Sakkaros: "Grüne sind nicht mein Feindbild!"

Stuttgart: Großer Video- und Fotobericht von den Dieseldemos

In der schwäbischen Metropole Stuttgart gab es am vergangenen Wochenende wieder eine Fortsetzung des Protestes gegen die Fahrverbote und ein „Ja“ für den Dieselmotor. Während sich die Demonstranten auf der AfD- und der Sakkarosdemo optisch wie inhaltlich weitgehend gleichen, treten die inhaltlichen Differenzen zwischen dem IG-Metaller Ioannis Sakkaros und den Demonstranten immer offener zu Tage.

AfD-Dieseldemo

Der Demomarathon startete um 12.30 Uhr mit der AfD-Demo auf der „Grünen Brücke“ unweit der umstrittenen Messstation Neckartor. Mitglieder der alternativen Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ waren am Schriftzug auf ihren „Gelbwesten“ und Jacken erkennbar.

Am Ende standen ca. 70 Demonstranten auf der „Grünen Brücke“ und bekamen engagierte Redner zu hören.

Den  Anfang machte der IT-Projektleiter Kai Goller, Gemeinderatskandidat der AfD für Stuttgart. Er steht auf Listenplatz 5 für die anstehenden Kommunalwahlen.

Als Überraschungsgast sprach der in Stuttgart-Möhringen praktizierende Hausarzt Dr. Wilfried Geissler. Er nahm zu den angeblich tausenden Feinstaubtoten Stellung. Geissler berichtete, dass er in seiner langjährigen Tätigkeit als Arzt keinen einzigen Feinstaubkranken behandeln musste und auch keinen „Feinstaubtoten“ unter seinen Patienten zu beklagen hatte.

Als dritter Redner sprach Dr. Burkhard Korneffel (AfD). Er sitzt für die AfD in der Regionalversammlung Stuttgart und ist Mitglied des Verkehrsausschusses. Dr. Korneffel zeigte auf, dass einzelnen Grünen autofreie Städte vorschweben. Er zog geschichtliche Vergleiche zu der gegenwärtigen Ideologisierung der Gesellschaft, was die Stuttgarter Zeitung mit dem Titel „AfD-Mann nennt Fahrverbote Nazimethoden“ dankend aufnahm.

Oliver Hilburger, Vorsitzender der alternativen Gewerkschaft Zentrum Automobil, sprach gewohnt souverän zum Thema. Er nahm zu Anfang seiner Rede Bezug zum nach wie vor anhaltenden Redeverbot auf der sich anschließenden Sakkarosdemo. Trotzdem beteiligt sich die alternative Gewerkschaft an beiden Demonstrationen des Tages, um überall Gesicht für die Interessen ihrer Mitglieder zu zeigen. „Fahrverbote sind ein Eingriff in die individuelle Freiheit und eine Enteignung“, so Hilburger. Den Grenzwert von 40 Mikrogramm nannte er einen „ideologischen Grenzwert“.

Zum Abschluss sprach der Landtagsabgeordnete Hans Peter Stauch (AfD). Er berichtete über seine Arbeit im Landtag und sein Engagement für den Diesel und gegen die Fahrverbote als Parlamentarier. Er bedauerte, dass sich nicht mehr Bürger der Kundgebung angeschlossen haben. Stauch sprach sich für die Sicherung der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie aus. Die Behauptung, dass das Elektromobil „emissionsfreies Fahren“ bedeute, entlarvte er als Lüge.

Sakkarosdemo: Kundgebung und Demozug

Der jetzt schon achten in Folge von dem IG-Metaller Ioannis Sakkaros angeführten Demonstration für den Diesel und gegen die Fahrverbote schlossen sich über 1000 Menschen an. Beginn war 15 Uhr in der Heilmannstraße unweit des Neckartores.

Die hier ebenfalls in gelben Westen gekommenen Teilnehmer präsentieren damit auch die größte in Deutschland stattfindende Gelbwestendemo. Gestartet wurde nach der Eröffnung durch Sakkaros mit zwei Rednern. Der erste Redner ist ein direkt vom Fahrverbot Betroffener. Was das für ihn und seine Familie konkret bedeutet, führte er anschaulich aus. Sakkaros informierte die Menge über den Plan, mit einer eigenen Liste bei der anstehenden Gemeinderatswahl antreten zu wollen. Kurz darauf waren in Interviews dazu aber schon wieder andere Töne zu hören. Eine Videozusammenfassung der Reden in der Heilmannstraße im nachfolgenden Video:

Anschließend ging es in einem langen Demozug durch die Stadt. Zahlreiche Banner und Plakate zeigten die Entschlossenheit der Teilnehmer:

Dabei wurde für die Demonstranten die Hauptverkehrsachse der Landeshauptstadt gesperrt und in Sichtweite das grüne Machtzentrum – der Landtag – inmitten  der Landeshauptstadt passiert. Wie sehr die Verkehrs-Infrastruktur durch die grünen Machthaber mittlerweile vernachlässigt wurde, zeigen der bröckelnde Beton und rostende Geländer an den Unterführungen:

Vorbei am Neuen Schloss war bald der Endpunkt und Beginn von Teil zwei der Kundgebungsreden in Sicht. Der Schlossplatz  mit der Haupteinkaufsmeile Königstraße bot zudem die Möglichkeit, viele Passanten zu erreichen. Hier die Demonstranten beim Überqueren der B27.

