In Deutschland wächst wieder mal eine betrogene Generation heran

Die armen Kinder von Angela Merkel

Von WOLFGANG HÜBNER | Unweit des Hauses, in dem wir wohnen, komme ich fast täglich an einer Reklamesäule vorbei mit einem Plakat, das mich immer wieder und immer stärker anrührt. Auf dem Plakat ist ein vielleicht achtjähriges afrikanisches Mädchen zu sehen mit der Aussage: „Ich träume, in die Schule gehen zu können“. Das erinnert mich an eine Reise ins tiefe Afrika vor etlichen Jahren, bei der ich recht irritiert den großen Stolz registrierte, mit dem junge Menschen in Tansania ihre Schuluniform trugen.

Hierzulande ist das ganz anders. In Deutschland sind Schuluniformen verpönt, allein der Gedanke daran ist für viele schon „Nazi“. Und Kinder, die davon träumen, in die Schule zu gehen, sind im Gegensatz zu Afrika sicher nur eine kleine Minderheit. Vielmehr ist es zwischen Flensburg und Konstanz gerade große Mode, die Schule zu meiden. Und zwar jeweils am Freitag, der demnächst sicher in „Greta-Tag“ umbenannt wird. Denn am Freitag ziehen ganze Scharen von Gymnasiasten beiderlei Geschlechts, also die Hauptschüler unserer bunten Republik, von der Schule auf die Straße zu Demonstrationen des Klimas wegen.

Das Klima soll so nämlich gerettet werden, wie auch immer. Nun gibt es selbst im Deutschland der Klimakanzlerin noch Menschen, die diesen Protest der Sophie-Emilias und Elias-Julians nicht nur sinn- und folgenlos, sondern auch völlig unglaubwürdig finden, weil kaum ein klimabewegter Schulschwänzer ernsthaft daran denkt, keine Fernreisen mehr im Flugzeug zu machen oder gar klimaneutral zu leben, also ohne die vielen Annehmlichkeiten der modernen Technik und auch ohne Hamburger-Fast Food.

Doch kann man es auch ganz anders betrachten. Denn diese demonstrierenden Kinder der Merkel-Ära sind tatsächlich höchst bemitleidenswert: Ihnen wird nämlich nicht der geringste Widerstand entgegengesetzt. Vielmehr werden sie unaufhörlich gelobt, hofiert und bejubelt! Ihre Eltern sind stolz auf das politisch korrekte Aufbegehren der Luxuskids; die Lehrer freuen sich über ein längeres Wochenende oder demonstrieren gar mit; die Schulbehörden schauen tunlichst weg oder zeigen Verständnis; die Medien berichten begeistert darüber; die Politiker, allen voran die Klimakanzlerin, sind ganz besonders angetan von all den um ihre Zukunft in besserer Luft so besorgten jungen Menschen.

Wohl noch nie in der Nachkriegsgeschichte wurden „Streiks“ so geradezu euphorisch positiv begleitet wie die „Fridays for Future“ genannten Aktionen dieser Schüler, unter denen übrigens auffallend selten Gesichter mit zu vermutendem Migrationshintergrund zu erkennen sind. Es sind offensichtlich urdeutsche Jugenddemonstrationen, die da durch die Straßen von Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart ziehen bzw. „hüpfen“. Huldvoll werden sie eskortiert von Polizeifahrzeugen, in denen kein Beamter den Helm straffzieht oder einen Knüppel bereithält.

Wie anders, denke ich mir da, war das doch zu meiner Jugendzeit in den wilden späten 60ern des vergangenen Jahrhunderts: Damals gab es für eigenmächtiges Schulschwänzen, egal ob aus persönlichen oder politischen Motiven, selbstverständlich Einträge ins Klassenbuch oder gar Schulverweise; die informierten Eltern reagierten mit Vorwürfen, Hausarrest oder Taschengeldentzug; in den Medien wurde über die renitente Jugend geschimpft; die Politiker fürchteten um die Zukunft des Abendlandes – und die Polizei schlug kräftig zu.

Kurzum: Wer damals den Protest wagte, war konfrontiert und umgeben von Widerstand. Doch jungen Menschen kann nichts Besseres passieren als das. Denn erst im Widerstand, mag der auch unsinnig sein, vermögen sich Charaktere entwickeln. Nicht immer zum Guten, aber das ist halt so. Doch wo sollen sich Charaktere entwickeln, wo und wenn es überhaupt keinen Widerstand, sondern nur noch erstickende Zustimmung, freundliche Förderung, tiefstes Verständnis für aufbegehrende Jugendliche gibt?

Deshalb, so meine ich, sind diese Kinder der kinderlosen Angela Merkel zutiefst zu bedauern. Denn sie werden um das Wichtigste gebracht, was ein junger Mensch bei seiner Entwicklung zum Erwachsenen braucht: Widerstand und Schwierigkeiten. In Deutschland, das ist mein trauriges Fazit, wächst schon wieder mal eine betrogene Generation heran. Allerdings die am besten betreute und verhätschelte aller Zeiten. Und gerade deshalb rührt mich das Plakat mit der kleinen Afrikanerin immer stärker an, Tag für Tag mehr.


Wolfgang Hübner.
Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.