Erwartungen an eine bürgerliche Zeitung

Verscheuchte Fische beißen nicht an

Von WOLFGANG PRABEL | Ab und an versucht die WELT mir ein Luxusabo mit noch mehr Fakenews aufzuschwatzen. Alle zwei Wochen erhalte ich auch eine Email vom Chefredakteur persönlich mit Lesetipps. Es ist typisch hirnloses Marketing völlig am Kunden vorbei. Die Kommentarabteilung hatte mich schon in der grauen Vorzeit gesperrt und die Werbeabteilung weiß das nicht. Künstliche Intelligenz wahrscheinlich.

Heute schreibe ich mal auf, was ich von der WELT erwarten würde, um mehr Geld zu bezahlen. Wurschtegal ob das Poschardt liest oder auch nicht.

Derzeit steht die Außenpolitikberichterstattung unter der Gebetslitanei: „Unser täglich Trumpbashing gib uns heute“. Und in Polen, Italien und Ungarn ist alles nazi. Das ist für einen normal intelligenten Leser zu krass. Mindestens die Hälfte der Außenpolitikredaktion sollte zur Reinigung der Welttoiletten abgestellt werden. Muss ja nicht gleich mit der Zahnbürste sein. Einen außenpolitischen Teil wünsche ich mir, der öfter darauf verzichtet, aus anderen Medien abzuschreiben. Und wenn doch: Man kann auch mal eine Nachricht nachrecherchieren oder überprüfen, wenn man sie schon aus Kostengründen übernimmt.

Das Rumgeeiere bei der Kriminalitätsberichterstattung muss eingestellt werden. „Mann“ schubst „Frau“ ins Gleisbett ist keine Nachricht, sondern ein Rätsel. Antisemitismus ist auch so ein weißer Fleck. Jeder weiß, wer dafür verantwortlich ist, von der Redaktion wird unerträglich dumm getan. Ein Hakenkreuz an die blaue Türe einer feindlichen Partei geschmiert ist natürlich rechtsradikale Kriminalität. Gehts noch? Der Name Lügenpresse wird jeden Tag ehrlich verdient. Da rackert das halbe Haus.

Die Wirtschaftsredaktion müsste sich knallhart zur Marktwirtschaft bekennen und die Planwirtschaft der Merkelclique insbesondere in der Energiewirtschaft und in der Fahrzeugbranche aufs Korn nehmen. Die Zeitung müsste für Vertragsfreiheit eintreten, denn diese ist fundamentale Voraussetzung der bürgerlichen Gesellschaft.

Die Weltredaktion sollte sich zur Informationsfreiheit bekennen, die Zensur, PC, Berufsverbote, Sperrungen, Uploadfilter, Stasi und Maasi bekämpfen. Eine Verteidigung des allgemeinen Wahlrechts würde ich auch noch erwarten. Als Sahnehäubchen oben drauf.

Über NGOs würde ein professioneller Journalist nur berichten, wenn sie tatsächlich regierungsunabhängig sind und nicht von irgendwelchen Stiftungen, ausländischen Firmen und Ministerien durchfinanziert werden. Alles andere ist Etikettenschwindel, weil es Regierungs- oder Lobbyorganisationen sind.

Im Kulturteil würde ich von einer bürgerlichen Zeitung erwarten, daß sie sich von Rauschgift, perversen Sextechniken und Dekadenz stärker abgrenzt. Die Redakteure können sich von mir aus gegenseitig anpinkeln, das muss aber Privatsache bleiben. Man muss die Welt nicht unbedingt durch die Klobrille des Berghain sehen, wie der Chefredakteur.

Das Markenprodukt WELT wurde von Axel Springer mühsam aufgebaut und ist fix ruinert worden. Die Zeitung war solange gut, wie sie vom „Neuen Deutschland“ und von der „Jungen Welt“ fast täglich als faschistisch und revanchistisch angefeindet wurde. Das gehörte einst zum guten Ruf, zur Reputation. Das wäre auch heutzutage das Qualitätssiegel.

Für Fakenews darf man nicht mehr als 4,49 € monatlich erwarten. Die Einträge vom Herausgeber Aust sind ihr Geld übrigens wert. Aber was die Schreiberei von den Kollegen betrifft, da ist er als Macher der Leitlinie des Blatts oft viel zu nachlässig. Oder nachgiebig?


(Im Original erschienen auf prabelsblog.de)