Die Grünen werden von den Demonstranten als Hauptverursacher der Fahrverbote ausgemacht. Das war durch andauernde „Grüne weg“-Rufe nicht zu überhören. Aber auch Rufe in Richtung des grünen Landesvaters hatten eine eindeutige Botschaft:  „Kretschmann weg!“. Hier eine Zusammenfassung des Protestmarsches durch die Schwabenmetropole:

Gegen Ende des Demozuges zeigte Sakkaros Nerven und bezichtigte die Kundgebungsteilnehmer der Hetze, weil diese fortwährend „Grüne weg“ skandierten. Sakkaros: „Wenn ihr so weiter hetzt, bekommt das den Geschmack einer AfD-Kundgebung!“. Die Antwort der Menge, die sich nicht manipulieren ließ, war: „Grüne weg!“. Ein an Deutlichkeit nicht zu überbietendes Banner zum Thema Grüne in der ersten Reihe:

Sakkaros versuchte, die Wut auf die Grünen auf die Wählervereinigung der SÖS im Gemeinderat von Stuttgart zu lenken, indem er deren Forderungen von 50 Prozent Reduktion des Straßenverkehrs erwähnte. Ein Ablenkungsmanöver, ist diese Stuttgarter Splitterpartei für jegliche Gesetzgebungsverfahren und gleich welche Entscheidungsprozesse, total irrelevant.

Die Reden am Schlossplatz

Der erste Redner kritisiere, dass sich die CDU jüngst dem Antrag der AfD im Landtag nicht anschloss, für Fahrverbote zu stimmen. Und das, obwohl sich die CDU zuvor in einem parteiinternen Beschluss gegen die Fahrverbote ausgesprochen hatte. Er monierte auch, bezüglich der juristischen Auseinandersetzungen um die Fahrverbote, dass „Recht haben und Recht bekommen in diesem Land zwei Paar Stiefel sind!“.  Auch stellte der Redner fest, dass man es sich leisten können muss, „Recht zu bekommen“. Er warb in diesem Zusammenhang auch um Spenden für einen juristischen Kampf gegen die Fahrverbote. Er rief dazu auf, sich aktiv am Widerstand zu beteiligen.

Der nächste Redner arbeitete sich an dem Grenzwert von 40 Mikrogramm ab und legte ausführlich dar, warum er die Messungen generell anzweifelt. Ein Messtechniker für Fahrzeugtechnik ergriff das Wort und erklärte anhand anschaulicher Beispiele die Messungenauigkeit der Geräte an der Luftmessstation am Neckartor. „Wir werden hier enteignet mit Vermutungen“, so der Redner in seinem Schlussplädoyer. Anschließend sprach ein Anwohner des Neckartores und betrieb Medienschelte. Diese hätten nicht genug recherchiert, was die Gründe für den Feinstaub sind. Auch ginge es nicht um gute Luft, sondern eigentlich nur darum, das Auto aus Stuttgart heraus zu bekommen. „Die Welt lacht sich um das ideologisierte Deutschland kaputt“, so der Redner.

Es fiel auf, dass die Redner viel Richtiges sagten und unisono mit juristischen Klagen in Richtung der verantwortlichen Stellen drohten. Selten der Ruf, dass „Köpfe rollen“ sollten. So lässt sich eine grüne Landesregierung den Protest natürlich gerne gefallen. Sollte es juristisch tatsächlich einmal eng für die Regierenden werden, können die Grünen zusammen mit der Wendehalspartei CDU die Gesetze einfach abändern, so das sie ihr Ding auf alle Fälle weiter durchziehen können.

Die meisten protestierenden Bürger auf der Straße haben die Sache hingegen schon vollumfänglich durchschaut. Da ruft keiner nach juristisch aussichtslosen Scharmützeln mit den Gesetzgebern. Hier wird der Wunsch nach einem Wechsel an der Spitze ganz unmissverständlich skandiert: „Grüne weg!“, „Kretschmann weg!“, „Kuhn weg!“ und „Lügenpack“, waren auch dieses Mal wieder ganz klar hörbar Volkes Wille. Dem gilt es Rechnung zu tragen und mit „Hetze“, wie Sakkaros behauptet, hat diese Willensbekundung noch nie etwas zu tun gehabt. Sakkaros betonte in seiner Schlussrede zudem, dass die Grünen „nicht mein Feindbild“ sind. Ein Störer stellte sich dann noch unter die Bühne. Er kritisierte Sakkaros lautstark und gestikulierend.

Ob dieser Störer generell gegen die Dieseldemo oder gegen die grünenfreundliche Haltung Sakkaros protestierte, ist anhand der Videoaufnahmen leider nicht auszumachen. Im folgenden Video die Reden am Schlossplatz:

Zum Abschluss noch eine Sammlung kreativ gestalteter „Gelbwesten“: