Ein Stimmungsbild aus Kroatien

An der Außengrenze

Von CHEVROLET (z. Zt. Zagreb/Kroatien) | Es ist ein frühlingshafter Sonntag in Zagreb, der Hauptstadt von Kroatien. In der Ferne sieht man noch etwas Schnee auf den Bergen, aber in der Stadt ist längst der Frühling eingekehrt. Lange Autoschlangen auf der Einbahnstraße rund um den Jarun-See im Westen der Stadt, auf dem Wasser Stand-up-Paddler, Ruderer, ein Mann versucht sich als Windsurfer, Inline-Skater, Fahrradfahrer, Jogger, und gefüllte Cafés und Restaurants, den ganzen Tag über fröhliche lockere Menschen.

Nur eben, bunt es ist es hier überhaupt nicht. Keine Kopftücher in Sicht! Wo sind sie, die schwarzen, braunen und diversen Leute? Hier jedenfalls nicht. Auch nicht an den Grillplätzen auf der anderen Seite des Jarun-Sees, der für die Hauptstädter ein beliebter Naherholungsort ist: Es wird gegrillt, es geht aufgeräumt zu, und abends bleibt kein Müll übrig. Da kommen einen unwillkürlich Bilder von deutschen Parks in den Sinn, wo die „bunten“ Mitbürger gerne in Horden grillen. Entsprechend sieht es danach dort aus.

Zagreb, das früher einmal Agram hieß, ist eine schöne, freundliche Stadt. Nette Menschen, fast alle sprechen Englisch, viele Deutsch, und freuen sich, das beweisen zu können. Alles wirkt aufgeräumt, gut organisiert, man merkt, dass es Kroatien, dem jüngsten EU-Mitglied, wirtschaftlich ganz gut geht.

Slowenien, dem nördlichen Nachbarn geht es besser, aber kein Vergleich mit allem, was nach Kroatien auf dem Balkan kommt. Während die großenteils katholischen Kroaten stolz auf ihr Volk und ihr Land und die Geschichte sind, sind sie bei den übrigen Europäern, soweit sie auf dem amtlich angeordneten „Islam-herzlich-willkommen“-Kurs sind, nicht so gut angesehen. Schon bei der Fußball-WM oder bei Basketball-Länderspielen hagelte es Kritik. Das Team bestünde ja nur aus Weißen! Kein einziger Schwarzer, Moslem oder sonst wer – Skandal!

Und auch, dass die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic ihrem Jubel und Nationalstolz bei der Fußball-WM freien Lauf ließ und jeden, der ihr über den Weg lief, begeistert küsste, trug dem Land Ärger ein. Dennoch, Kroaten sind liebe, herzliche europäische Menschen.

Zurück zu denen, die dort nicht hingehören, den „Flüchtlingen“. Wo sind sie? Ah, ein Busbahnhof, dort fahren viele Flixbusse ab, die ja auch bei den Landnehmern populär sein sollen. Doch keine Spur hier. Hier sind die jungen Männer auch nicht.

Seitdem die klassische Balkan-Route von Mazedonien über Serbien und Ungarn ein wenig geschlossen ist, haben Schlepper und ihre gutmenschlichen Helfershelfer nach neuen Wegen gesucht, die Glücksritter aus aller Welt zu den Futtertrögen der gelobten Länder, also insbesondere Deutschlands, zu führen.

Ein Blick auf die Karte zeigt: Bosnien-Herzegowina-Kroatien-Slowenien-Österreich und ab zu Merkel.
Und diesen Weg beschreiten all jene, die auf Vollversorgung und süßes Leben Lust haben und dabei ihre Steinzeitriten und -religion ausleben wollen.

Meine kroatische Begleitung und ich wollen uns das mal ansehen. Velika Kladuša in Nordbosnien ist ein solcher Hotspot der „Flüchtlinge“, heißt es. Gerade mal 90 Minuten Fahrzeit trennen Zagreb von der bosnischen Kleinstadt, wobei der Weg durch Karlovac führt, eine Stadt, die gerade einmal 30 Kilometer von Slowenien, dem Grenzstädtchen Metlika, entfernt ist.

Meine Begleitung kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, mit ihrem Auto nach Bosnien zu fahren. „Ich mag die Bosnier nicht, und wer weiß, was sich da für Leute herumtreiben“, sagt sie besorgt beim Blick auf ihren Wagen.

Aber die Neugier siegt doch, wir fahren nach Velika Kladuša. Bis zur Grenze ist nichts zu bemerken. Es ist halt eine grüne Grenze im ehemaligen Jugoslawien. Aber das Gelände um einen kleinen Fluss namens Glina erscheint unwegsam.

An der Grenze dann ein freundlicher kroatischer Grenzpolizist, der fragt, wo wir denn hinwollen, nach Velika Kladuša und weiter nach Bihac, einem weiteren Brennpunkt des „Flüchtlingstrecks“? Wir wollten nur mal schauen, sagen wir, er zuckt mit den Schultern. Er sagt, er wolle mit diesen Leuten nichts zu tun haben.

Die Häuser hinter der Grenze wirken deutlich ärmer, aber erst im Ort dann sieht man sie, herumlungernde Männer, ja, vereinzelt auch ein paar Frauen, die wohl auf die Chance warten, nach Kroatien zu kommen.

Ein komisches Bild: In Kroatien ist alles schön und ordentlich, auf der bosnischen Seite sieht es verwahrlost aus, so verwahrlost wie diejenigen, die da herumstehen, palavern. Da es meiner Begleiterin zunehmend ungemütlich wird, treten wir nach zehn Minuten den Rückweg an, an der Straße Männer, die Autos anzuhalten versuchen. Was sie wollen, nämlich mitgenommen werden, können wir nur vermuten.

Durchatmen, als wir wieder in Kroatien sind, in der EU. Angeblich gehen die kroatischen Grenztruppen nicht besonders liebevoll mit den illegalen Einreisenden um. Sie werden schleunigst zurückbefördert, manchmal unter Zuhilfenahme von ein wenig Gewalt, behaupten die „Hilfsorganisationen“. Und unlängst stand in einer kroatischen Zeitung zu lesen, dass Slowenien 20 Migranten an Kroatien zurücküberstellte. Die wurden kurzerhand zurückverfrachtet, wo sie herkamen, return to sender in Bosnia.

Weiterfahrt in Kroatien, an die Küste. Opatija ist ein Ferienort in Istrien, nicht weit von der Hafenstadt Rijeka entfernt. Noch ist man dort im Winterschlaf, viele Hotels sind zu, überall wird gemalert und renoviert.

Der österreichische Manager unseres Hotels in der Fünf-Sterne-Kategorie sagt: „Wir bekommen hier ein Problem. Immer mehr junge Kroaten verlassen das Land, wollen für mehr Geld im Ausland arbeiten. Und im Tourismus, der dank der Terroranschläge in islamischen Ländern immer mehr boomt in Kroatien, fehlt Personal. „Nehmt doch die Flüchtlinge“, lache ich. Der junge Manager lacht da weniger: „Würde ich ja, aber solche Leute sind dafür nicht geeignet.“

„Außerdem, von denen will doch keiner in Kroatien bleiben“. Anders ist das da schon bei Deutschen. Wie Ungarn lockt Kroatien zunehmend Deutsche an, die Deutschland lieber verlassen. Allerdings, so schön es ist, billig ist Kroatien nicht mehr. Aber so, wie man es sich wünscht. Frei von einer „bunten“ Gesellschaft.