US-Geheimdienstexperte Paul R. Pillar:

„John Bolton tut alles, um die USA in einen neuen Krieg zu locken“

Von KEWIL | Wer in der Politik auf der einen Seite nur die Guten und auf der anderen Seite nur Bösewichte sieht, ist im besten Fall naiv und in Wahrheit ziemlich dumm. Politik ist viel komplizierter, undurchsichtiger und kennt kein Schwarzweiß.

Donald Trumps Meinung zur Rolle der USA in der Welt war von Anfang an überraschend klug und zurückhaltend und noch Ende 2018 sagte er: „Die Vereinigten Staaten können nicht dauernd der Weltpolizist sein… Wir sind über die ganze Welt zerstreut. Wir sind in Ländern, von denen die meisten Leute überhaupt noch nichts gehört haben. Es ist lächerlich.“ Und er wollte seine Truppen aus Syrien abziehen. Die ganze Presse, auch bei uns, verdammte ihn deswegen.

Die USA sind natürlich seither nicht aus Syrien abgezogen, sie sitzen immer noch in jeder Ecke im Nahen Osten und sonst auf der Welt, haben inzwischen engste Freundschaft mit den salafistischen Saudis und deren rechtgläubigem Wahhabismus geschlossen, was auch durch den saudischen Mord an Kashoggi oder ihre dauernde Bomberei im Jemen nicht getrübt wurde, sondern treiben regen Waffen- und Ölhandel miteinander. Und ziemlich einflussreiche Kräfte in Trumps Regierung sehnen einen weiteren Krieg herbei, den Krieg gegen Teheran. Wer oder was hat ihn umgestimmt?

Der Nationale Sicherheitsberater John Bolton, unterstützt von seinem Waffenbruder, Verteidigungsminister Mike Pompeo, tut alles, was nur möglich ist, um mit dem Iran einen Krieg anzuzetteln. Nackte Aggression als Mittel, um einen solchen Krieg zu starten, ist vielleicht sogar für Bolton zu viel, so ist es die Strategie, Druck aufzubauen und den Iran aufzustacheln, irgendetwas – egal was – zu tun, um einen casus belli konstruieren zu können. Bis jetzt – ohne Zweifel ist Bolton frustriert – hat der Iran eine bemerkenswerte Zurückhaltung an den Tag gelegt angesichts der nicht nachlassenden und eskalierenden Feindseligkeit der Trump-Administration…

Schreibt Paul R. Pillar, US-Geheimdienstexperte, im Business Insider, und auch er hat keinen Zweifel, dass irgendein „Vorfall“, ein Ereignis konstruiert, herbeifabuliert und herbeigesehnt wird, was man dann dankbar ausnützen kann, um einen Krieg anzuzetteln. Die ganze US-Presse merkt, was abgeht. Und wer will diesen Krieg außer Bolton?

Es gibt keinen Zweifel, dass außer Bolton und dem militärisch-industriellen Komplex in den USA auch die Premier Netanjahu in Israel nahestehende Politik und Saudi-Arabien die allergrößte Freude über einen Krieg mit dem Iran hätten. Trumps Freundschaft mit den Saudis wurde auch sehr durch seinen Schwiegersohn Jared Kushner befördert. Und John Bolton findet noch heute den Irakkrieg einen vollen Erfolg. In Wirklichkeit war der unbestreitbar eine kolossale Pleite für die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik! Soll sich das wiederholen?