Die aktuelle Rolle des ARD-Senders im Schlepperwesen

Sea Watch-Berichterstattung: NDR antwortet auf PI-NEWS-Fragen

Der NDR ist es nicht gewohnt, seine Propaganda hinterfragt zu sehen und muss sich das jetzt doch gefallen lassen. Wir berichteten am 30. Juni über den Aufenthalt von zwei NDR-Reportern auf der Sea Watch 3, die das illegale Eindringen des Schiffes in italienische Hoheitsgewässer begleiteten.

Insbesondere lieferten sie Bilder der „Flüchtlinge“ an Bord und hielten medienwirksam die Entschlossenheit von Rackete fest (0:21 min), nun illegal in den Hafen von Lampedusa einzufahren:

“I will proceed into the port. Be informed! I will proceed into the port. Over.“ („Ich werde in den Hafen hineinfahren. Damit ihr’s wisst! Ich werde in den Hafen einfahren. Ende.“)

Das Ganze wirkte so, als werde der NDR mit eingespannt, um hier der Agenda der deutschen Poltik zu dienen, derzufolge es keine Einschränkung des Schlepperwesens geben dürfe und Italien gefälligst nach Merkels Pfeife zu tanzen habe.

Der Beifall von Maas bis hin zu Steinmeier für die Schlepperin bestätigte das anschließend eindrucksvoll. PI-NEWS wollte Genaueres wissen und stellte die unten aufgeführten Fragen, auf die PI-NEWS erwartungsgemäß selbst keine Antwort erhielt.

Allerdings unterstützten PI-NEWS mehrere Leser im Bemühen um Transparenz beim NDR, unter ihnen auch AfD-Politiker wie Petr Bystron, der auf seiner Seite twitterte:  

Manche Leser schrieben den NDR auch an und legten dem ARD-Sender die PI-NEWS-Fragen vor. Eine Leserin leitete die Antwort an uns weiter, die sie von prominenter Stelle erhalten hatte: Sven Lohmann, Redaktionsleiter von Panorama 3, antwortete „gerne“ „im Auftrag von Intendant Lutz Marmor“ an unsere Leserin. Zuerst die Fragen von PI-NEWS:

  1. Seit wann sind die Journalisten des NDR auf der Sea-Watch? Für wie lange wurde der Aufenthalt ins Auge gefasst, wie lange war er tatsächlich?
  2. Sind / waren sie nur zu zweit dort oder mit weiteren Mitarbeitern (Kamera, Ton) an Bord? Wie viele insgesamt?
  3. Was war der Anlass für die NDR-Mitarbeiter, an Bord zu gehen?
  4. Wurden die näheren Umstände der „Rettung“ hinterfragt (Position des havarierten Bootes, warum es seeuntüchtig wurde, Zusammenarbeit der Sea-Watch mit der Schlepper-Mafia)? Wenn ja: Wann wird darüber berichtet?
  5. Ist /war dem NDR bekannt, dass Innenminister Salvini die Flüchtlinge vermutlich sofort an Land gelassen hätte, wenn andere europäische Länder sich zur Aufnahme bereit erklärt hätten?
  6. Wie sind die NDR-Journalisten an Bord gekommen (Hubschrauber, Schiff)?
  7. Was hat der Transfer des NDR-Teams nach Italien und von dort aufs Schiff wie auch der gesamte Aufenthalt gekostet (ungefähre Angabe)?

 

Hier die Antworten des NDR:

Sehr geehrte Frau *****,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 01.07.2019 an den Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor. Ich antworte in seinem Auftrag. Gerne schildere ich Ihnen die Hintergründe zur Berichterstattung von der „Sea Watch 3“.


Eine Reporterin und ein Reporter des NDR gingen am 09.06.2019 in einem Hafen auf Sizilien an Bord der „Sea Watch 3“. Das Ziel war eine aktuelle Berichterstattung über die Aktivitäten der Organisation „Sea Watch“ vor dem Hintergrund der geltenden behördlichen Vorgaben in der EU. Angesichts der Diskussion um die zivile Seenotrettung im Mittelmeer und die Aufnahme von Flüchtlingen ist diese Fragestellung nach redaktioneller Einschätzung von hohem öffentlichen Interesse.

Geplant war der Aufenthalt während einer kompletten Fahrt der „Sea Watch 3“. Dafür wurden ursprünglich ca. drei Wochen veranschlagt, am Ende waren es 20 Tage.

Die beiden Reporter*innen haben in dieser Zeit aufmerksam das Geschehen beobachtet und Fragen zu den Hintergründen gestellt. Darüber haben sie in den letzten Tagen in verschiedenen Sendungen berichtet. Die Recherchen sind damit aber noch nicht abgeschlossen.

Auch der Sendetermin für die geplante Reportage steht noch nicht fest. Der NDR wird darüber so bald wie möglich informieren.

Der NDR Rundfunkrat überwacht die Einhaltung der stasatsvertraglich festgelegten Programmanforderungen. Dies umfasst die Berichterstattung des NDR im Fernsehen, im Hörfunk und online. Nähere Informationen zur Arbeit des NDR Rundfunkrats finden Sie im Internet unter folgendem Link: https://www.ndr.de/der_ndr/ihr-ndr/rundfunkrat/index.html

Ich hoffe, Ihnen damit einen besseren Einblick in unsere Arbeit gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,
Sven Lohmann
Redakteur NDR Fernsehen

Wie man sieht, wurden einige Fragen genau beantwortet, einige ausweichend und manche gar nicht:

Frage 1: Genaue Antwort, allerdings eine Diskrepanz zur Reporterin Nadia Kailouli, die (am 19. Juni) auf Facebook schrieb, dass sie zu dem Zeitpunkt bereits zwei Wochen auf der Sea Watch sei, das wäre ab dem 5. Juni gewesen, nicht ab dem 09.06. Vielleicht eine Ungenauigkeit.

Frage 2: Ausweichend. Dass eine Reporterin und ein Reporter des NDR […] am 09.06.2019 in einem Hafen auf Sizilien an Bord der „Sea Watch 3“ […] gingen“ sagt noch nichts darüber aus, ob sie nicht von weiteren NDR-Mitarbeitern (Kamera, Ton) begleitet wurden oder nicht.

Frage 3:  Genaue Antwort. Allerdings fehlt die selbstkritische Reflexion, ob nicht durch die Anwesenheit des NDR die Kapitänin überhaupt erst ermuntert wurde, ihr Ziel zu verfolgen, nämlich eine erneute dauerhafte Öffnung italienischer Häfen zu erzwingen.

Frage 4:  Genaue Antwort.

Frage 5:  Keine Antwort.

Frage 6:  Genaue Antwort.

Frage 7:  Keine Antwort.

PI-NEWS wird die Thematik weiter verfolgen, kritisch und wie immer unbequem für die Staatssender. Insbesondere werden wir die vom NDR angekündigte Reportage hier kritisch begleiten. Wir danken allen Lesern, die uns in dieser Angelegenheit unterstützt haben.