Mit US-Flüssiggas-Import steigt auch das CO2 - und keinen interessiert es

Doppelzüngige Politik: Klima-Hype und Fracking-Gas

Von EUGEN PRINZ | Am Freitag verbreitete die deutsche Presseagentur die Meldung, dass die Importe von Flüssiggas aus den USA seit Juli 2018 um 272 Prozent(!) auf 10,4 Milliarden Kubikmeter angestiegen sind. Hintergrund ist eine Vereinbarung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit US-Präsident Donald Trump vom Juli 2018. Um Sonderzölle für den Export von europäischen Autos in die USA zu verhindern, sagte Juncker damals eine massive Steigerung des Imports von Sojabohnen und Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten zu.

Wie funktioniert Fracking?

Die Bohnen lassen wir jetzt mal beiseite, aber es lohnt sich, beim Flüssiggas genauer hinzusehen. Dieses wird durch Fracking gewonnen, eine teure und umweltschädliche Methode, bei der ein Gemisch von Wasser, Sand und giftigen Chemikalien unter starkem Druck über mehr als 1000 Meter tiefe Bohrlöcher in die Lagerstätte eingebracht wird, wo es das dort vorhandene Gas aus dem Gestein löst und an die Oberfläche befördert.

Nicht selten hat diese Abbaumethode ebenso skurrile wie schädliche Auswirkungen auf das Grundwasser, wie in diesem YouTube Video zu sehen ist. Dass man das Leitungswasser/Gasgemisch, das in solchen Gegenden aus dem Wasserhahn kommt, anzünden kann, wäre ja noch ganz lustig, aber leider bleibt es nicht bei dieser „Nebenwirkung“. Neugeborene von Müttern, die in der Nähe von Fracking-Standorten wohnen, kommen häufiger mit einem niedrigen Geburtsgewicht und mit einem schlechteren Gesundheitszustand zur Welt, wie eine Studie aus dem Jahr 2017 belegt.

Wie kommt das Fracking-Gas zu uns?

Aber das ist das Problem der Amerikaner, das uns jetzt nicht weiter beschäftigen soll. Widmen wir uns lieber der interessanten Frage, wie das amerikanische Fracking-Gas zu uns nach Deutschland kommt. Gibt es etwa eine Pipeline durch den Atlantik?

Mitnichten.

Das Gas wird durch starkes Abkühlen verflüssigt und auf großen Frachtschiffen nach Europa gebracht. Für den Verflüssigungsprozess sind etwa 25 Prozent des Energiegehaltes des Gases nötig. Dieser Umstand, die kostenintensive Förderungsmethode und der Transportweg machen das Fracking-Gas aus den USA erheblich teurer und unattraktiver als das kostengünstige Erdgas, das wir von den Russen über eine Pipeline bekommen. Ungeachtet dessen ist es der politische Wille, die Importquote von amerikanischem Fracking-Gas weiter zu erhöhen. Dazu braucht es natürlich zusätzliche Flüssiggas-Terminals. Eines soll voraussichtlich in Brunsbüttel an der Elbe errichtet werden, das zweite in Stade. Finanziert werden diese von den Netzbetreibern, die wiederum die Kosten auf die Verbraucher umlegen.

Bisher macht jedoch das „Russengas“ immer noch den größten Teil des Gasimportes aus. Das ist den Amerikanern ein Dorn im Auge. US-Energieminister Rick Perry übte kürzlich bei einer Konferenz in Brüssel scharfe Kritik an der neuen Ostsee-Gasleitung Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland. Diese mache Europa noch abhängiger von russischem Gas und erlaube Moskau, Druck auf europäische Staaten auszuüben, so Perry.

Ungeachtet der „politischen Großwetterlage“ haben die Russen ihr deutlich preisgünstigeres Erdgas immer pünktlich und zuverlässig geliefert. Warum bezieht Deutschland dann entgegen aller marktwirtschaftlicher und umweltpolitischer Vernunft trotzdem das teure Frackinggas aus den USA? Wegen des politischen Drucks, den die Amerikaner auf die Bundesregierung ausüben.

