„Kommunale Solidarität“ - Klaus Roth sieht schwarz …

Umvolkung in Stuttgart: Rentner raus – Fluchtsuchende rein

Von MAX THOMA | Diese Nachricht aus dem UN-Relocation-Gebiet Baden-Württemberg sorgt in Neckartailfingen bei Stuttgart für ungläubiges Staunen: Einem 74-Jährigen wurde von den dortigen Behörden der Mietvertrag nach 24 Jahren gekündigt. Der Grund: In der Wohnung sollen nun sechs frische Genbereicherer Deutschlands untergebracht werden. Der humanitäre Verwaltungsakt aus dem grün-schwarz regierten Baden-Württemberg könnte reichlich Feinstaub im Ländle aufwirbeln.

Seit 24 Jahren wohnt der Grafiker Klaus Roth in Neckartailfingen in einem idyllischen Fachwerkhaus, das der Gemeinde gehört. Nun wurde ihm der Mietvertrag gekündigt, weil der Gemeinderat entschied, dass ausgerechnet diese Wohnung „zur Unterbringung von Geflüchteten“ dringendst herangezogen wird. Wegen „Erfüllung öffentlich-rechtlicher Aufgaben“ steht in der schriftlichen Kündigung per Einschreiben als Rauswurf-Begründung.

Der Fluch der Geflüchteten – Renitente Rentner raus

Der schon-länger-hier-zahlende Senior bewohnt sein stilvolles Refugium nun gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin seit einem Viertel Jahrhundert. 1995 ist Roth in die 149 m²-Wohnung im Alten Schulhaus gezogen. Damals war er noch verheiratet, die drei Kinder gingen dort zur Schule. 500 Euro Miete bezahlt er aktuell. Nicht viel, aber dem Standard in dem älteren Fachwerkhaus angepasst. In dem 3.800 Einwohner zählenden Dorf hat der Rentner drei Kinder groß gezogen – im Dienst des Krankenpflegevereins ist Roth ehrenamtlich als Fahrer tätig und betreut liebevoll ältere Senioren. Früher engagierte sich der Familienvater als Elternbeiratsvorsitzender.

Der ehemalige Grafiker hat auch Ende der 1970er-Jahre in Eigeninitiative bunte Warnschilder mit der Aufschrift „Autofahrer: Fuß vom Gas“ entworfen und aufgestellt, nachdem zwei Kinder in Neckartailfingen angefahren und dabei tödlich verletzt worden waren. Der unfreiwillige Namensvetter von Claudia Fatima Roth kandidierte auch schon für den Gemeinderat und ist regelmäßig Gast bei den Sitzungen des Gremiums. Als der engagierte Senior dort unlängst seinen Namen hörte, bekam er allerdings panische Zustände.

„Ich habe in meine Wohnung viel Geld und Arbeit reingesteckt. Ich habe sie in Eigenleistung von Grund auf renoviert“, empört sich der 74-Jährige gegenüber der „Nürtinger Zeitung“. Nach zwei Bandscheibenoperationen traut er sich den Umzug zudem nicht mehr zu. Außerdem hängt er verständlicherweise an seinen vier Wänden – einen alten Baum pflanzt man bekanntlich nicht mehr um und einen verdienten Senior sollte man nicht mehr umvolken, bzw. UN-deutsch: re-locaten!

Bürgermeister Gertitschke grätscht ein: „Wir müssen weitere Flüchtlinge aufnehmen“

„Wir sind unter Druck und müssen weitere Flüchtlinge aufnehmen. Es gibt keine Möglichkeit mehr zu sagen, dass wir sie nicht unterbringen“, erklärt Bürgermeister Gerhard Gertitschke. In der gemütlichen Wohnung des 74-Jährigen habe man so genügend Platz für die neuen „Schutzsuchenden“. Die Entscheidung, die Wohnung für die Asylanten-Unterbringung zur Verfügung zu stellen, wurde vom Gemeinderat gefällt. Zudem sei dem Rentner sogar unbürokratische „Hilfe beim Umzug durch Mitarbeiter des Bauhofs“ angeboten worden.

Der Landkreis Esslingen hat der Gemeinde Neckartailfingen sechs weitere kulturanreichernde „Flüchtlinge“ aus der Dritten Welt zugewiesen. Derzeit leben in dem Ort bereits 55 „Asylbewerber“, verteilt auf drei Standorte, wie Bürgermeister Gertitschke schuldstolz ausführte. Dafür sollen Roth und seine Partnerin in eine halb so große Wohnung umziehen – zum selben Brutto-Mietzins, denn die schwäbischen Behörden sind kaufmännische „Kepsele“.

„Kommunale Solidarität“ – Die Umvolkung frisst ihre Kinder

Als 2015 hunderttausende „Asylsuchende“ nach Deutschland strömten, war der hilfsbereite Rentner Roth sofort im Arbeitskreis Asyl aktiv. Ein Sprecher des Landratsamtes wollte die Entscheidung des Gemeinderates nicht näher kommentieren. Auch könne von Seiten des Landratsamtes nicht beurteilt werden, ob der Fall des Rentners einen Härtefall darstelle: „Die gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen in die Anschlußunterbringung“ ist eine rechtliche Vorgabe. Zudem gebiete es „die kommunale Solidarität, dass die Zuweisungen entsprechend der Einwohnerzahlen erfolgt“. Im Landkreis Esslingen seien derzeit erst rund 1.430 Asylbewerber untergebracht, mit viel Luft nach oben.

Seit der grundgesetzwidrigen Flüchtlingsinvasion 2015 dringen immer mehr Fälle von Zwangskündigungen von Mietern wegen Asylbewerbern in die Öffentlichkeit. Bereits Ende September 2015 kündigte die Gemeinde Eschbach im Breisgau einer Mieterin nach 23 Jahren die Wohnung, um dort Einwanderer unterzubringen. Auch das submissive Schariaamtsgericht Göttingen urteilte, eine Gemeinde könne einem Mieter die Wohnung für die Unterbringung von Flüchtlingen unverzüglich kündigen, wenn andere Möglichkeiten dafür ausgeschöpft seien. Das Interesse der Gemeinde an der Unterbringung von Flüchtlingen überwiege selbstverständlich in einem solchen Fall.

Böden reingelegt – Rentner reingelegt

Klaus Roth: „Ich habe hier Böden reingelegt, das Bad gefliest, alles neu gemacht.“ Auch den Garten hat er bepflanzt und einen kleinen Pavillon, in dem er Fußball gucken kann, eingerichtet. Wenn Freunde kommen, gibt‘s Western-Steaks vom selbstgebauten Grill. Ein Idyll, das er jetzt hergeben soll. Der Per-Verwaltungsakt-Vertriebene: „Ich habe hier meine Kinder großgezogen, mit ihnen gelacht. Geweint, als meine Ehe zerbrach. Und mit meiner Partnerin ein neues Leben aufgebaut. Mein Herz hängt hier.“ Bürgermeister Gerhard Gertischtke, 53 dazu: „Wir sind verpflichtet, die Flüchtlinge aufzunehmen. 55 Flüchtlinge leben bereits bei uns. Wir haben lange darüber diskutiert und dann im Gemeinderat diese Lösung beschlossen“.

Als „adäquaten Ersatz“ wurde Klaus Roth großzügig von den Behörden eine andere, kleinere Wohnung zum gleichen Mietpreis angeboten. Auch in einem Fachwerkhaus und ebenfalls mit kleinem Garten. Es stellt sich jedoch die berechtigte Frage, warum dieses leerstehende Gemeinde-Idyll für die neuen Herren in Neckartailfingen nicht gut genug ist!?