Spektakuläre Kaperung von Tanker durch Migranten

„Seenot-Piraten“ laufen in Valetta/Malta ein

Von PLUTO | Die Geschichte der „Seenotrettung“ im Mittelmeer ist um ein weiteres düsteres Kapitel reicher. Vor Libyen kaperten 108 Migranten den Tanker ElHiblu 1, nachdem er sie aus Seenot gerettet hatte und erzwangen die Fahrt nach Malta. Unterwegs enterte maltesisches Militär das Schiff und übernahm die Kontrolle. Die unter der Flagge von Palau/Pazifik fahrende ElHiblu 1 liegt seit Donnerstag früh in Valetta/Malta.

Italiens Innenminister Salvini nannte die Migranten „Piraten“. „Arme Schiffbrüchige, die ein Handelsschiff kapern, das sie gerettet hat, weil sie die Route der Fahrt festlegen wollen“, fügte er sarkastisch hinzu. Spiegel Online spricht dagegen gewohnt euphemistisch von „Schiffbrüchigen“, die den Tanker „Richtung Europa umgeleitet“ hätten, nachdem er sie am Dienstagabend vor Libyen aufgenommen hätte.

Auf Schiffsfinder-Apps war zu verfolgen, dass die ElHiblu 1 zunächst Richtung Tripolis dampfte und dann plötzlich nach Norden Richtung Italien abdrehte. Der Nachrichtendienst von „MarineTraffic“ gab am Donnerstag folgende Erklärung:

„Der Bunkertanker El Hiblu 1 wurde vor Libyen von einer Gruppe von Migranten entführt und wird nach Malta geleitet, berichtet die Tageszeitung MaltaToday. Der 2010 gebaute Tanker hat Berichten zufolge eine Gruppe von über 100 Migranten gerettet, die nun die Kontrolle über das Schiff übernommen haben. Ein Sprecher der Streitkräfte erklärte MaltaToday, die Versuche, den Schiffskapitän zu kontaktieren, seien erfolglos geblieben und hätten bestätigt, dass das Schiff nach Malta unterwegs sei.“

Wie immer werden Vorfälle wie jetzt die spektakuläre Kaperung der ElHiblu 1 von den privaten „Seenotschlepper“-Organisationen und ihren Helfershelfern  genutzt, um sich und ihr umstrittenes  pseudo-humanitäres Tun in Erinnerung zu bringen. So geriet der aktuelle Stopp der EU für den Marineeinsatz „Sophia“ im Mittelmeer wie zu erwarten in scharfe Kritik der NGO´s. Nachweisbar ist jedoch, dass durch die Blockierung der privaten „Seenot“-Shuttles die Zahl der Migranten drastisch zurückgegangen ist. Während 2017 noch 119.369 Migranten in Italien ankamen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 23.370, in diesem Jahr waren bisher nur 398. Damit sanken auch die Zahlen der ertrunkenen und vermissten Personen erheblich. Aber selbst dieser nachweisbare Wegfall des „Pull-Faktors“ wird von den NGOs bestritten.