Schon wieder eine erstaunliche Glücksbotschaft

Deutsche fühlen sich angeblich immer glücklicher

Von REALSATIRE | Liegts am Klima, am CO2-Überschuss? Oder nur am schönen Wetter? Oder nur, weil im Osten Deutschlands Landtagswahlen anstehen und gute Laune verbreitet werden muss? Jedenfalls häufen sich in immer kürzeren Abständen mediale Glücksbotschaften. Die vorerst letzte ihrer Art könnte vielfach heftige Irritationen auslösen: In keinem anderen Land der Welt sei das Glücksempfinden so stark angestiegen wie hierzulande, hat das global agierende Meinungsforschungsinstitut Ipsos jetzt herausgefunden.

Nicht, dass das Glücksempfinden der PI-NEWS-Leser jetzt schlagartig in den Keller rauscht. Aber wir kommen nun mal nicht darum herum, den realexistierenden Meldungswahnsinn, der epedemienartig in den Qualitätsmedien aus dem Kraut schießt, getreulich wiederzugeben und einzuordnen. Also, der aktuellen Ipsos-Studie zufolge ist in keinem anderen Land das Glücksempfinden der Deutschen zuletzt stärker angestiegen als in der Bundesrepublik. Sagt Ipsos.

Welche Deutschen sind gemeint, könnte bereits an dieser Stelle ein berechtigter Einwurf lauten. Der „neuen Deutschen“, der Pass-Deutschen, der Doppelpass-Deutschen, der Aufenthalts-Deutschen – oder gar der Bio-Deutschen? Denn es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn mancher „Deutsche“ sein Glück gar nicht fassen kann, weil ihm das Sozialamt Wohnung, Essen und Smartphone finanziert, ohne dass er einen Handschlag dafür tun müsste. Über solche Verständnis-Kleinigkeiten schweigt allerdings des Sängers Höflichkeit. Wie es in den berichterstattenden Medien lediglich heißt, sind für die Studie zwischen dem 24. Mai und dem 7. Juni 2019 insgesamt 20.327 Menschen aus 28 Ländern online interviewt worden. In Deutschland und elf weiteren Ländern wurden jeweils etwa 1000 Menschen befragt.

Sie persönlich waren leider nicht dabei? Schade, aber so ist nun mal das lustige Meinungsforscherleben. Auf das Ergebnis kommt es schließlich an! Und da passt eben nun mal nicht jede Meinung in den Raster.

Nehmen wir mal als Beispiel die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, jener Meinungsforschungsanstalt, die regelmäßig das Delphi-Orakel zu befragen scheint. Demnach soll die vierte Regierung Merkel und die dritte Große Koalition angeblich besser sein, als ihr Ruf. Die Bundesregierung arbeite „rekordverdächtig“ schnell und effizient, erfährt das staunende Publikum.

Die Ipsos-Studie kommt zu noch erstaunlicheren Aussagen, dass sich sogar Springers Welt zu einem augenzwinkerndem „Wer hätte das gedacht?“ bemüßigt fühlt. „Nur“ 17 Prozent der Menschen in Deutschland seien nicht besonders glücklich; vier Prozent bezeichnen sich als überhaupt nicht glücklich. Dagegen sind 17 Prozent sehr und 62 Prozent ziemlich glücklich. Im internationalen Vergleich liege Deutschland damit auf Platz sieben der glücklichsten Länder, gleichauf mit Saudi Arabien. Spitzenreiter sind Australien und Kanada. China folgt auf Platz 3. Hier sind wohl nicht Hongkong-Chinesen gemeint. Und England, wo ja demnächst die Brexit-Sonne untergeht, wie jeder weiß, folgt sogar auf Platz 4. Freuen sich etwa die Briten insgeheim auf ihren Austritt, der sie angeblich ins Unglück stürzt? Erstaunlich ist ebenso, dass im Amerika des bösen Trump die sechstglücklichsten Menschen auf der ganzen Welt leben sollen. Dieser Umstand muss nun wirklich jedem Trump-Hasser zu denken geben und macht die Ipsos-Studie fast schon wieder sympathisch. Frankreich liegt auf Platz 5.

Es gibt auch Verlierer im Glücklichsein. Denn weltweit nimmt das Glücksgefühl ab, hat Ipsos ermittelt. „64 Prozent aller Befragten empfinden sich als glücklich, ein Rückgang um sechs Prozentpunkte verglichen mit der vorherigen Studie im Februar 2018. Seit 2011 ging das Glücksempfinden um 13 Prozentpunkte zurück“, schreibt die Welt. In Argentinien, Chile und Brasilien seien die Glückswerte am stärksten zurückgegangen, überhaupt gehört Lateinamerika laut Studie zu den Loosern im Glücksempfinden. Auf den letzten Plätzen landen allerdings Spanien, Russland und Argentinien.

Nun muss keiner glücklich oder traurig sein angesichts der überraschenden Ipsos-Erkenntnisse. Denn schließlich gibt es noch andere weltweite Glücks-Studien mit anderen Werten. Der „Worldhappinessreport“ 2019 der Vereinten Nationen sieht die Finnen, Dänen und Norweger als Spitzenreiter im Glücklichsein im Ranking von 156 Nationen. Deutschland hat sich danach von Platz 15 auf Platz 17 verschlechtert. Was stimmt nun: Platz 7 (Ipsos) oder Platz 17 (UN)? Take it easy!