt, steht natürlich in den Sternen. Einige der „Homestorys“ des SPIEGEL sind von außen nicht überprüfbar, bei der ZEIT gibt es ähnliche Probleme. Was bisher bekannt ist, gebe keinen Anlass zu Verdächtigungen. Und erst am Ende werde Bilanz gezogen. Das kann dauern.

Überhaupt können die SZ-Leser wohl dankbar sein, dass sie vor Lug und Betrug bewahrt wurden. Denn schließlich hat die Süddeutsche ihren Relotius gerade noch rechtzeitig entlarvt.  Eine Verlagssprecherin: “Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat eine für den Druck vorgesehene Geschichte eines freien Journalisten nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation des Magazins feststellen mussten, dass eine die Geschichte tragende Person nicht existiert.” Und: “Die Geschichte mit der erfundenen Protagonistin ist nicht erschienen, unsere Verfahren zur Prüfung von journalistischen Texten haben funktioniert.“

Das liest sich, als wenn der Süddeutschen nun eine journalistischer Ehrenmedaille für Verhinderung von Falschnachrichten verliehen werden müsste. Viel interessanter als die durchscheinenden Versuche der Verlage und Redaktionen, sich auf lau aus der Affäre zu ziehen, wäre die Aufdeckung des Sünder-Namens.

Aber auch hierfür hat Meedia eine Erklärung: Da der Betroffene in der Sache bislang nicht angehört werden konnte, habe MEEDIA sich gegen eine Veröffentlichung des Namens entschieden. Mit Verlaub: Es gehört zur Pflicht der betroffenen Verlage und Redaktionen, den Namen des enttarnten, preisgekrönten und geständigen Fake-Reporters öffentlich zu machen, damit die Leser die Veröffentlichungen nachvollziehen können. Das ist im Fall Claas Relotius auch erfolgt.