AfD als Parlaments- und soziale Bewegungspartei

Warum Björn Höcke wirklich „gefährlich“ ist

Von ROBERT ANDERS | Björn Höcke ist der am meisten verteufelte Politiker der AfD. Seit seinem spektakulären Auftritt mit einer Deutschland-Flagge in einer öffentlich-rechtlichen Talkshow und seiner arg missglückten Rede bei einer Saalveranstaltung in Dresden gilt er in den „Qualitätsmedien“ und in der gesamten linken bis linksextremen Szene als eine Art Hitler-Wiedergänger. Natürlich warnen auch die Merkel-Union und die Lindner-FDP vor dem „hetzerischen Nationalisten“.

Aber selbst in Höckes Partei gibt es jede Menge Mitglieder und Mandatsträger, die stets zu einer Distanzierung von dem thüringischen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 27. Oktober gerne bereit sind. Auf der anderen Seite gilt Höcke nicht wenigen in der AfD und im patriotischen Lager als Lichtfigur, ja gar als Heilsbringer. Weder das eine noch das andere wird dem zum Politiker gewordenen Studienrat gerecht.

Was allerdings als richtig gelten kann: Höcke ist tatsächlich „gefährlich“! Denn er ist einer der wenigen AfD-Politiker, der begriffen hat, dass die AfD sowohl Parlaments- als auch soziale Bewegungspartei sein muss, um tatsächlich ihrem Anspruch als Alternative für Deutschland gerecht zu werden. Und er ist unter diesen wenigen derzeit wohl der einzige, der daraus erfolgreiche praktische Konsequenzen zieht. Denn er geht auch auf die Straße und fordert damit im öffentlichen Bereich die in diesem dominierende Linke heraus.

Das hat er am Maifeiertag in Erfurt mit einer Demonstration und Kundgebung von ca. 2000 Menschen (PI-NEWS berichtete) erneut bewiesen. Mit dieser Zahl hat er eine ausreichende Masse angeführt, die erstens nicht so leicht einzuschüchtern ist und zweitens den Teilnehmern positive Motivation vermittelt. Dass etliche dieser Teilnehmer aus westlichen Bundesländern stammten, beweist nur, wie groß das Bedürfnis nach solchen Manifestationen ist.

Diese Teilnahme über Thüringen hinaus beweist allerdings auch die schweren Defizite an Mobilisierungskraft und Mobilisierungswillen der AfD gerade in den westlichen Bundesländern. Überall dort ist die Partei ja inzwischen in allen Landesparlamenten und vielen kommunalen Gremien vertreten. Das ist auch gut so. Aber reicht das? Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, reicht das jedenfalls nicht.

Die Teilnahme von Alexander Gauland an der Erfurter Veranstaltung zeigt, dass auch der Fraktionsvorsitzende im Bundestag im Parlamentarismus nicht das einzige Kampffeld der AfD sieht. Gaulands Teilnahme in Erfurt ist durchaus als Ermahnung an diejenigen zu werten, die sich beglückt mit hohen Diäten und vielen Privilegien anschicken, die Herausforderung als Bewegungspartei für allzu unbequem, ja geradezu lästig zu empfinden.