Seehofer: „Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung haben wir Kriminalitätsrückgang“

Kriminalstatistik 2018: Lügen haben (manchmal) lange Beine…

VON PETER BARTELS | CSU-Drehminister Horst Seehofer (69) hat die neue „Polizeiliche Kriminalstatistik“ vorgestellt. BILD jubelt: „Die Zahl der registrierten Straftaten ist um 3,6 Prozent auf 5,55 Millionen gesunken – ein historischer Tiefstand, Deutschland ist sicherer geworden“ …

Bundespressekonferenz Berlin, Kriminalitätszahlen 2018. Der CSU-Minister dreht auf, Merkel-Sprech: „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt“. Fortissimo: „Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung haben wir einen Kriminalitätsrückgang“. Adagio, also langsam, gedehnt, gemäßigt, sanft: „Die Zahlen sind erfreulich, aber es ist noch kein nachhaltiger Erfolg“. Dann: Das Gefühl der Verunsicherung habe bei vielen Bürgern zugenommen. Dann aber endgültig Allegretto, also schnell, heiter, fröhlich:

Die Aufklärungsquote steigt: Mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) der Straftaten wurde aufgeklärt, die Zahl der Tatverdächtigen ging zurück: Minus 2,9 Prozent, nur noch 2,05 Millionen.

Wohnungseinbrüche: Historischer Tiefstand: Minus 16,3 Prozent, 97.504 Fälle. Sogar die Sicherheitsfirma „Securitas“ meldete einen Einbruchs-Alarm-Rückgang um zehn Prozent. Drehhofer, grauer und krummer: „Wohnungseinbrüche scheitern zu 45 Prozent schon im Versuchsstadium. Nur bei Banken und Sparkassen (23 Prozent) nicht. Da ist die Tendenz sogar steigend!“ Immerhin: Keine Tresorräume, nur 90 Prozent Geldautomaten … Sprengungen, Sprengungsversuche. BILD: Am liebsten schlagen die Panzerknacker in Banken in NRW und Berlin zu.

Drehhofer, jetzt schnell, schneller am schnellsten, also Presto: „Ein Drittel der Straftaten sind Diebstahldelikte.“ Gemach, Michel: Auch hier sanken die Zahlen: Kraftfahrzeuge (minus 9,1 Prozent), Fahrräder (minus 2,7 Prozent), Taschendiebstahl (minus 18,2 Prozent), Ladendiebstahl (minus 4,1 Prozent). Drehhofer: “Laut Kriminalstatistik niedrigstes Niveau seit Jahrzehnten“.

Dann aber richtig Tatä, Tatä, Tatäää: „Deutlich zurück ging auch die Zahl der Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen: Minus 18,2 Prozent!“ Hier nuschelt Merkels bayerischer Nickesel noch begöschernd nach: „Jedoch muss hier … die hohe Dunkelziffer beachtet werden.“ Sogar mehr noch: „Wie jedes Jahr“. Achso, alter Hut, s’war immer so, Frau oder Fräulein Meier … Auch die nächste Beiläugkeit hört sich wie schon mal gegessen an: „Der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger bleibt konstant. Er liegt fast unverändert bei 30,5 Prozent (2017: 30,4 Prozent).“

Was ist ein Nicht-Deutscher? Araber? Afrikaner? Ausländer etwa? Ach was, Wattebäuschen, Merkel-Sprech, Gutmensch-Geschwafel. Aber damit alles noch „ehrlicher“ aussieht: Rückgang im NRW des linken CDU-Büttenredner Laschet (6,6 Prozent), im sozialistischen Bremen (8,2 Prozent), sogar im renitenten Sachsen (13,7 Prozent). Nuuur in Drehhofers Bayern nahm die Zahl der Straftaten zu (plus 0,9 Prozent). Fliegenschiss also …

Dann aber Porno, Rauschgift, Computer, „Widerstand!!“. Porno plus 13,6 Prozent (11.435 Fälle) … Computerbetrug plus 4,1 Prozent … Kokain (plus 12,6 Prozent) und Cannabis (plus 6,7 Prozent). Uuund eben „Widerstand gegen die Staatsgewalt plus 39,9 Prozent, 34.168 Fälle“. Natürlich nur die „bekannten“ Fälle. Nur die doofe AfD fragt ja immer, wie’s drunter aussieht … Aber selbst diese paar „bekannten Fälle“ von Widerstand machen Deutschlands größten Gartenzwerg schon „besonders betroffen“: „Diesem „Phänomen“ müsse man sich entgegenstellen. Gegenüber Polizisten und Polizistinnen dürfe man keinen Widerstand „leisten“. Das müsse in Deutschland „Staatsräson werden“.

Und dann liefert Inneminister Bräsig sogar Gründe für den „Rückgang“, die schöne Bilanz, besonders bei der gesunkenen Zahl der Wohnungseinbrüche: Videokameras, Alarmanlagen, mechanische Sicherungen. Folge: 40 Prozent „gescheiterter Versuche“. Uuund natüüürlich mediale (danke Medien-Meute!) und „polizeiliche Informationsarbeit“ haben Bürger für „Wachsamkeit sensibilisiert“. Lobet und preiset den Herren …

Drehhofer platzt fast vor Stolz, BILD: „Der gemeinsame (EU-) Kampf gegen reisende Klau-Banden (Grenzkontrollen) zeigt Wirkung.“ Nur ein Kotzbrocken namens Sebastian Fiedler, Chef Deutscher Kriminalbeamter, panscht bei der WELT Wasser in den Seehofer-Wein: „Die Kriminalstatistik gibt die tatsächliche Kriminalitätsbelastung nur eingeschränkt wieder.“ Achwas!?!

Saubatzi? Sauhund? Saudämlicher Schwätzer Drehhofer. Die Joggerinnen, Disco-Girls und Gräber-Witwen werden sich wieder mal die Äugis reiben: Von welchem fernen Traumland labert der Mann? Die grün und blau geprügelten Rentner in ihrer kleinen Wohnung auch.

Lügen haben neuerdings lange Beine …


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Unter ihm erreichte das Blatt eine Auflage von 5 Millionen. In seinem Buch „Bild: Ex-Chefredakteur enthüllt die Wahrheit über den Niedergang einer einst großen Zeitung“, beschreibt er, warum das einst stolze Blatt in den vergangenen Jahren rund 3,5 Millionen seiner Käufer verlor. Zu erreichen ist Bartels über seine Facebook-Seite und seinen Blog bartels-news.de!