Unangenehme Fragen…

Keiner der EU-Politiker hat es bislang gewagt, Perry die Frage zu stellen, warum sich Deutschland von den Russen angeblich abhängiger macht, nur weil zu einer bereits bestehenden Gaspipeline eine weitere hinzukommt. Eine Pipeline, die nur dazu dient, das bisherige Mautmonopol der Ukraine zu brechen, die jedes Jahr zwei Milliarden Dollar Durchleitungsgebühr verlangt und noch dazu immer wieder illegal Gas abgezapft.

Und weil wir gerade bei unangenehmen Fragen sind: Es wäre interessant zu wissen, wie es sich verträgt, dass man hierzulande einerseits das CO2 verteufelt, es zum großen Klimakiller hochstilisiert, die „Fridays for future“-Schulschwänzerbewegung in den Himmel hebt, „Klima-Gretl“ Thunberg heilig spricht – und auf der anderen Seite mit Ozeanriesen, von denen jeder soviel Treibstoff verbraucht wie 1959 Diesel-PKWs, immer größere Mengen des umweltschädlich gewonnenen Fracking-Gases über den Atlantik karrt.

An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, dass die gigantischen Dieselaggregate, die solche Ozeanriesen antreiben, nicht mit Diesel, sondern mit Schweröl betankt werden, dem schmutzigsten Energieträger, den man sich vorstellen kann.

Ausschnitt eines Diesel-Schiffsantriebes. Aggregate dieser Art werden mit Schweröl betrieben.
Ausschnitt eines Diesel-Schiffsantriebes. Aggregate dieser Art werden mit Schweröl betrieben.

Daher emittieren diese Kähne große Mengen von Schwefeloxiden, Feinstaub, Stickoxiden und Ruß. Diese Stoffe sind hochgiftig und schädigen sowohl die Umwelt als auch die menschliche Gesundheit. Der Schwefelgehalt von Lkw- und Pkw-Diesel wird mit Schweröl als Treibstoff um das bis zu 3.500-fache überschritten. In Europa sterben jährlich etwa 50.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Schiffsabgase. Bleibt noch zu erwähnen, dass eine Tankfüllung (11.500 Tonnen) 5,3 Millionen Euro kostet. Man kann sich vorstellen, was da alles in die Luft geblasen wird.

Am Beispiel des aus den USA importierten Fracking-Gases zeigt sich wieder einmal die die schizophrene Denkweise der etablierten Politiker, ihrer Hofberichterstatter und der Menschen, die das, was ihnen vorgesetzt wird, unreflektiert nachplappern.


Nachtrag: Von einigen Lesern wird das verlinkte Video mit dem brennenden Wasserhahn als längst bewiesener Fake kritisiert. Hierzu ist zu sagen, dass es verschiedene Aufnahmen zu diesem Phänomen aus unterschiedlichen Quellen gibt. Die FAZ schreibt dazu:

„Wenigstens bei einem der Wasserhähne kam man zu dem Ergebnis, dass er auch dann zum Brennen hätte gebracht werden können, wenn es kein „Fracking“ in der Nähe gegeben hätte – weil Methan im Trinkwasser je nach örtlicher Geologie ein längst bekanntes und altes Phänomen ist. Es handelte sich also um ein Naturphänomen.“

Und dieses seltene Naturphänomen kann m. E. durch Fracking auch künstlich hervorgerufen werden.

Ich empfehle, einfach selbst per google zu recherchieren und sich eine Meinung zu bilden. Der Link zu dem brennenden Wasserhahn ist ja nicht das Herzstück dieses Artikels. Primär geht um die Tatsache, dass einerseits das Flüssiggas unter hohem Schadstoffausstoß über den großen Teich gekarrt wird und man andererseits mit religiösem Eifer eine CO2 Debatte führt.

Darüber besteht doch Einigkeit, oder?

Dass sich Fracking mittlerweile wirtschaftlich rechnet, wurde in dem Bericht nicht bestritten. Allerdings ist Fakt, dass die konventionelle Förderung immer noch kostengünstiger ist und das auch so bleiben wird, solange es Lagerstätten gibt, aus denen das Erdgas relativ einfach gefördert werden kann.

Eugen Prinz