Hart, aber Quer

Uwe Junge: Wiedervorlage…

Von PETER BARTELS | Da hatte die ARD mit Uwe Junge nach langer Zeit mal wieder eine AfD-Type auf den hinlänglich bekannten Bendler-Block „Hart aber fair“ gelegt. Und das Fallbeil blieb stumpf, der Korb für den AfD-Kopf leer. Sogar die längst linke FAZ knirschte hinterher: Junge ist kein Rechtsradikaler. Und die ARD entschuldigte sich sogar…

Matthias Matussek, der einstige Feuilleton-Gott vom SPIEGEL, lobte den PI-NEWS-Bericht: „Glänzend!“, fügte an: „FAZ auch nicht schlecht…“. Und ja, Plasberg hatte tatsächlich eher „Hart, aber quer“ geliefert. Was natürlich am Landesvorsitzenden der AfD-Rheinland-Pfalz lag, der zuweilen wie Jean Paul Belmondo mit Schnauzer aussah … Trotzdem: War allen über Nacht der Himmel des Gesunden Menschenverstands auf den Kopf gefallen?

Das Hinrichtungskommando war doch vollzählig angetreten: Mascolo, ehemaliger „Spiegel“-Pleitier… CDU-Innenminister Reul, der Glöckner von NRW … Irene Mihalic, GRÜNE Oberkommissarin … Mehmet Daimagüler, Strafverteidiger mit „türkischen Wurzeln“…

Und trotzdem musste hernach Frank Lübberding in die FAZ reinknirschen, schreiben, war doch vor, während und nach dem Tribunal ein Shitstorm von links bis rechts durch Wessi-Land gerast: „Zwei Tweets sind bemerkenswert. Sie dokumentieren, wie die Synthese aus Denken und Sprechen es schafft, bisweilen ohne Nachdenken auszukommen…“

Erster Tweet

Ralf Stegner, SPD, der noch während der Sendung kreischte:

Der FAZ-Schreiber hinterher höhnisch: „Nun war Stegner schon öfter ein Experte darin, sein Denken als Selbstbezichtigungsschreiben zu formulieren … Grotesker ist aber seine Fehlwahrnehmung. Junge war in Wirklichkeit an staatstragender Rhetorik nicht zu überbieten. Es gab keine einzige Aussage von ihm, wo Stegner einen Beleg für seine wilden Thesen hätte finden können.“ Schrecklich aber auch …

Zweiter Tweet

Ein Social-Media-Redakteur des Ersten schrieb:

Der FAZ-Schreiber gequält: „Das war scheinbar die Bestätigung dessen, was viele schon immer vermuteten: Die AfD als größte Oppositionspartei wird systematisch ausgegrenzt.“ … Nein, Herr Rabulistiker, wenn Du es ehrlich meinst, dann heißt es „anscheinend“ … Oder kennen Sie nicht den Unterschied? „Scheinbar“ ist eher NEIN … „anscheinend“ eher JA. Halt lange her, dass hinter der FAZ immer ein „Kluger Kopf“ steckte … Aber you mean natürlich sowieso die Verneinung, die AfD wird natürlich nicht ausgegrenzt … Har! Har! Immerhin bringt der FAZ-Dingsbums dann auch die ARD-Reaktion auf den entlarvenden Amoklauf ihres eigenen Social-Media-Redakteurs.

Die ARD entschuldigt sich

Er zitiert: „Das wiederum rief die Chefin der Zuschauerredaktion des Ersten auf den Plan, um sich in Relativierung zu üben. Dieser Tweet sei „leider nicht mit der Redaktion von Hart aber fair abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten.“ … Frank Lübberding sogar erklärend weiter: „Womit Sabine Knott allerdings der Redaktion die Verantwortung zuschob. Ansonsten hätte sie den Grundsatz als den des Ersten (ARD) formuliert. Die müssen das wohl anders sehen als Frank Plasbergs Redaktion.“ … Schließlich seufzt der FAZ-Schreiber fast fatalistisch: „So übten sich Stegner und die Zuschauerredaktion des Ersten in der Kunst der intellektuellen Selbstentleibung. Die Sendung selbst wirkte dagegen wie die hohe Kunst des zivilisierten Umgangs unter mündigen Bürgern.“ Und fügt – DONNERWETTER – tatsächlich hinzu:

„Das hatte einen anderen Grund: Junge entsprach nicht nur nicht dem Bild des Rechtsextremisten, er ist auch keiner … Das bestimmte allerdings die Debatte der vergangenen Wochen. Dort war die AfD als rechtsradikal, rechtsextremistisch oder als Nazipartei deklariert worden. Besonders einfältige Zeitgenossen machten sie sogar zu Mittätern im Mordfall Lübcke …“

And the winner is … Uwe Junge

Der Frank schreibt sogar frank und frei: „Nur ist Junge nichts davon. Er war Berufsoffizier mit Auslandseinsätzen auf dem Balkan und in Afghanistan, zudem fast vierzig Jahre in der CDU. Junge wurde zum Gewinner dieser Sendung, weil er die Wirklichkeit mit der Propaganda des politischen Gegners kontrastieren konnte.“

Ein bißchen nachtreten muß trotzdem sein. Der FAZ-Frank triumphierte Ätschi: „So wird es wahrscheinlich auch notorischen Fremdenfeinden in seiner Partei gehen, wenn sie von folgendem Fall hören … Am Arnsberger Franz-Stock-Gymnasium machte in diesen Tagen ein junger Mann ein Einser-Abitur mit besonderer Auszeichnung für seine Leistungen in den Naturwissenschaften … Er kam vor vier Jahren als Flüchtling zu uns, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen …“

Ach, Frankie Boy … Nenne irgend einen Gauland, Meuthen oder Curio, der je was anderes sagte: Wer sich unserer Demokratie anpasst, ob Mann, Frau, Homo … kann sogar glauben an wen er will. Und bleiben, so lange er arbeiten will. Auch bei Höcke wirst Du nichts anderes finden. Oh Danny Boy …


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Davor war er daselbst über 17 Jahre Polizeireporter, Ressortleiter Unterhaltung, stellv. Chefredakteur, im “Sabbatjahr” entwickelte er als Chefredakteur ein TV- und ein Medizin-Magazin, löste dann Claus Jacobi als BILD-Chef ab; Schlagzeile nach dem Mauerfall: “Guten Morgen, Deutschland!”. Unter “Rambo” Tiedje und “Django” Bartels erreichte das Blatt eine Auflage von über fünf Millionen. Danach CR BURDA (SUPER-Zeitung), BAUER (REVUE), Familia Press, Wien (Täglich Alles). In seinem Buch “Die Wahrheit über den Niedergang einer großen Zeitung” (KOPP-Verlag) beschreibt Bartels, warum BILD bis 2016 rund 3,5 Mio seiner täglichen Käufer verlor; inzwischen mehr als 4 Mio. Bartels ist zu erreichen über FB und seinen Blog bartels-news.de.